Mitschuldig

Über Hass und Hetze im Netz und ihre Folgen bis hin zur Frage der Mitschuld an Straftaten schreibt hier unser Gastkommentator Leon Witte (19) aus Hamburg.

Eigentlich will ich gar nicht immer wieder darüber reden. Aber es ist notwendig.

Walter Lübcke wurde ermordet. Von einem Rechtsextremen. Die Tat ist abscheulich, die Reaktionen sind allerdings umso ekelerregender.

Nicht nur, dass in sozialen Netzwerken nach der Tat weitergehetzt wird, nein, die Internettrolle haben tatsächlich ihre Löcher verlassen und wurden alle zusammen in Dresden bei der Pegida-Demo abgeladen. Pegida? Diese Witzbewegung gibt es immer noch? Ja, leider. Und witzig ist daran auch überhaupt nichts.

Die ARD hat sich dort einmal umgehört. Nachgefragt. Wie sieht man bei Pegida den Mord an einem Politiker? Die Aussagen sind krass. Kein Bedauern, stattdessen Legitimation. Ein Mann von der AfD nennt Lübcke einen Volksverräter. Höckes Busenfreund Lutz Bachmann zieht die Fragen der Journalistin ins Lächerliche, und natürlich wird gegen die Lügenpresse und die Linksextremen gewettert.

Der Beitrag zeigt: Hass und Hetze sind Grundlage und Nährboden für Straftaten. Bis hin zu Mord. Und wer das unterstützt, der ist mitschuldig. Wer die AfD unterstützt, ist mitschuldig. Wer im Internet hetzt und hasst, ist mitschuldig. Wer es hinnimmt und nicht den Mund aufmacht, ist mitschuldig.

Autor: Leon Witte (19) aus Hamburg
Quelle: „Abgecheckt.“ Schülerkolumne im Hamburger Wochenblatt, Ausgabe Barmbek, vom 10. 7. 2019.
Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der WBV Wochenblatt Verlag GmbH.

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Gastautor

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2 thoughts to “Mitschuldig”

  1. Danke für diesen Beitrag! Es ist schwer zu ertragen, aber auch Hetze gegen rechts denkenden Menschen ist und bleibt Hetze. Es gibt eine Menge grau zwischen dem Schweigen und der offenkundigen Anfeindung (Hetze) und da sehe ich leider auch eine Menge Spielraum für (vermeintlich) links denkende Menschen. Ich kann „für Integration“ oder „gegen die Nazis“ sein, nach meiner Erfahrung erreiche ich mit „gegen“ selten eine Annäherung, sondern eher eine Abwehrreaktion.

    Am Ende lande ich jedoch immer wieder bei dem gerade auch hier behandelten Thema „Angst“ und dem einzigen, langfristigen Mittel ein Miteinander von links und rechts, deutsch und ausländisch zu gewährleisten: Es muss den Menschen ökonomisch gut gehen und Politik, Medien und jeder von uns muss aufhören Ängste zu schüren. Dabei kann eben auch Aufklärung und Bildung helfen, aber das ist von Seiten der „Macht“ (die leider keinen eigenen Briefkasten besitzt und man deshalb auch hier schlecht verallgemeinern kann) nicht erwünscht (siehe z. B. Rainer Mausfeld auf den NachDenkSeiten).

  2. Auch von mir Dank für diesen Beitrag und auch Dank an Dirk für seinen Kommentar. Beide Einlassungen teile ich.

    Mehr noch, halte ich das Rechts-Links-Schema, das Alt-Jung-Schema mittlerweile für völlig ungeeignet, um Lösungen zu finden, wenn man sich dann, einer Seite zugehörig fühlend, über die andere Seite moralisch erhebt und die andere abwertet. Hass beginnt nämlich immer so: man sieht sich bei den Guten und die anderen bei den Schlechten.

    Ich bin für das Pro und Contra, für das Sachliche, vor allem dann, wenn es im Streit auszutragen ist. Nur wer mir mit Hass begegnet, verwirkt dann das Recht auch mit mir zu streiten, egal ob er mich direkt hasst oder andere. Aber das bedeutet nicht, dass ich ihn dann hasse. Nein, tue ich nicht, denn das will ich mir nicht antun. Hass wirkt immer auf einen selbst zurück. Denn „wer lange in einen Abgrund blickt, auf den blickt irgendwann der Abgrund zurück“ (Nitzsche)

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