Visionen

Der Sinn des Lebens ist, es zu leben.

Dem Leben mehr Sinn geben zu wollen, als das Leben selbst, endet im Ideal.

Das Ideal ist der Freiheit Tod, weil es immer den Idealen der anderen Sinnsuchenden die Freiheit ihres Sinns verweigern muss, um den eigenen Anspruch Ideal zu sein, auch gerecht werden zu können.

Toleranz ist nichts mehr, als der Kompromiss andere Ideale auch zuzulassen, auch die, die dem eigenen Ideal widersprechen.

Toleranz wird suizidal, wenn sie auch den Intolaranten gegenüber geübt wird, wenn deren Ideal das eigene Ideal – so man eines hat – zu zerstören sucht. Toleranz braucht Grenzen, um nicht den Intoleranten zum Sieg zu verhelfen.

Ideologien sind Ideen, die sich am Ende immer diesem Kompromiss verweigern. Ideologen sind deshalb – welche Seite des Spektrums sie auch vertreten – immer Feinde der Freiheit, auch dann, wenn sie diese Feiheit behaupten, als Ideal vertreten. Denn wirkliche Freiheit gibt es nur im Widerspruch, dem Gegenteil vom Ideal.

Visionen dürfen deshalb weder zum Ideal werden, noch auf Idealen gründen. Sie haben sich der eigenen Existenz und der Milliarden anderer zu stellen, zu bedenken, dass sie diese nie in Gänze werden begreifen können und durch jedes tun, auch des nur gedachten Tuns, die Essenz, die Gänze, beeinflussen, verändern und damit auch auf die Vision rückkoppeln.

Visionen dürfen deshalb nie statisch sein, schon gar nicht zur Ideologie werden. Visionen müssen sich diesem Widerspruch, einerseits idealistisch zu sein und andererseits nicht über das Ideal zur Ideologie zu werden, stellen, reflektiv bleiben und – hier gilt Popper – verändern, wenn sie in ihren Teilen einer neuen Verifizierung verlangen.

Visionen sind deshalb wie das Leben, sie machen nur Sinn, wenn sie leben. Sie sterben, wenn die Veränderung, die Erneuerung, neue Entscheidungen, nicht mehr möglich sind. Leben ist Veränderung, Erneuerung, fortwährende Entscheidung, ja auch die Akzeptanz des Absurden – Camus beeinflusst mein Denken seit Jahrzehnten.

Leben heißt die Sinnlosigkeit des Lebens zu akzeptieren.

Deshalb muss sich die Vision, die eigene vor allem, auch ihrer Sinnlosigkeit bewusst werden, akzeptieren mit dieser zu leben, weil sie nie in einen Idealzustand der Welt je führen wird.

Die Vision kann nur helfen ein wenig Ordnung ins Chaos zu bringen, vielleicht das Leben ein wenig einfacherer machen. Das eigene Leben und nur im besten Falle auch das vieler anderer.

Sinn jedoch wird sie dem Leben nie geben können, muss sie aber auch nicht. Denn der Sinn des Lebens liegt im Leben, im eigenen wie im Fremden.

Wobei wir wieder bei der Wertschätzung sind, denn nur diese kann die Voraussetzungen Leben zu leben gewährleisten, ganz egal welches Leben man betrachtet.

Keine Religion, keine Ideologie, kein dogmatisches Ideal kann diesem Anspruch gerecht werden. Deshalb lehne ich sie ab, ebenso wie als Ideal getarnte, auf Idealen gebaute Visionen.

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Heinz

Jahrgang 1958, am Leben interessiert, auch an dem anderer Menschen, von Rückschlägen geprägt. Nach diversen Tätigkeiten im Außendienst für mehrere Finanzdienstleister und zuletzt als Lehrkraft auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Ökonomie und Gesellschaft, den Kapitalismus in all seinen Formen zu verstehen und seit Jahren zu erklären ist meine Motivation. Denn ich glaube, nur wer versteht, wird auch Mittel finden, die Welt zu einer besseren Welt zu machen. Leid und Elend haben ihre Ursache im Unverständnis.

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