Demokratie braucht keine Ideale – Demokratie braucht Demokraten

Nur eine Demokratie ohne das Ideal der Demokratie, kann wirklich demokratisch sein und bleiben, allerdings nur dann, wenn sie über ausreichend viele Demokraten verfügt.

Demokratie ist nie als Ideal zu verstehen. Demokratie ist deshalb auch nie nur Ziel, auch dann nicht, wenn sie Wirklichkeit zu sein scheint, als Ziel erreicht zu sein scheint. Demokratie ist nie statisch, ist nie wirklich erreicht, darf deshalb auch nicht statisch als Ideal gedacht werden.

Demokratie ist der Weg, im Wissen dem Ziel sehr nahe kommen zu können, aber auch wissend, es nie wirklich erreichen zu können. Demokratie ist deshalb das Tun, das demokratische Tun, das unermüdliche demokratische Tun des Demokraten. Davon hängt letztendlich immer ab, wie nah wir dem Ziel kommen können.

Wer die Demokratie idealisiert, der zerstört sie letztendlich. Auch weil die Menschen glauben, an ein Ziel gekommen zu sein, welches faktisch nie erreicht werden kann, weil sie sich damit dann anderen Dingen und Themen zu wenden, den Weg nicht mehr werden gehen.

Das folgende Zitat eines angeblichen Demokraten steht deshalb stellvertretend dafür, wie wichtig es ist, die wahren Demokraten von den Scheindemokraten zu trennen. Letztere sind es nämlich, die in ihrem Tun und Sprechen der Demokratie widersprechen. Unschwer kann man erkennen, dass es viele solche Demokraten derzeit in diesem Lande gibt, weshalb das Tun und Sprechen der wahren Demokraten auch wieder so wichtig geworden ist.

„Langzeitarbeitslose, Hart-IV Empfänger, Asylbewerber und Migranten sollen Bäume pflanzen! Insbesondere Flüchtlinge müssen uns in Notlagen zur Seite stehen, so wie wir ihnen zur Seite standen.“

Dieses Zitat stammt nicht von irgendwem, sondern von einem gewählten Vertreter im Bundestag. Es stammt auch nicht, wie man erwarten könnte, von einem Mitglied der AfD-Fraktion. Nein, es stammt von Albert Weiler, einem MdB aus Thüringen der CDU, gleicher Fraktion, die derzeit unsere Regierung mit stellen darf. Ein gewählter Schein-Demokrat, wie ich ihn subjektiv für mich beurteile. Den Herrenmenschen Gedanken näher, als es uns lieb sein kann. An den Holländermichel in Wilhelm Hauffs Märchen „Das kalte Herz“ erinnernd, welches hier wohl in dieser Person des Holländermichels auch Blaupause für unsere Gesellschaft sein soll. Für mich die Bestätigung damit der Absurdität des neoliberalen Denkens, des neoliberalen Menschenbildes, welches hier vertreten wird. Geschmacklos, stillos, niveaulos, kulturlos, würdelos, weil nicht mehr wertschätzend, was dieser Teil der Gattung Mensch, als Demokrat bemäntelt, zum Teil unseres Denkens und Handelns wieder machen will. 1933 ist näher als wir denken!

Demokratie zu leben, heißt das Leben des Sisyphos zu leben und darin dann ein ähnliches Glück zu finden, wie Camus es bei Sisyphos behauptet, basierend auf Stolz und Selbstwert.

Demokratie ohne das Anerkenntnis der Absurdität wird nicht gelingen können, im Gegenteil, die Demokratie braucht dieses Anerkenntnis, muss vom Ideal sich fernhalten, will sie wirklich demokratisch bleiben, denn nur so kann sie wertschätzend bleiben und dies dann auch für alle an ihr Beteiligten.

Demokratie heißt deshalb auch Schein-Demokraten ihre Meinung zu lassen, auch zuzulassen, dass sie diese äußern dürfen, aber nicht widerspruchslos, nie widerspruchslos. Denn im Widerspruch liegt das Demokratische, hier bei Weiler nur im Widerspruch!

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Heinz

Jahrgang 1958, am Leben interessiert, auch an dem anderer Menschen, von Rückschlägen geprägt. Nach diversen Tätigkeiten im Außendienst für mehrere Finanzdienstleister und zuletzt als Lehrkraft auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Ökonomie und Gesellschaft, den Kapitalismus in all seinen Formen zu verstehen und seit Jahren zu erklären ist meine Motivation. Denn ich glaube, nur wer versteht, wird auch Mittel finden, die Welt zu einer besseren Welt zu machen. Leid und Elend haben ihre Ursache im Unverständnis.

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