Demo gegen CETA am 17. 9.

Am Sonnabend war ich in Hamburg mit geschätzten 65.000 anderen Menschen (Angabe des Veranstalters) auf der Straße, um gegen das Freihandelsabkommen CETA zu demonstrieren. Auch in sechs anderen Städten (Berlin, Köln, München, Frankfurt/Main, Stuttgart und Leipzig) waren die Menschen unterwegs, insgesamt spricht man von Veranstalterseite von 320.000 Teilnehmern. Das ist ein deutliches Zeichen in Richtung Politik!

Über CETA haben wir ja schon genug hier auf unterströmt geschrieben, sodass ich darauf nun nicht weiter eingehen werden, sondern nur zwei Aspekte hervorheben möchte:

Zum einen fand ich die Aussage eines Redners von Campact sehr zutreffend, der sich an die an ihren Fahnen erkennbaren Mitglieder der Grünen in der Menge der Demonstranten wandte. Zu Recht stellte er fest, dass es ja schön sei, dass die Grünen auch Präsenz auf der Demo zeigen würden, betonte dann aber, dass die Grünen ja in zehn Landesregierungen vertreten seien und somit durch eine klare Ablehnung von CETA im Bundesrat ganz allein dafür sorgen könnten, dass das Abkommen scheitern würde. Lauter Applaus von den Tausenden Zuhörern – nur aus der Gruppe der Grünen war nicht ganz so viel Euphorie zu vernehmen …

Und zum anderen werden die Teilnehmerzahlen natürlich mal wieder von den der Polizei kleingeredet, was man ja leider auch schon kennt, wenn es nicht gerade um Dinge wie ein Veranstaltung im Zuge der medialen Werbekampagne für die Olympia-Bewerbung Hamburgs im letzten Jahr geht (s. dazu hier). Natürlich ist es schwierig, aus der Menge heraus genaue Teilnehmerzahlen zu schätzen, und Veranstalter geben solche Werte ja auch gern etwas großzügiger an, aber wenn ich mir überlege, wie lang gestern der Demonstrationszug war (ich selbst war im ersten Drittel und telefonierte zwischendurch mit jemandem, der eher am Ende war), dann scheinen die 30.000 doch deutlich weiter weg von der Realität zu sein als die 65.000, die der Veranstalter angibt. Schon traurig, wie sich die Polizeiführung hier mal wieder eindeutig parteiisch positioniert.

Passend dazu auf der Facebook-Seite von der spiegelfechter (18. 9., 11:26 Uhr):

Laut Veranstalter waren auf den Anti-TTIP-Demos 320.000 Menschen. Die Tagesschau schreibt, es seien 100.000 gewesen.
Diese Diskrepanz hatten wir vor 30 Jahren auch schon.

Wie man allerdings im Zeitalter von massenhafter Überwachung nicht mal in der Lage sein kann, die Teilnehmer einer Demo zu zählen, das erschließt sich mir irgendwie nicht.

Ansonsten war die Stimmung großartig und absolut friedlich, irgendwelche Rechten waren nicht zu erkennen (das war ja ein Vorwurf, der bei der großen Anti-TTIP-Demo letztes Jahr im Oktober von vielen Medien vorgebracht wurde; s. dazu hier, und auch aktuell wird genau dies wieder versucht, so wie hier in einem nur noch als peinlich zu bezeichnenden diffamierenden Propagandaartikel der FAZ, in dem sich so viel Falsches findet, dass ich einen eigenen Artikel darüber schreiben könnte), und das Teilnehmerfeld war ausgesprochen gemischt – von Jugendlichen über Eltern mit Kindern bis hin zu Rentnern. Das Thema treibt also die Menschen aus unterschiedlichsten gesellschaftlichen Gruppen um.

Allerdings habe ich mich auch gefragt, wie viele der umstehenden Passanten, die dem Demonstrationszug zuschauten, wohl wissen, was CETA und TTIP überhaupt sind. Aber in jedem Fall dürfte diese deutschlandweite Großdemonstration dann doch dafür gesorgt haben, dass mehr Menschen von diesen Abkommen erfahren – zumal auch die Tagesschau um 20 Uhr an erster Stelle über die Demos berichtete.

Ach ja: Was ich dann doch recht bezeichnend fand, war, als ich auf dem Rückweg von der Demonstration in St. Pauli am Zirkusweg vorbeikam und dort sah, dass die lokale SPD da auf einem Spielplatz ein Kinder- und Seniorenfest veranstaltete. Gut gewählter Zeitpunkt, dass parallel zur schon lange angekündigten Großdemo gegen CETA stattfinden zu lassen. Aber so was ist ja auch eine Art Statement …

Abschließend noch ein paar Fotos, die ich am Sonnabend geschossen habe und die hoffentlich Appetit darauf machen bei denjenigen, die nicht dabei waren, nächstes Mal bei einem entsprechenden Anlass vielleicht selbst mal den Hintern hochzubekommen.

print

Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

Schreibe einen Kommentar