Interessantes aus KW 41/2017

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. Eigentlich bereits am letzten Freitag ausgestrahlt, anbei der knapp vierminütige Beitrag aus der kulturzeit zur Vergabe des Friedensnobelpreises. Es ist einfach überall auf der Welt das Gleiche: Die Mehrheit entscheidet sich für eine Sache, und die mächtigen aus Politik und Wirtschaft machen, was sie wollen. Ob es um missachtete Volksentscheide geht oder Grenzwerte, die von Großkonzernen systematisch ignoriert werden. Was bleibt, außer die Mistgabeln zu schwingen? [Dirk]

2. Wieder einmal ein Bericht zu Monsanto und seinem Kassenschlager Roundup (mit Glyphosat). Die 3sat-Sendung nano berichtet in einem siebenminütigen Bericht über den Umgang von Monsanto  mit möglichen Geschädigten. Außerdem werden einige interne Papiere gezeigt, die durchaus die Sorge von Monsanto vermitteln, dass ihr Produkt nicht zu Unrecht am Pranger steht. [Dirk]

3. Fast jeden Sonntag beende ich die Woche mit ttt, und das ist auch gut so. Hier zwei Links in einem Absatz, die so absolut nichts miteinander zu tun haben außer dem Rahmen, in dem sie eingebettet waren. Als Erstes ein sechsminütiger Beitrag zur „Attribution Science“: der Wissenschaft der Zuordnung und wie diese nun eingesetzt wird, um Wetterphänomene dem Klimawandel zugehörig zuzuordnen (oder eben nicht). Als zweiter (ähnlicher langer) Beitrag einfach nur interessante Bilderwelten des Noam Bar: Er schafft kleine Kunstwerke in minimalistischer Ausprägung und von tiefer symbolischer Kraft. Wow! [Dirk]

4. Erschreckende Zahlen werden da in einem Artikel von foodwatch präsentiert: Die Zahl der fettleibigen Kinder hat sich weltweit von 1975 bis heute absolut verzehnfacht, und auch die prozentualen Zunahmen sind deutlich, nämlich von weniger als einem Prozent 1975 auf mittlerweile fast sechs Prozent der Mädchen und fast acht Prozent der Jungen. Gründe: viel Werbung für ungesunden Mampf, hohe Preise für gesundes Essen und zu wenig Bewegung der Kids. Da läuft doch was so richtig falsch, oder? [Karl]

5. Wie es mit der Begünstigung von Immobilienbesitzern in Deutschland aussieht, zeigt ein knapp siebenminütiger Beitrag des ARD-Magazins Monitor. So wehrte sich unser bisheriger Finanzminister Wolfgang Schäuble seit Jahren gegen ein zentrales Register für Immobilienbesitzer, wie es in vielen anderen Ländern Europas Standard ist oder sich zumindest im Aufbau befindet. Schaut man sich an, wie das mit der Bekämpfung von Steuerhinterziehung in Deutschland so läuft und wie die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht, dann wird es Zeit für ein herzliches Fuck-off an Herren Schäuble. [Dirk]

6. Das Attentat auf dem Berliner Weihnachtsmarkt vom Dezember 2016 kann immer noch nicht zu den Akten gelegt werden, den der Bericht des als Sonderermittlers vom Berliner Senat eingesetzten ehemaligen Bundesrichters Bruno Jost weit nun nach, dass es im Vorfeld dieses Anschlags zahlreiche unglaublich Pannen und Versäumnisse von Polizei und Geheimdienst gab, wie ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung und ein ebenfalls dort zu findender Kommentar von Jens Schneider aufzeigen. Wenn man dann noch einen weiteren Artikel in der Süddeutschen Zeitung von Ende September hinzunimmt, indem es um einen Zeugen geht, der berichtet, dass der Attentäter Anis Amri von einem V-Mann der Polizei überhaupt erst zu dem Anschlag angestiftet worden sein soll, dann ergibt sich folgendes Bild: Mal wieder (wie z. B. schon beim NSU-Komplex und beim Oktoberfest-Attentat) stecken Ermittlungsbehörden und Terroristen in Deutschland anscheinend unter einer Decke, was dann hinterher mit Pleiten, Pech und Pannen zu erklären versucht wird. [Karl]

7. Der Statistiker Gerd Bosbach hat zusammen mit dem Historiker und Politologen Jens Jürgen Korff das Buch „Die Zahlentrickser – Das Märchen von den aussterbenden Deutschen und andere Statistiklügen“ geschrieben, das gerade veröffentlicht wurde. Auf den NachDenkSeiten findet sich nun eine Rezension von Thomas Trares zu diesem Buch, in der man schon mal einen guten Einblick bekommen kann, worum es da geht: um Manipulationen (also sogenannte Fake News), die Eingang in die Politik finden und dort entsprechend genutzt werden. Klingt ausgesprochen interessant und macht Appetit aufs Buch! [Karl]

8. Von multiresistenten Keimen, gegen die kein Antibiotikum mehr hilft, hat ja vermutlich jeder schon mal was gehört. Das Gleiche gibt es nun auch bei Pflanzen, dort heißt das dann „Superweed“, und was darunter genau zu verstehen ist, wird in einem etwa sechsminütigen Beitrag der ARD-Sendung [w] wie wissen erklärt. Daran kann man sehen, dass die industrialisierte Landwirtschaft letztlich immer mehr Probleme schafft, als sie löst – zumindest auf lange Sicht. [Karl]

9. Ein Artikel im Schweizer Tages-Anzeiger berichtet vom Ethnologen Stefan Leins, der sich für seine Doktorarbeit unter Finanzanalysten begeben hat, um herauszufinden, warum diese Menschen trotz ihrer falschen Prognosen immer noch so viel Einfluss auf Politik und Wirtschaft haben. Sein Fazit: Das sind einfach nur Geschichtenerzähler, die den Menschen den für sie unverständlichen Finanzmarkt ein Stück weit erklären. Dass sie dabei oft falsch liegen (selbst Affen haben schon zutreffendere Prognosen abgegeben als die Analysten) stört bei der quasi religiösen Verehrung des Marktes dabei kaum jemanden. [Karl]

10. Der Einsatz der Bundeswehr in Mali findet weitgehend ohne große mediale Berichterstattung statt – dabei hat dieser Einsatz mittlerweile ähnliche Dimensionen wie der in Afghanistan angenommen. In einem Artikel in der Sächsischen Zeitung finden sich nun einige wissenswerte Hintergrundinformationen zu diesem Einsatz, die vor allem auch zeigen: Mit Militär schafft man es erneut mal wieder nicht, Stabilität und Ruhe in krisengeschüttelte Regionen zu bringen. [Karl]

11. In der taz findet sich ein Interview mit Myron Ebell, Direktor des Zentrums für Energie und Umwelt am Thinktank Competetive Enterprise Institute in Washington DC und beinharter Leugner des menschgemachten Klimawandels. Interessant ist vor allem der Faktencheck am Ende des Artikels, der zeigt, dass Ebell es mit der Wahrheit nicht ganz so genau nimmt – und mit wissenschaftlichen Standards erst recht nicht. Und dann sollte man auch noch wissen, das laut Wikipedia-Eintrag Ebells Thinktank u. a. von der Erdöl- und Kohleindustrie gesponsert wird. Passend dazu ein Artikel auf Spektrum.de zu diesem Thema, der zwar recht wissenschaftlich und daher nicht ganz leicht verständlich geschrieben ist, dessen Grafiken aber eine eindeutige Sprache sprechen. [Karl]

12. Was wiegt schwerer? Informationen über (auch massive) Menschenrechtsverletzungen oder das Interesse, solche Infos geheim zu halten, um internationale Beziehungen nicht zu gefährden? Dass leider Letzteres der Fall ist, zeigt ein Artikel von Netzpoltik.org auf, in dem beschrieben wird, wie sich das Auswärtige Amt hier eine „Transparenzlücke“ geschaffen hat, die nun dazu führt, dass ein Bericht über die KZ-ähnlichen Zustände in libyschen Flüchtlingslagern nicht veröffentlicht werden darf. Wie war das noch mal mit unserer europäischen Wertegemeinschaft …? [Karl]

13. Eine 30-minütige Dokumentation im ZDF mit dem Titel „Arme Rentner – reiche Rentner (Wege aus der Armutsfalle)“ vergleicht (etwas oberflächlich) die Rentensysteme aus Deutschland, Österreich und den Niederlanden. Dabei schneidet das deutsche Rentensystem erwartungsgemäß übel ab. Vielleicht kann man ja doch mehr machen, als das Flaschen- und Dosenpfand zu erhöhen … [Dirk]

14. Baden-Württembergs grün-schwarze Regierung will ein neues Anti-Terror-Paket auf den Weg bringe – und somit das schärfste Polizeigesetz Deutschlands schaffen, wie ein Artikel von Netzpolitik.org berichtet. Bedenken ob dessen Wirksamkeit und Verfassungsmäßigkeit bestehen beim Landesdatenschutzbeauftragten sowie auch beim Richterverein Baden-Württemberg, zudem werden die Einbußen an Freiheit für die Bürger moniert. Der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann hingegen findet das alles super und möchte so an die „Grenze des verfassungsmäßig Machbaren gehen“. Na denn … [Karl]

15. Passend zum vorherigen Hinweis: In den USA und Großbritannien ist man mit der auf Algorithmen basierenden Polizeiarbeit schon deutlich weiter. Welche Folgen das haben kann, gerade auch für Menschen, die sich keines Verbrechens schuldig gemacht haben, wird in einem Interview mit Matthias Heeder in der Süddeutschen Zeitung deutlich: Der Regisseur hat gerade eine Dokumentation gedreht, die sich mit dem sogenannten Predective Policing beschäftigt, also dem Versuch, Straftaten schon zu erkennen, bevor sie begangen wurden. Damit wird vor allem viel Geld verdient, und Menschen, die laut der neoliberalen Ideologie als überflüssig gelten, können so gegängelt und stigmatisiert werden. Gruselig! [Karl]

16. Die rechtsextreme Indentitäre Bewegung ist ja immer vorn mit dabei, wenn es darum geht, Angst vor islamistischem Terror zu verbreiten und dies zur Hetze gegen Flüchtlinge zu instrumentalisieren. Nun berichtet ein Artikel auf Zeit Online, dass gerade in Frankreich ein 54-jähriger Identitärer zu einer hohen Haftstrafe verurteil wurde wegen bandenmäßig organisierten Waffenhandels. Von den so von ihm verkauften über 500 Waffen wurden auch welche vom islamistischen Attentäter Amedy Coulibaly erworben, der damit 2015 eine Polizistin und vier Supermarktkunden tötete. Da fällt einem echt nichts mehr zu ein zu diesen ekligen Hipster-Nazis, oder? [Karl]

17. Ohne die AfD kommen wir in den Wochenhinweise irgendwie nicht aus, aber die Rechtspartei leistet sich ja auch immer genug Kapriolen. Diesmal geht es in einem Artikel im Tagesspiegel um die zahlreichen Parteiaustritte nach der Bundestagswahl auf Bundes- und vor allem auch auf Landesebene, u. a. auch von Führungspersonal, da immer mehr AfD-Mitglieder einen deutlichen Rechtsruck feststellen. Ach was? Na ja, war einerseits bei solchen egomanischen Karrieristen ja irgendwie auch zu erwarten, dass die nicht wirklich miteinander arbeiten können, andererseits kommt da ja ein bisschen Hoffnung auf, dass die Rechtspartei sich auf diese Weise zumindest ein Stück weit selbst zerlegt. [Karl]

18. Der Journalismus in Deutschland ist nach wie vor in einer Legitimationskrise, was dann in Beschimpfungen wie „Lügenpresse“ deutlich zutage tritt. Roberto J. De Lapuente macht sich in seiner Kolumne im neuen deutschland ein paar Gedanken zum Begriff der Wahrheit, wie diese von der Lüge abzugrenzen sei und wie das Bestehen darauf, die eine, einzige Wahrheit suchen zu wollen, schon eine Lüge beinhaltet. Seine Lösung für eine größere Glaubwürdigkeit der Presse: vielschichtige Sichtweisen präsentieren, aus denen sich dann der Rezipient die für ihn plausibelste heraussuchen kann. [Karl]

19. Karin Strenz wurde gerade wieder für die CDU in den Bundestag gewählt. Umso wichtiger wäre es, dass die CDU-Fraktion sich nun mal um die Vorwürfe kümmern würden, die durchaus glaubwürdig nahelegen, dass Strenz Bestechungsgelder vom aserbaidschanischen Regime erhalten haben soll, um so Lobbyarbeit für den dortigen Despoten zu leisten. Ein Artikel von LobbyControl fasst die Geschehnisse um diese Bestechungsaffäre und die Untätigkeit der CDU zusammen. Das liest sich wie Geschichten aus einer Bananenrepublik … [Karl]

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