Wer sind denn die Deutschen?

Das ist ja mal eine erfreuliche Nachricht, was die Hannoversche Allgemeine Zeitung da so titelt: Deutsche werden immer reicher! Na super, dann geht’s uns ja doch so gut, wie Merkel nicht müde wird, bei jeder Gelegenheit in die Öffentlichkeit zu posaunen. Oder …?

Es stellt sich dann allerdings die Frage, wie es dann dazu passt, wenn der Stern hier über die hohe Verschuldung der Deutschen berichtet: Mittlerweile ist nahezu jeder zehnte Deutsche überschuldet, was einem Gesamtschuldenstand der Privathaushalte von 221 Mrd. Euro entspricht. Die Ursachen sind dabei unterschiedlich: Während junge Menschen unter 30 ihren Lebensstandard in Form von teuren Handys, Autos und Urlaubsreise auf Pump finanzieren, werden ältere Menschen vor allem von der Altersarmut durch unzureichende Renten getroffen.

Hmmm … Stern oder Hannoversche Allgemeine Zeitung – einer von beiden muss ja nun wohl den derzeitigen Status quo in Deutschland nicht so ganz treffend beschreiben, denn es können ja schlecht alle immer reicher werden und gleichzeitig immer mehr Schulden anhäufen.

Die Lösung findet sich dann in einem Artikel der Süddeutschen: Die Superreichen kennen keine Krise. Die Milliardäre dieser Welt haben es sogar geschafft, seit 2009 ihre Vermögen von 3,1 auf 6,5 Billionen Dollar um mehr als die Hälfte zu erhöhen. Und da Deutschland nach den USA und China mit 148 Milliardären die drittmeisten dieser Spezies beherbergt, dürften sich deren steigende Geldspeicherpegelstände auch entscheidend auf das Volksvermögen auswirken.

Wenn also 100.00o Leute 20.000 Euro haben und einer 2 Milliarden, und im nächsten Jahr haben dann 10.000 Leute nur noch 18.000 Euro und einer hat 3 Milliarden – was kommt dann dabei raus, wenn man das insgesamt betrachtet? Genau, das Vermögen stieg von insgesamt 4 Milliarden Euro auf 4,8 Milliarden Euro, was dann im Durchschnitt einen Anstieg von 39.999,60 Euro pro Nase auf 47.999,52 Euro entspricht. Grandios! Das ist doch in der Tat so eine Meldung wie in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung wert, oder etwa nicht? Na ja, man darf nun nur nicht auf die Idee kommen, mal nachzufragen, wie denn die 100.000 so ganz subjektiv die Entwicklung ihrer persönlichen Vermögenssituation einschätzen würden …

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Er lebt seit vielen Jahren in Hamburg-St. Pauli. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

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