Interessantes aus KW 48/2018

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. In einem Kommentar von Christian Jacob in der taz wird deutlich benannt, dass es ein Netzwerk von Rechten und Rechtsextremen beim UN-Migrationspakt gelungen ist, mithilfe von Lügen eine Stimmung zu erzeugen, die nun direkten Einfluss auf die Politik nimmt, sodass in immer mehr Staaten Stimmen laut werden, dass dieser Pakt nicht unterzeichnet werden soll. Das ist insofern bedenklich, als dass dieser Vorgang zeigt, wie wenig sachlich politische Themen mittlerweile in der Öffentlichkeit diskutiert werden und es vor allem vonseiten der Rechten mehr um Agendasetting zur eigenen Profilierung als um konstruktiven Austausch geht. Und leider funktioniert deren Strategie nur allzu gut … [Karl]

2. Die Süddeutsche Zeitung präsentiert die sogenannten Implant Files., ein Dossier mit verschiedenen Artikeln zum Thema Zulassung von Implantaten. Hierfür recherchierten diverse Journalisten und brachten einige erschreckende Erkenntnisse ans Tageslicht. Die Tests werden nämlich ausgesprochen lasch ausgeführt, zudem ist das ganze System dahinter so ausgelegt, dass alle Beteiligten vor allem ein großen Interesse an der Zulassung haben. Ein gut vierminütiges Video auf YouTube fasst die Ergebnisse anschaulich zusammen – und zeigt, dass Lobbyismus und Profitstreben immer größeren Schaden in unserem Gesundheitssystem anrichten. [Karl]

3. Gruselige Neuigkeiten aus Italien: Bei nano (3sat) lief ein fünfminütiger Beitrag über die „Phlegräischen Felder“. Denkt man an Vulkane in Europa, dann ist da wohl bei den meisten zuerst der isländische Eyjafjallajökull, der 2010 für Schlagzeilen sorgte. Bei den „Phlegräischen Feldern“ handelt es sich um einen sogenannten Supervulkan, und in den letzten zehn Jahren hat der Ausstoß an Kohlendioxid sich vervierfacht (ein Anzeigen für eine erhöhte Temperatur unter der Oberfläche) und die Landmasse über dem Vulkan ist um einen halben Meter angestiegen. Ein vierminütiger Bericht im Anschluss nennt mögliche Folgen, wenn auch etwas reißerisch dargeboten. Ein Lichtblick: Das haben wir nicht selbst verursacht *sarkastischsei* … [Dirk]

4. In Frankreich gibt es zurzeit eine große Welle von teilweise gewalttätigen Protesten gegen die Regierung, die sich zunächst an einer Erhöhung der Mineralölsteuer entzündet haben. Die sogenannten „Gelben Westen“ (die meisten der Demonstranten tragen solche Sicherheitswesten) werden auch in hier Deutschland sehr positiv aufgenommen – allerdings sind Rechtsextreme bereits sehr aktiv und erfolgreich dabei, diese Bewegung für sich zu vereinnahmen, wie eine Analyse auf Der Volksverpetzer aufzeigt. So sollen über durchaus legitime und sinnvolle Forderungen Menschen für rechtes Gedankengut gewonnen werden. Gefährliche Sache! [Karl]

5. Die Verwegenheit von Friedrich Merz steht der von Donald Trump aus meiner Sicht nur wenig nach. Bei Frontal21 (ZDF) lief ein achtminütiger Bericht über den Kandidaten, und der bringt zumindest einige seiner elitären Weltansichten zutage. Scheinheilig dem Bürger in Sachen bezahlbare Mieten nach dem Mund reden, aber hinten herum selbst Investor, Aufsichtsratsmitglied oder Lobbyist von Investoren sein. Eine personifizierte Heuschrecke (vor allem auch beim Ausnehmen der Steuerzahler)! Bei so viel Marktradikalismus bin ich mir leider sicher: Die Mietfedern der Nation werden diesen Kandidaten zum Kanzler machen. [Dirk]

6. Wenn sich die Polizei als Verteidiger der Privatpersonen gegen die Presse aufspielt, dann geht es auch gern mal um den Schutz der rechten Szene. So auch in einem knapp siebenminütigen Bericht bei ZAPP (NDR), in dem es um einen Journalisten geht, der sich trotz Verletzung durch eine Messerattacke der Rechten nicht unterkriegen lässt. Erschreckend ist aber vor allem die Unwissenheit und scheinbare Befangenheit der Polizeibeamten vor Ort. [Dirk]

7. Einen unschönen Bericht aus Indien liefert Gilbert Kolonko auf Telepolis. In der Metropole Kolkata werden die Folgen des Wachstumsdogma, das in Indien gerade von der Regierung Modi massiv gepredigt und umgesetzt wird, allzu deutlich sichtbar: riesige Müllberge, verschmutzte Luft und giftiges Trinkwasser. Den Preis dafür müssen die Bewohner Kolkatas zahlen – und natürlich global gesehen wir alle, denn derartig rücksichtsloses Vorgehen gegen die Umwelt ist ja einer der Hauptreiber des Klimawandels. Wer deutlich sehen will, dass unser derzeitiges Wirtschaftssystem nicht mehr funktioniert, bekommt das in Kolkata vor Augen geführt. [Karl]

8. In einem Essay auf Zeit Online beschäftigt sich Oliver Precht mit den Hintergründen, die in Brasilien zur Wahl des Faschisten Jair Bolsonaro zum neuen Präsidenten geführt haben. Diese liegen in der spezifischen brasilianischen Gesellschaftsstruktur, in der eine überwiegend weiße Mittel- und Oberschicht ihre Privilegien gegen eine indigene und schwarze Unterschicht verteidigt. Doch neben diesen landesspezifischen Aspekten sind auch einige politische Mechanismen zu beobachten, mit denen Rechte Menschen dazu bringen, gegen ihre eigenen Interessen zu wählen, die in unseren Breitengraden ebenfalls nicht unbekannt sind. Ausgesprochen interessant! [Karl]

9. Die Mieten steigen, vor allem in Ballungsräumen, sodass Wohnen für viele Menschen mittlerweile mit existenzieller Not einhergeht. Was man dagegen machen kann, sieht man gerade in Wien, wie ein Artikel auf Spiegel Online berichtet. Die dortige rot-grüne Stadtregierung hat eine neue Bauordnung auf den Weg gebracht, die mit teilweise drastischen Maßnahmen der Mietenexplosion entgegenwirken soll. Natürlich jammern Investoren und Marktradikale, aber wenn der Markt nun mal so offensichtlich versagt, wie das bei den Wohnungen der Fall ist, muss eben von öffentlicher Seite eingegriffen werden. Bleibt zu hoffen, dass andere Städte von Wien lernen. [Karl]

10. Eine Studie, über die ein Artikel in der taz berichtet, hat festgestellt, dass beim Antisemitismus in Europa eigentlich so ziemlich alles beim Alten ist, was die Anzahl der Menschen mit antisemitischen Einstellungen und Vorurteilen betrifft. Was allerdings als neuer und erschreckender Aspekt hinzukommt: Ein Drittel der Europäer und gar 40 Prozent der Deutschen zwischen 18 und 34 Jahren geben an, wenig oder gar nichts über den Holocaust zu wissen. Tja, so was sind dann eben die Resultate eines Bildungssystems, dass sich seit Jahren einseitig an den Interessen der Wirtschaft ausrichtet. [Karl]

11. In einem Artikel in der Frankfurter Rundschau werden die Ergebnisse des jährlichen Reports des UN-Umweltprogramms Unep vorgestellt, und diese geben großen Anlass zur Sorge: Trotz der vollmundigen Zusagen nahezu aller Staaten im Pariser Klimaprotokoll, den CO2-Ausstoß senken zu wollen, sind die weltweiten CO2-Emissionen 2017 auf einen neuen Höchstwert angestiegen. So wird das nichts damit, den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen. [Karl]

12. Passend zum vorherigen Hinweis: Auch das Urteil der Weltnaturschutzkonferenz fällt ziemlich vernichtend aus und attestiert unserem Planeten einen „desaströsen Zustand“, wie aus einem Artikel auf Spiegel Online hervorgeht. Dass diese Konferenz ohne großes Interesse vonseiten der Medien und Politik über die Bühne geht, zeigt, wo das Problem vor allem seine Ursachen hat: Ignoranz. Klar, wer die Welt retten will, der muss die Systemfrage stellen, denn mit seinem Wachstumsdogma ist der marktradikale Kapitalismus eben nicht für die Rettung des Planeten zu gebrauchen. [Karl]

13. Kindesmissbrauch gibt es nicht nur bei der katholischen Kirche, sondern auch bei den Zeugen Jehovas, wie in einem siebenminütigen Bericht von Report Mainz (ARD) dargestellt wird. Das Perfide dabei: Die Strukturen der Religionsgemeinschaft begünstigen den Täterschutz und führen so dazu, dass sexuelle Übergriffe gegenüber Kindern in den meisten Fällen nicht zu einer strafrechtlichen Verfolgung des Täters führen. Und wenn dann tatsächlich mal jemand zugibt, sich an Kindern vergangen zu haben, dann fallen die Sanktionen innerhalb dieser Sekte ausgesprochen moderat aus. Widerwärtig! [Karl]

14. Barbara Dribbusch beschäftigt sich in ihrer Kolumne in der taz mit der BILD, die mal wieder die Schwachen gegen die noch Schwächeren aufhetzt und so weiter zur Spaltung der Gesellschaft beiträgt. Das aktuelle Beispiel: In Deutschlands Hetz- und Schmierblatt Nummer eins werden Menschen mit niedrigem Einkommen porträtiert, deren Grundtenor lautet: Wir sind zu stolz, um Hartz IV zu beantragen, auch wenn wir mit Vollzeitarbeit kaum mehr Geld bekommen. Dem liegen nicht nur falsche Rechnungen zugrunde, sondern es wird so auch auf widerliche Weise Sozialneid geschürt, und Hartz-IV-Empfänger werden als Faulpelze diffamiert. So offensichtlich – und dennoch gibt es leider genug Menschen, die sich von derartigem Gossenjournalismus aufwiegeln lassen. [Karl]

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