Interessantes aus KW 13/2019

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. Wie sich die „bürgerliche Presse“ als PR-Abteilung der AfD betätigt, berichtet ein fünfminütiger Bericht des NDR-Magazins ZAPP. In Hamburg wurden über das AfD-Meldeportal für Schulen angebliche linksextreme Umtriebe in einem Gymnasium gemeldet, was von der Rechtspartei dann auch gleich im Senat thematisiert wurde. Das Hamburger Abendblatt hat dann komplett unreflektiert und ohne mit jemandem von der Schule zu sprechen die AfD-Version und deren Wortlaut übernommen und daraus eine reißerische Geschichte gemacht. Erbärmlich zu sehen, wie der Chefredakteur Lars Haider dann versucht, sich irgendwie mit fadenscheinigem Geschwafel rauszureden. [Karl]

2. In einem Kommentar auf Spiegel Online befasst sich Peter Maxwill mit dem havarierten Kreuzfahrtschiff vor Norwegens Küste – und zieht eine nicht so angenehme Parallele zu den zu Tausenden ertrinkenden Geflüchteten im Mittelmeer. Während die Touristen spektakulär und unter öffentlicher Anteilnahme mit Hubschraubern gerettet wurden, lässt man nämlich die Menschen aus Afrika im Mittelmeer nicht nur ersaufen, sondern behindert vonseiten der EU-Staaten immer öfter auch sehr direkt deren Rettung. Doppelmoral à la EU – und auf die immer wieder gern und viel beschworenen Werte kann man keinen Pfifferling geben. [Karl]

3. Und um das Thema aus Hinweis 2 noch ein bisschen zu vertiefen: In Libyen, so ein Artikel auf Spiegel Online, geht es Geflüchteten laut einer aktuellen Studie immer schlechter: Fast jeder wird dort misshandelt und/oder vergewaltigt, und das eben auch von Partnern der EU, die dafür bezahlt sind, ebenjene Menschen daran zu hindern, nach Europa aufzubrechen. Dabei geht es oft um Erpressungen von Angehörigen, denen Foltervideos geschickt werden, um sie zur Zahlung von hohen Geldbeträgen zu veranlassen, wie auch ein etwa fünfminütiger Bericht von Monitor auf deren Facebook-Seite zeigt. [Karl]

4. In einem Artikel für das IPG-Journal befasst sich Bjørn Ihler anlässlich des Terroranschlags in Christchurch/Neuseeland mit den Strukturen rechtsextremen Terrors, die er als ähnlich international vernetzt ansieht wie die des extremen Islamismus. Auch wenn in vielen Medien und von vielen Politikern nach wie vor gern die Erklärung des „einsamen Wolfs“ für Rechtsterroristen zur Hand ist, hat diese doch wenig mit der Realität gemeinsam, in der sich Rechtsextremisten nicht nur international austauschen und inspirieren, sondern auch durch Politiker wie Donald Trump bestärkt werden. Doch scheint das Herunterspielen von solchen systemischen Zusammenhängen ja durchaus Methode zu haben. [Karl]

5. Um beim Thema des vorherigen Hinweises zu bleiben: Matthias Quent beschreibt in einem Artikel im Tagesspiegel, wie sehr die rechte Bildsprache von AfD und Co. Gewaltfantasien bedient und dann eben auch wie jetzt in Christchurch zu Gewaltexzessen führt. Rassismus ist dabei nicht als etwas Willkürliches zu sehen, sondern funktioniert nach einer Logik der Entmenschlichung, die ihren Anfang darin nimmt, ganze Gruppen von Menschen verbal rassistisch abzuwerten. Daraus erwächst dann das ideologische Grundgerüst, auf das sich Rechtsterroristen wie Anders Breivik, der Attentäter vom Münchner Olympiapark oder auch jetzt der Mörder von Christchurch berufen. [Karl]

6. Die CDU verlässt immer offensichtlicher das demokratische Spektrum und bedient sich dabei immer schäbigerer Methoden. Aus einem Kommentar von Chris Köver und Markus Reuter auf Netzpolitik.org geht hervor, dass der Eu-Abgeordnete Daniel Caspary allen Ernstes gegenüber der BILD behauptet hat, die Proteste gegen die umstritten EU-Urheberrechts-Richtlinie seien von amerikanischen Internetkonzernen finanziert worden. Derartige Deligitimationsversuche von kritischen Demonstrationen ist man sonst eher von Autokraten gewöhnt – aber genau in diese Richtung bewegt sich die CDU ja mittlerweile vollkommen ungeniert. [Karl]

7. Einen weiteren Beleg dafür, dass die CDU sich immer besser mit dem rechtsradikalen politischen Spektrum arrangiert, liefert ein Artikel auf tagesschau.de. Nachdem Attac nun die Gemeinnützigkeit aberkannt wurde, werden die Stimmen aus der Union ja zunehmend lauter, auch anderen linksliberalen Organisationen diesen Status zu entziehen. Bei rechtsextremen Vereinen hingegen, wie beispielsweise dem Betreiber der Hetzseite Journalistenwatch, sieht man da keinen Handlungsbedarf, selbst wenn diese mit ihrer Gemeinnützigkeit prahlen, um damit dem verhassten Staat über Steuerrückerstattungen noch „zusätzlich eins auswischen“ zu können. Scheint für die CDU also kein Problem zu sein, derartige Demokratiegegner zu begünstigen – klar, davon verspricht man sich ja auch keinen eigenen politischen Vorteil. Einfach nur schäbig! [Karl]

8. Was passiert, wenn Menschen sich von dem dummen Gequatsche von rechten Trotteln verleiten lassen, kann man gerade sehr gut am Hickhack um den Brexit beobachten. Ein Artikel auf Watson.ch fasst den derzeitigen Stand des Dilemmas anhand von sieben Punkten zusammen, die aufzeigen, wie verfahren die Situation mittlerweile ist. Das kommt eben davon, wenn man auf Rechtspopulisten hört, die eigentlich immer keine konstruktiven Konzepte haben, sondern nur erst mal rausplärren, was sie nicht wollen, um damit plump Stimmung zu machen. Keine guten Aussichten für die Briten … [Karl]

9. Um beim Thema Brexit zu bleiben: Dessen Wurzeln ging der Reporter Mike Carter auf den  Grund, indem er 550 Kilometer zu Fuß von Liverpool nach London lief und Eindrücke auf dem Weg gesammelt hat. Dieser werden in einem Artikel für der Freitag geschildert, und das liest sich alles ziemlich erschreckend, denn die Verwüstungen des in Austeriät gipfelnden Neoliberalismus werden darin nur allzu deutlich: abgehängte Städte, Deindustrialisierung, Arbeitslosigkeit und ruinierter Einzelhandel. Dass die Menschen in diesen Regionen dann mehrheitlich für den Brexit gestimmt haben, scheint mehr eine Verzweiflungstat zu sein, als auf rationale Überlegungen zurückzugehen. [Karl]

10. Unschöne Neuigkeiten gibt es auch mal wieder von der faschistischen Regierung in Österreich zu berichten: Wenn man schon keine konstruktiven Konzepte hat, um es den meisten Menschen im Land beim strikt marktradikalen Kurs besser gehen zu lassen, dann bieten sich ja mal wieder die Asylbewerber an, um den Einheimischen zumindest ein (allerdings recht schales) Gefühl zu geben, besser gestellt zu sein, wie aus einem Kommentar von Michael Völker im Standard hervorgeht. Der rechtsextreme Innenminister Herber Kickl fordert nämlich nun, dass Asylbewerber maximal 1,50 Euro Stundenlohn für geleistete Arbeit erhalten dürfen. Was für eine bösartige Widerwärtigkeit! [Karl]

11. Roberto J. De Lapuente beschäftigt sich in einem Kommentar im neuen deutschland mit Annegret Kram-Karrenbauer. Darin attestiert er der CDU-Vorsitzenden recht unverhohlene neoliberale Marktradikalität, die ja seit der Finanzkrise von 2008 eher verschleiert und verbal zurückhaltend unter die Menschen gebracht wurde. Diese Haltung ist jedoch ausgesprochen gefährlich, da genau dieses Denken die Probleme unserer heutigen Zeit ja erst verursacht hat. Es bleibt dabei: AKK mag recht harmlos wirken, aber letztlich ist diese Frau eine sozialdarwinistische Menschenverachterin in Reinkultur und ausgesprochen gefährlich. [Karl]

12. Kevin Kühnert, Philipp Amthor und Tilman Kuban – drei junge Politiker, die jedoch nicht im Ansatz etwas Frisches an sich haben, sondern nach ewiggestrigem Gedöns müffeln. Jens Berger nimmt sich in einer Glosse auf den NachDenkSeiten dieser drei „Greise, gefangen in den Körpern von Jungpolitikern“, an und stellt ihnen erwartungsgemäß auch nicht eben ein gutes Zeugnis aus. Wenn diese Freaks die Zukunft der CDU und SPD sein sollen, dann prost Mahlzeit! Junge Wähler mit einem IQ, der höher als der eines Meerschweinchens ist, können solche Kasper wohl kaum ansprechen. [Karl]

13. Ein Artikel auf Spiegel Online befasst sich mit den Ergebnissen einer Studie des Verbands Bildung und Erziehung, die einen massiven Personalmangel an etwa 90 Prozent der deutschen Kitas feststellt. Die Folgen: weniger Aktivitäten wie Ausflüge, größere Gruppen, reduzierte Öffnungszeiten. Da der Job der Kita-Erzieher mit mangelnder Wertschätzung und schlechter Bezahlung verbunden ist und der bürokratische Aufwand stetig steigt, ist es auch kein Wunder, dass sich immer weniger junge Menschen für diesen Beruf entscheiden. So fängt die Misere im Bildungswesen schon früh an – aber schlecht gebildete Kinder werden später eben auch unmündige Bürger, die dann schön gegen ihre eigenen Interessen CDU wählen. Ein Schelm also, wer dahinter eine Absicht vermutet … [Karl]

14. Ein Artikel von Animal Equality schildert die abstoßenden, aber leider sehr weit verbreiteten Praktiken der künstlichen Befruchtung von Tieren in der industriellen Massentierhaltung. Die Perversität und Lebensfeindlichkeit des Marktradikalismus wird daran seh gut deutlich, denn Tiere werden so überhaupt nicht mehr als fühlende Wesen wahrgenommen, sondern als reine Funktionskörper, die dem Ziel der Profitmaximierung dienen. Das ist so ekelhaft, dass ich mich ernsthaft frage, wie man noch Billigfleisch im Supermarkt kaufen kann ob dieser Zustände, ohne komplett abgestumpft zu sein. [Karl]

Druckansicht

Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Er lebt seit vielen Jahren in Hamburg-St. Pauli. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

Schreibe einen Kommentar