Gratulation – der Weltfrauentag als Werbegag

Mein Telefonanbieter gratuliert mir zum Weltfrauentag.

Ein Gastartikel von Tina Voggenreiter

Natürlich bekomme ich auch ein Geschenk, denn „(…) Frauen sollen genau das tun können, was sie lieben. Deshalb schenken wir Ihnen für 30 Tage einen kostenlosen GigaPass. Streamen Sie z. B. Ihre Lieblingsfilme. Oder chatten Sie Tag und Nacht …“

Kotzwürg.

Nun habe ich natürlich nichts gegen Geschenke, im Gegenteil.

Und wenn mir jemand etwas verkaufen möchte mit dem Anlass „Frühling“, „Helloween“ oder irgendeinem anderen fadenscheinigen Argument, bitte. Ich verstehe das, muss schließlich auch mein Brot verdienen.

Aber lasst gefälligst Eure Werbeagenturen nicht an den Weltfrauentag! Heraus kommt dann so ein Schrott wie: „Toll, dass Du eine Frau bist, und nun kauf mal schön unsere für diesen Anlass rosa angemalten Produkte.“ Und klar, pro Kauf eine Slipeinlage gratis. Yeah … Party!

Oder die tolle Nummer von Rossfrau aka Rossmann. Danke. Jetzt fühle ich mich als Frau wirklich respektiert.

Und nun mal zum Wesentlichen: Der Weltfrauentag ist weder Scherz noch Aufforderung zum Konsumtrip. Er ist übrigens auch nicht „überholt“, wie ja jedes Jahr aufs Neue gern behauptet wird. Der Weltfrauentag ist wichtig, um darauf aufmerksam zu machen, dass es noch viel zu tun gibt für die Gleichberechtigung der Frau, und zwar weltweit.

Klar, man kann sich fragen, ob ich das Ganze überbewerte. Ein Unternehmen, das Pflegeprodukte verkauft, macht halt auch genau dafür Werbung. So what? Dem kann ich nur entgegenhalten, dass Framing halt wirkt. Frauen wird ja von eh her eingeredet, dass sie sich aufhübschen wollen und sonst wohl keine Interessen haben. Außer Quatschen und Mädelsabende. „Wir Frauen halt …“

Warum dieses Konstrukt nicht mal bewusst aufbrechen und damit sogar auffallen? Eine Werbung zum Weltfrauentag mit Bücher lesenden Frauen (von mir aus auch bei Rossfrau). Das wäre doch ein Anfang.

 

 

 

 

 

 

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