Interessantes aus KW 49/2018

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1.  In seiner Kolumne für Die Kolumnisten beschäftigt sich Heinrich Schmitz mit einem Vorfall um den rechtslastigen grünen Bürgermeister der Stadt Tübingen Boris Palmer. Dieser hatte kürzlich einen reichlich großen Aufstand mit allerhand Peinlichkeiten und einem Rechtsverständnis aus den Zeiten des Kaiserreichs gemacht, nachdem ein Student ihn abends auf der Straße mit „Och nee, nicht der auch noch“ bedacht hatte. Nicht nur bewegt sich Palmer hier abseits allen geltenden Rechts, sondern er offenbart auch noch eine ungeheure arrogante Hybris, was sein Amt angeht. Solche Politiker braucht wirklich niemand – gut, dass Schmitz dieses Geschehen auf seine typische wortgewandte Art juristisch ein bisschen auseinandernimmt. [Karl]

2. Die Negativschlagzeilen in Bezug auf Flinten-Uschis Trümmertruppe nehmen kein Ende. Nun moniert laut einem Artikel auf Spiegel Online der Bundesrechnungshof, dass die BWI, der IT-Dienstleister der Bundeswehr, jahrelange Misswirtschaft betrieben und haufenweise Geld verprasst hätte. Es ist von intransparenten Preiskalkulationen und fehlendem Rechnungswesen die Rede. Und der Etat dieser vollkommen inkompetenten Ministerin mit Hang zur Familienpatronage wird dann auch noch erheblich aufgestockt. Da fällt einem doch echt nichts mehr zu ein … [Karl]

3. Das Thema der Verrohung hatten wir hier auch schon im Blog auf der Agenda. Nun widmete sich Harald Lesch in seiner 30-minütigen Sendung Leschs Kosmos dem Thema. Unter dem Titel „Die Gewalt in uns: Verroht die Gesellschaft?“ geht es um die tatsächlich sinkende Jugendgewalt, aber deren gefühlten Anstieg. Von Hass im Internet über die frühkindliche Prägung wird das Thema hier etwas kurz behandelt, aber die Sendung ist informativ und vielschichtig. [Dirk]

4. Wie verändert sich unser Leben durch die Benutzung von Tastaturen? Was geht unserer Persönlichkeit verloren, wenn wir keine Handschrift mehr haben? Bereits jetzt haben junge Menschen, die häufig das Smartphone nutzen, ausgeprägtere Hirnregionen für die Steuerung der Daumen. Wie wirkt sich diese Entwicklung auf uns aus? Einen eher philosophische Betrachtung liefert ttt (ARD) in einem fünfeinhalbminütigen Beitrag zum Thema Handschrift. Auch das Kopieren und Verschieben von getippten Absätzen verändert den Umgang mit dem Text selbst und der gedanklichen Vorbereitung auf das, was man schreiben möchte. [Dirk]

5. Ein längerer Artikel in der taz gibt einen ausgesprochen interessanten Einblick in das Leben eines linksextremistischen Gefährders. Von diesen gibt es zurzeit zwei in Deutschland, und Christian S. ist einer davon. Gegen die Einstufung als Gefährder kann er sich nicht zur Wehr setzen, zudem ist ihm auch nicht wirklich klar, warum er so eingeschätzt wird. Auswirkungen auf sein alltägliches Leben hat das hingegen einige, da er sich nicht nur ständig beobachtet fühlen muss, sondern auch weiß, dass, wenn eine Straftat an einem Ort begangen wird, an dem er zeitnah auch gewesen ist, er zügig Besuch von der Polizei bekommt. Ein ziemlicher Irrsinn, der da von Polizei und Verfassungsschutz betrieben wird und der kaum mit rechtsstaatlichen Grundsätzen in Einklang zu bringen ist. [Karl]

6. Auch wenn es an der Klimakanzlerin vorbeigeht, der Umwelt entgeht es nicht: Der CO2-Ausstoß Deutschlands ist auch in diesem Jahr wieder um 2,7 % gestiegen, so berichtet unter anderem scinexx in einem kurzen Beitrag. Es ist so klar, wie es nur sein kann: Sowohl der Politik als auch großen Teilen der Bevölkerung ist der Anstieg absolut egal, und die Folgen werden uns alle nahezu gleich hart treffen! Sollte sich also ein Millionär unter den Lesern befinden: Schnell alle CO2-Zertifikate aufkaufen, dann bleibt nichts mehr für die Industrie, und die Hauptverschmutzer, nämlich private Haushalte, können das voll auf ihre Kappe nehmen. [Dirk]

7. Der Klimaforscher Michael Kopatz lebt sein Forschungsgebiet auch privat. Was er alles so macht, um statt etwa elf Tonnen CO2 (wie der Deutsche im Durchschnitt) nur fünf zu emittieren, wird in einem etwas sechsminütigen Beitrag des Deutschlandfunks (liegt auch in transkribierter Form vor) vorgestellt. Bei allem privaten Engagement weiß Kopatz hingegen auch, dass bestimmte Veränderungen, um auch diese fünf Tonnen noch unterschreiten zu können, nur durch die Politik angestoßen werden können. [Karl]

8. Bernie Sandes, Yanis Varoufakis und andere haben jüngst, wie ein Artikel in der taz berichtet, eine internationale linke Sammelbewegung ins Leben gerufen. Hiermit soll ein Gegenpol zu den rechten, autoritären und nationalistischen Regierungen, die sich ja in den letzten Jahren leider zunehmend ausgebreitet und auch vernetzt haben, gebildet werden. Da kann man ja nun gutes Gelingen wünschen! [Karl]

9. Wie man ein Thema in die Medien bringt, das scheinen Populisten um ein Vielfaches besser zu können, als der stumpfe Journalismus es vermutet (man denke an die Talkshows seit 2016 und den extrem hohen Anteil an den Themen „Flüchtlinge, Migration und Islam“). Ein fünfminütiger Bericht bei ZAPP (NDR) zeigt den Aufstieg eines Themas durch rechte Hetzkampagnen und das Aufgreifen durch die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten. Aufklärung oder über die Stöckchen springen? Wie sich eine solche Berichterstattung auch negativ auf das Denken aller Menschen  auswirkt, kann man sich im 43-minütigen Interview mit der Sprach- und Kognitionswissenschaftlerin Elisabeth Wehling erläutern lassen. [Dirk]

10. Bad news, everyone: Die USA haben das größte Öl- und Gasfeld ihrer Geschichte an der Grenze von Texas und New Mexico gefunden. Es enthält mehr als zehnmal so viel Rohstoff, wie die USA in derzeit in einem Jahr fördern, so berichtet scinexx nach Bekanntgabe durch das United States Geological Survey. Das „bad news“ bezieht sich nicht nur auf die Tatsache, dass so die Abkehr von fossilen Brennstoffen weiter hinausgezögert wird. Es handelt sich bei diesem Fund um Rohstoffe, die durch neue Fördermethoden wie „Fracking“ zugänglich gemacht werden müssen, und entsprechend wird Schindluder mit der Umwelt und den ansässigen Menschen betrieben. Make America dirty again. [Dirk]

11. Na so was! Dass nun ausgerechnet unter Olaf Scholz die Korruption in Form von gut dotierten Nebentätigkeiten von Beamten im Finanzministerium aufblüht, wie ein Artikel in der Westfalenpost berichtet, sollte wirklich niemanden überraschen, oder? Und vor allem muss man auch nicht denken, dass für diese Geld nicht auch entsprechende Gegenleistungen erwartet werden. Die Korruption ist mittlerweile ein fester Bestandteil des politischen Systems in Deutschland, und das betrifft nicht nur prominente Politiker, sondern geht weit in den Beamtenapparat hinein. [Karl]

12. Mit deutlichen Worten beschreibt Tom Wellbrock in einem Kommentar auf neulandrebellen, welche eklige Sichtweise hinter der immer wieder im politischen Diskurs zu vernehmenden Aussage, dass Jugendliche gefälligst ihre Termine beim Jobcenter wahrnehmen sollten, wenn sie nicht sanktioniert werden sollen, steht. Diese reduziert junge Menschen nämlich darauf, gut zu funktionieren im Dienste der Wirtschaft – was eben deren Naturell meistens nicht gerade entspricht. Dass gerade auch vonseiten der Grünen und der SPD auf dieses Antrainieren der Verwertbarkeit gepocht wird, macht das Ganze noch ein wenig schlimmer, finde ich. [Karl]

13. Keine guten Aussichten bietet ein Artikel auf Spektrum.de: Darin wird er momentane Erkenntnisstand zum globalen Insektensterben zusammengefasst, und das sieht alles andere als gut aus. Zudem wird versucht, den multiplen Ursachen dafür nachzuspüren, und die Folgen für die betroffenen Ökosysteme und damit auch für uns Menschen werden ebenfalls aufgezeigt. Deutlich wird: Insekten sind extrem wichtig und erfüllen viele Funktionen, die so einfach nicht zu ersetzen sind. [Karl]

14. Auf das rechtsterroristische Netzwerk in Bundeswehr, Polizei, Justiz und Politik haben wir ja kürzlich schon hingewiesen, nun befasst sich Tomasz Konicz in einem Artikel auf Telepolis mit der berechtigten Frage, warum denn in den Medien und im öffentlichen Diskurs dieses Thema nicht die Wellen schlägt, die seiner Relevanz eigentlich entsprechen würden: keine Talkshows dazu, viele der sogenannten Leitmedien berichten nicht oder kaum dazu, und auch die Politik mauert, Konsequenzen zu ergreifen. Passend dazu: ein Artikel im neuen deutschland von Georg Seeßlen, der beschreibt, auf welch unterschiedliche Weise die deutsche „Presselandschaft“ in den letzten Jahren zunehmend nach rechts abgedriftet ist, und der die Ursachen dafür detailliert darlegt. Das dann weniger über Dinge wie das rechte Netzwerk berichtet und stattdessen lieber Hetze gegen Minderheiten betrieben wird, wundert einen nicht. Und auch eine Meldung im neuen deutschland, dass zurzeit 467 polizeilich gesuchte Rechtsextremisten einfach so untergetaucht und nicht aufgefunden werden können (oder sollen), passt da ins traurige Bild. [Karl]

15. In einem pointiert geschriebenen Kommentar in der Süddeutschen Zeitung nimmt sich Gerhard Matzig des Phänomens SUV an. Tatsächlich hat der ADAC als Autolobbyverein kürzlich gefordert, die Städte müssten an die überdimensionierten Protzkisten und deren gesteigertes Platzbedürfnis angepasst werden. Matzig meint dazu treffend: „Auf die Idee, wonach die Städte sich den bizarren Autowünschen anpassen müssten, kann man nur kommen, wenn man das seit Jahrtausenden kaum größer gewordene menschliche Hirn ständig andieselt.“ [Karl]

16. Das Deutsche Institut für Menschenrechte (DIMR) hat einem Artikel auf Zeit Online zufolge seinen jährlichen Bericht vorgelegt, der sich diesmal schwerpunktmäßig mit der Situation von Arbeitsmigranten befasst. Und da kommt Unschönes zutage: Ausbeutung, Bezahlung unter Mindestlohn, oft auch Vorenthalten des Lohns, Zwang, menschenunwürdige Unterbringung und unbezahlte Überstunden finden sich häufig als Folge des großen Machtgefälles deutscher Arbeitgeber gegenüber Migranten. Traurig, schäbig, aber leider auch irgendwie nicht überraschend … [Karl]

17. Ein etwa viereinhalbminütiger Bericht des Deutschlandfunks (liegt auch in transkribierter Form vor) beschreibt die Tätigkeit von Pelz-Ermittlerinnen des Deutschen Tierschutzvereins. Diese sprechen auf der Straße Menschen an, die an ihren Jacken oder Mützen Krägen oder Bommel aus vermeintlichem Kunstpelz haben – der leider oft genug richtiger Pelz ist. Dahinter steckt massives Tierleid, und das nur für einen dösigen Modetrend ohne jede praktische Funktion. Ein bezeichnendes Beispiel für die Perversität unseres Wirtschaftssystems. [Karl]

18. Über den in seiner Zelle in Kleve verbrannten Syrer Amad A. haben wir ja in den Wochenhinweisen schon das eine oder andere Mal berichtet. Die offizielle Version der Staatsanwaltschaft: Der zu Unrecht Inhaftierte hat das Feuer selbst gelegt. Laut einem Artikel auf tagesschau.de haben nun Brandexperten des Instituts für Brand- und Löschforschung in Dippoldiswalde diese Version als unmöglich bezeichnet. Da scheint also wieder mal gelogen und vertuscht zu werden, was erschreckende Parallelen zum Tod von Oury Jalloh in einer Zelle in Dessau aufweist. Ob die Wahrheit wohl jemals ans Licht kommen wird, steht leider mal wieder in den Sternen. [Karl]

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