Die neuste Sau im Dorf: das duale System der Krankenversicherung

Bertelsmann hat eine Studie veröffentlicht, die das auf das Papier bringt, was längst bekannt ist, Eingeweihten zumindest. Das duale System im Gesundheitswesen Deutschlands ist eine Geld- und Ressourcen-Verbrennungsmaschinerie und gehört seit Langem abgeschafft, auch weil es der Ungerechtigkeit Tür und Tor geöffnet hat und diese weit offen hält.

Spiegel, FAZ, Die Zeit und einige mehr berichten darüber. So weit so gut oder so schlecht, denn wer glaubt, dass das zu einem Ende dieses Systems führt, der irrt, und zwar ganz gewaltig.

Zu viele Interessen, die mit diesem System verbunden sind, die auf die Erhaltung dieses Systems pochen werden. Angefangen bei den Ärzten, den privatisierten Krankenhäuser, den Krankenhäuser allgemein, denn sie müssen ja auch Gewinn machen, brauchen den Privatpatienten dafür, über die Beamten, die Versicherungen bis hinein in die Parteien und nicht zu vergessen den Bessergestellten in dieser Gesellschaft, die sich hier nun in eine Reihe mit den anderen stellen sollen, vermeintliche Privilegien verlieren sollen.

Im Gegenteil, wenn eines geeignet ist, den Marktradikalismus à la Merz durchzusetzen, dann diese erneute Diskussion um Gerechtigkeit im Gesundheitswesen. Ein gefundenes Fressen, nicht nur für FDP, sondern gerade auch für die neoliberalen Unionisten, die damit den Furor der sozialistischen Einheitskasse wieder an die Wand malen können, um mit der Drohung des Kommunismus den Wähler zu disziplinieren. Hat immer funktioniert beim im Grunde reaktionären Wähler, wird wieder funktionieren. Und selbst wenn nicht, wenn die Wahl für die Befürworter besser ausgeht, so wird genau dieses Thema, wie immer, bei den notwendigen Koalitionsverhandlung zu allererst geopfert werden. Jamaika und die GroKo-Verhandlungen zeigten es, wie viel Hoffnung man an solche Versprechen knüpfen kann.

Schön wäre es zwar, wenn sie endlich käme, die Bürgerversicherung. Ich bin seit gefühlt 100 Jahren dafür. Aber so naiv bin ich nicht, daran zu glauben, dass der Deutsche hier mit mehr Verstand zur Sache ginge, als er es beim Tempolimit gerade dieser Tage getan hat.

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Heinz

Jahrgang 1958, am Leben interessiert, auch an dem anderer Menschen, von Rückschlägen geprägt. Nach diversen Tätigkeiten im Außendienst für mehrere Finanzdienstleister und zuletzt als Lehrkraft auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Ökonomie und Gesellschaft, den Kapitalismus in all seinen Formen zu verstehen und seit Jahren zu erklären ist meine Motivation. Denn ich glaube, nur wer versteht, wird auch Mittel finden, die Welt zu einer besseren Welt zu machen. Leid und Elend haben ihre Ursache im Unverständnis.

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