„Bio ist nicht gesund“ …

… so tönte es vor knapp zwei Jahren durch die Gazetten (wie zum Beispiel in der Hamburger Morgenpost oder im Spiegel). Dabei berief man sich auf eine Untersuchung, die herausgefunden haben wollte, dass es keine positiven Effekte auf die eigene Gesundheit hätte, wenn man sich von Bioprodukten anstatt von nicht als solche deklarierten Nahrungsmitteln ernährte. Dabei sind vor allem zwei Dinge nun bemerkenswert: zum einen die rein egozentrische Sichtweise einer solchen Darstellung, zum anderen, dass das sich mittlerweile als falsch herausgestellt hat.

Beim Lesen der beiden Artikel habe ich mich dann auch gefragt: „Na ja, kauft man denn Bioprodukte tatsächlich nur, damit es einem selbst besser geht?“ Anscheinend ist dies in der schönen neoliberalen Welt der Schreiberlinge von Mopo, Spiegel und Co. Usus, denn genau darauf fokussiert deren Berichterstattung: Wenn ich selbst keinen Vorteil davon habe, dann kann ich das ja gleich lassen. Ganz am Ende der Artikel wird dann auch tatsächlich noch mal kurz erwähnt, dass Bioprodukte natürlich schon irgendwie positive Effekte auf die Umwelt, die Tiere, die Landwirte (die nicht mit Giftstoffen hantieren müssen) usw. haben. Und es soll ja auch tatsächlich Menschen geben, für die genau dies tatsächlich auch im Vordergrund steht, nämlich das Interesse an Dingen, die gut für die Allgemeinheit und andere sind – und nicht nur für die eigene Plauze.

Nun erhielt ich letzte Woche den Newsletter vom Umweltinstitut München, und darin stand dann Folgendes:

Britische Wissenschaftler der Universität von Newcastle habenknapp 350 Studien ausgewertet und dabei Bio- und konventionelles Obst und Gemüse bezüglich ihrer Inhaltsstoffe verglichen. Das Ergebnis: Bioware hatte einen wesentlich niedrigeren Gehalt an Schwermetallen, Nitrat, Nitrit und Pestizidrückständen sowie einen bis zu 60 Prozent höheren Anteil an Antioxidantien.

Damit ist die 2009 von der UK Food Standards Agency (FSA) veröffentliche Studie wiederlegt. Diese hatte damals lediglich 46 Studien untersucht und kam zu der Schlussfolgerung, dass sich Bio-Produkte nicht von konventionellen Produkten unterscheiden.

Biologisch produzierte Lebensmittel haben aber auch noch weitere wesentliche Vorteile: sie leisten einen wertvollen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz, zur Gesundheit von Böden, sauberem Trinkwasser und zum Erhalt der biologischen Artenvielfalt. Es lohnt sich also in jedem Fall, sich für Bio zu entscheiden! Deshalb setzen wir uns für eine ökologische und nachhaltige kleinbäuerliche Landwirtschaft ein.

Mehr Informationen finden Sie auch in unserer Broschüre zum Ökolandbau und in den Münchner Stadtgesprächen zur Agrarindustrie.

Ist jetzt natürlich eigentlich nicht so richtig überraschend, dass Biolebensmittel weniger Pestizidrückstände aufweisen, aber wenn vorher das Gegenteil behauptet wurde, ist es natürlich schon sinnvoll, dass das nun auch empirisch belegt wird.

Und was machen unsere sogenannten Leitmedien? Genauso darüber berichten, wie sie zuvor die Meldung verbreitet haben, dass Bio ja gar nicht besser sei? Natürlich nicht, ich hab von diesen neuen Unterschungsergebnissen zumindest nicht ansatzweise so prominent platziert etwas dazu gefunden. Nun denn, das passt ja eben auch nicht so gut ins Weltbild, das vermittelt werden soll, und bei den Diskussionen um TTIP und TiSA, die ja gerade recht heftig geführt werden und bei denen es auch um industrialisierte Nahrungsmittelproduktion geht, kommt so eine Meldung dann ja auch nicht wirklich gelegen. Gibt ja auch keinen Gönner wie Monsanto und Co., der die Mietfedern dann für entsprechenden Artikel entlohnen würde …

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

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