Propagandafunk ZDF

Da habe ich mich gerade erst vor ein paar Tagen lobend über die auf dem ZDF ausgestrahlte Kabarattsendung Neues aus der Anstalt geäußert, und dann wird kurz danach vom gleichen Sender im heute journal ein derart plump manipulatives, propagandistisches Bubenstück rausgehauen: Kleber interviewt den Siemens-Vorstandsvorsitzenden Käser.

Nun gibt es bestimmt genug Dinge, die man an einem Konzern wie Siemens kritisieren kann, allerdings muss man Käser hier zugute halten, dass er die aufdringlich einseitige Sichtweise, die Kleber den Zuschauern vermitteln möchte, doch recht gut kontert und gelassen erträgt. Zudem ist Käsers Sichtweise nun auch keine, die ansonsten besonders abweichend vom neoliberalen Mainstream wäre: Wir machen halt in erster Linie Geschäfte und sehen erst dann darauf, was die politischen Folgen davon sein könnten. Deutsche Firmen haben ja beispielsweise auch lukrative Handelsbeziehungen mit Südafrika unterhalten, als die meisten anderen Länder und deren Firmen sich schon längst vom damaligen Apartheid-Regime distanziert und dieses wirtschaftliche boykottiert hatten, wie man an diesem (leider nur gegen Bezahlung lesbaren) Artikel in den Blättern für deutsche und internationale Politik sehen kann, und das war dann ja irgendwie anscheinend auch o. k. Wenn nun allerdings die gleiche Haltung beim zurzeit mit aller medialen Macht dämonisierten Russland an den Tag gelegt wird, dann kommt ein Kleingeist wie Kleber doch schon mal mächtig ins Stottern …

Dieses eindeutig propagandistische Agieren bekommt nun eine mehr als pikante Note durch eine in der letzten Woche gefällte Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, das den ZDF-Staatsvertrag als verfassungswidrig bezeichnet und den Staatseinfluss auf den Sender als zu groß ansieht. Pikant vor allem deswegen, da öffentlich-rechtliches Fernsehen und Rundfunk immer noch bei den meisten Bürgern einen guten Ruf als seriöse Informationsquelle haben. Kritisch denkende Menschen haben natürlich schon bemerkt, dass es damit nicht so weit her sein kann, wenn beispielsweise der Journalist Seibert direkt vom heute journal in den Job des Pressesprechers von Angela Merkel wechselt oder wenn über bestimmte der Ideologie der Regierung (bzw. der sogenannten Eliten) entgegenstehende Ereignisse einfach nicht berichtet wird, wie dies zum Beispiel bei dem Marsch der Würde, der gerade in Spanien stattgefunden hat und dort Hunderttausende, wenn nicht gar Millionen Menschen mobilisiert hat, oder bei dem schon zweimal im letzten Jahr mit jeweils über zwei Millionen Menschen in etwa 500 Städten weltweit stattfindenden March against Monsanto der Fall war. Gut, diese Ereignisse wurden auch in sämtlichen anderen Mainstream-Medien ignoriert, aber diese sind ja eben auch nur die Organe ihrer Besitzer, und da muss man sich ja nur vor Augen halten, wer diese sind (beispielsweise Friede Springer oder Liz Mohn/Bertelsmann). Die öffentlich-rechtlichen Medien haben aber zum einen, wie in der oben genannten Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts ausgeführt wird, einen besonderen Auftrag:

Entsprechend dieser Bedeutung (für die publizistische Vielfalt als Gegengewicht zum privaten Rundfunk, Anm. d.Verf.) beschränkt sich sein Auftrag nicht auf eine Mindestversorgung oder auf ein Ausfüllen von Lücken und Nischen, die von privaten Anbietern nicht abgedeckt werden, sondern erfasst die volle Breite des klassischen Rundfunkauftrags, der neben seiner Rolle für die Meinungs- und Willensbildung, neben Unterhaltung und Information eine kulturelle Verantwortung umfasst […] und dabei an das gesamte Publikum gerichtet ist […].

Zum anderen sind sie eben genau deshalb zu einem guten Teil durch Zwangsgebühren finanziert, für die der zahlende Bürger m. E. erwarten dürfte, nicht bewusst manipuliert und hinters Licht geführt zu werden.

Insofern ist es schon traurig, dass die politische Bildung bzw. die Darstellung von ideologiefremden Ansichten im ZDF anscheinend nur in einem komödiantischen Umfeld wie eben „Neues aus der Anstalt“ stattfindet, wobei solche Sendungen dann eben auch noch als Beispiel dafür herhalten müssen, man würde ja pluralistisch agieren, was die Meinungsvielfalt angeht. Dass die meisten Menschen sich allerdings eher eine Nachrichtensendung anschauen als ein Kabarettprogramm, um sich über aktuelles Zeitgeschehen zu informieren, sollte dabei dann aber nicht unerwähnt bleiben. Mich erinnert das zumindest in erschreckendem Maße an finstere mittelalterliche Zeiten: Nur der Hofnarr durfte in witziger Verpackung Kritik am Despoten üben, allen anderen war das nicht gestattet.

Albrecht Müller zeigte auf den Nachdenkseiten in der letzten Woche auf, in wie starkem Maße die Journalisten in Deutschland mittlerweile mit den sogenannten Eliten verflochten sind und wie dies eine Gleichschaltung des medialen Mainstreams bewirkt. Gerade in solchen Zeiten, wenn die Aufgabe des Journalismus als vierte Macht in einer Demokratie kaum noch als solche wahrgenommen wird, bräuchte es öffentlich-rechtliche Medien, die sich um einen objektiven, meinungspluralistischen politischen Diskurs bemühen. Nur ist dieser eben anscheinend so wohl gar nicht von Regierung und Eliten gewünscht …

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

3 Gedanken zu „Propagandafunk ZDF“

  1. Wirklich ein Niveau unterhalb jeder Propaganda. Da wird real von unseren „Eliten“ jede Art von ökonomischem Gewinn über alle anderen Ziele gestellt (Lebensmittelspekulation, Bankenrettung, Rüstungsexporte an die Griechen …) und vorne herum geheuchelt. Der Staat buttert kräftig mit rein und schaut zu, der mahnende Finger findet die eigene Nase nicht (höchstens zum rein stecken), aber die von Putin.

    Was steckt denn wohl hinter der Ächtung der USA und EU gegen Russland? Humanistische Ziele? Sicher, genau wie z. B. bei der Entmachtung Saddam Husseins.

    Herr Kleber: Das war widerwärtig! Ich sehe deutlich, Sie haben auch das Zeug zum Regierungssprecher …

  2. Um noch mal in etwas anderer Richtung einen draufzusetzen, bietet das ZDF dann auch solchen Gestalten wie Akif Pirincci eine Bühne, um ihren hetzerischen Rechtsaußenmüll unters Volk zu bringen, wie hier im Mittagsmagazin zu sehen ist. Die Moderatorin stammelt freundlich zu den üblen Thesen, die der Autor des Machwerks, was in Deutschland gerade die Bestsellerlisten anführt, dort in den Äther rotzt. Unglaublich!

    Stefan Niggemeier hat in seinem Blog Passendes dazu geschrieben.

    In jedem Fall wird deutlich, wie Deutschland wieder ganz weit nach rechts rutscht, auch wenn Volksverhetzer wie Sarrazin, Piricci und Co. uns was andere weismachen wollen. Erschreckend!

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