Über den Trugschluss, dass die Massen keiner Führung bedürfen würden

Es sind die Massen, welche dem Individuum Orientierung geben und welche damit letztendlich das Verhalten des Individuums bestimmen. Es ist seine Zugehörigkeit zu den Massen, welche auf sein Ich rückkoppelt, und weniger sein Ich, welches auf die Masse zurückkoppelt.

Die Masse bedarf der Führung, und sie bekommt die Führung, sucht sich diese Führung. Es ist darum entscheidend, wer die Masse führt, geführt wird sie immer, und niemand kann sich dauerhaft außerhalb aller Massen bewegen.

Das eigene Verhalten, so wichtig es ist, es sein kann, auch für die Masse, kann nur dann etwas bewegen, wenn es mit der Masse im Einklang ist, zumindest nicht von der Masse abgelehnt wird. Die Normen der Masse sind entscheidend und damit derjenige oder diejenige oder diejenigen, welche diese Normen setzen.

Rechts hat dies erkannt und setzt die Normen, personifiziert sie auch, gerade durch Führung wird die Masse und damit das Individuum beeinflusst, bis hin zu Taten, die das Individuum selbst nicht getan hätte, aber in der Masse als Norm anerkannt, dann durchaus auch vom Individuum getan werden, auch gegen eigene Interessen sogar.

Links lehnt diese Führung ab derzeit und ist auch deshalb so schwach, so zerstritten, ohne Führung so machtlos, obwohl in der Masse eigentlich übermächtig. Denn im Grunde denkt die Mehrheit links, will sie keine Konfrontation, will sie keine Armut, will sie die Schöpfung erhalten, will sie auch für den Schwachen da sein, will sie Harmonie. Es fehlt ihr nur an Organisation.

Und wenn einmal doch die Organisation steht, die Masse sich bildet, dann ist diese Organisation nur von kurzer Dauer, hat keine nachhaltige Wirkung, denn eine Führung lehnt der individualistisch denkende Mensch ja ab, die ist ihm suspekt, gerade dann, wenn er sich links verortet, hält er sie sogar für gefährlich.

Für mich das Dilemma unser Tage, dass die, die uns wieder dunkleren Zeiten entgegenführen wollen, die Grundsätze der Massenpsychologie erkannt haben und benutzen und die, die uns schützen könnten, in ihrem Individualismus verharren, in ihrer Ablehnung einer Führung hin zum Besseren, eben weil sie nicht mehr bereit sind, in Massen zu denken.

Der Mensch braucht Führung im Chaos, weil nur Führung Orientierung geben kann, und an dieser Führung aus dem linken Lager fehlt es derzeit, und nur deshalb ist die Masse der Mitte und auch die links von der Mitte gerade in Bewegung, in einer chaotischen Bewegung, wie ich meine, in einer sich selbst auflösenden Bewegung. Deshalb wird rechts von der Mitte immer attraktiver für diese Massen, denn dort finden sie, was ihnen links verwehrt: Führung.

Genau deshalb ist der Traum einer Bewegung von unten, einer Bewegung, die sich dauerhaft einer Führung verweigert, auch nur ein Traum. Genau deshalb sind es immer wieder Menschen gewesen, die Führung gaben, an sich rissen, die der Bewegung, welcher auch immer, eine Richtung gaben und geben werden. Genau deshalb sind charismatische Führer jeglichen Geschlechts unabdingbar, um eine Bewegung zum Erfolg zu führen.

Genau deshalb scheitert der Liberalismus ebenso derzeit wie das sich in der großen Mehrheit an diesem Trugschluss der völligen individuellen Freiheit des Liberalismus orientierende linke Lager an seinem Individualismus, der Heterogenisierung der Gesellschaft, an dem Klein-Klein der Interessen und damit der fehlenden Solidarität. Genau deshalb sind endlich andere Antworten gefordert, als immer nur auf die Verantwortung des Einzelnen jedweden Geschlechts zu setzen.

Genau deshalb müsste die Massen im Zentrum des Denkens stehen und nicht der Einzelne, zumal dann, wenn es um Verantwortung geht, die zugewiesen wird oder nicht. Genau dafür brauchen wir charismatische, kluge und vor allem empathische Personen, die sich nicht scheuen, die Führung zu übernehmen, der Masse eine bessere Richtung zu geben als die, in die sie derzeit geht, die in der Lage sind, den Menschen endlich wieder von der individuellen Schuld zu befreien, die Gesellschaft, und zwar die ganze, wieder in die Verantwortung zu nehmen.

Das mag gefallen oder nicht, es wegzuleugnen wird an diesen meinen Einsichten nichts ändern. Le Bon und Sigmund Freud haben sie mich gelehrt, in meinen Erfahrungen habe ich vielfältige Bestätigung gefunden, finde sie täglich.

Nachklapp: Ich sehe schon vor meinem inneren Augen, wie der eine oder die andere nun denkt, ich würde dem Führerkult das Wort hier reden. Nichts liegt mir ferner als dieses. Auf den Führer oder die Führerin setzen nur Kleingeister, und dazu zähle ich mich wahrlich nicht.

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Heinz

Jahrgang 1958, am Leben interessiert, auch an dem anderer Menschen, von Rückschlägen geprägt. Nach diversen Tätigkeiten im Außendienst für mehrere Finanzdienstleister und zuletzt als Lehrkraft auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Ökonomie und Gesellschaft, den Kapitalismus in all seinen Formen zu verstehen und seit Jahren zu erklären ist meine Motivation. Denn ich glaube, nur wer versteht, wird auch Mittel finden, die Welt zu einer besseren Welt zu machen. Leid und Elend haben ihre Ursache im Unverständnis.

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