Quetschies

Quetschies sind mal wieder so eine Sache, die niemand gebraucht hat, die aber den Konsumenten dann mit viel Werbung und reichlich Marketingmaßnahmen aufs Auge gedrückt wird.

Wer die Dinger nicht kennt: Das ist zermatschtes Obst, was in bunte Verpackungen gestopft und so speziell an Kinder bzw. deren Eltern vermarktet wird. Und wie eigentlich fast immer haben solche „Produktinnovationen“ dann auch massive Nachteile, wie die Lebensmittelexpertin von foodwatch Alice Luttropp im E-Mail-Newsletter der NGO feststellt:

Vergleichbar sind Quetschies mit Obstbrei aus Gläsern, geeignet für Kinder zwischen dem 6. bis 12. Lebensmonat. Doch es gibt einen wichtigen Unterschied: Während der Brei aus dem Glas per Löffel verabreicht wird, lutschen die Kinder – viele von ihnen älter als ein Jahr – das Mus aus den Quetschies ganz einfach selbst heraus. Wird regelmäßig an Quetschies genuckelt, kann das Karies verursachen, weil die Zähne vom stark zuckerhaltigen Fruchtpüree umspült werden. Außerdem haben Quetschies einen hohen Säuregehalt – zusätzlich zu der natürlichen Säure der Früchte wird den Produkten oft säurehaltiges Vitamin C zugefügt, um dem Mus Oxidationsschutz zu verleihen und es obendrein als gesund bewerben zu können.

Quetschies kosten viel Geld, zumindest im Vergleich zu Brei im Glas oder unverarbeitetem Obst. Während das Mus im Quetschbeutel pro Packung (90 Gramm) in der Regel zwischen 60 Cent und einem Euro kostet, bekommt man ein Glas Obstbrei bereits für 60 Cent – mit doppelt so viel Inhalt. Ein Apfel (rund 100 Gramm) kostet rund 30 Cent.

Die bunt bedruckten Quetschies kommen bei Kindern unheimlich gut an. Auch bei Eltern sind sie beliebt, denn die Tüten sind handlich und eignen sich hervorragend als Snack für unterwegs. Doch die kleine Tüte ist schnell weggenuckelt – und dann wandert die Verpackung aus Aluminium und Plastik in den Müll. Umweltfreundlich ist das nicht.

Viele Hersteller empfehlen ihre Quetschies für Kinder ab einem Jahr. Damit verkaufen sie ihre Produkte als Kinderlebensmittel und erwecken den Anschein, Kinder bräuchten spezielle Lebensmittel. Das trifft jedoch ausschließlich auf Kinder im ersten Lebensjahr zu. Kinder können in der Regel ab ihrem ersten Geburtstag die gleichen Lebensmittel und Speisen zu sich nehmen wie Erwachsene. Statt einem Obst-Quetschie sollten Kinder also besser frisches Obst, etwa in Form von Apfelschnitzen bekommen. Das ist nicht nur gesünder, sondern fördert die Kaumuskulatur und die Sprachentwicklung. Quetschies sind letztlich nur ein weiteres sogenanntes Kinderlebensmittel, das niemand braucht.

Fazit: Ab und zu ein Quetschie schadet keinem Kind. Doch wir sollten uns immer bewusst machen: Quetschies sind eher eine Süßigkeit für Ausnahmesituationen und kein Ersatz für frisches Obst.

Dass gerade Eltern so einen Kram kaufen, der nicht nur gesundheitlich bedenklich ist, sondern auch noch unnötigen zusätzlichen Müll produziert, was dann ja gerade für kommende Generationen ein zunehmend größeres Problem darstellt, zeigt, wie wenig mündig der Bürger als Konsument tatsächlich ist.

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

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