Interessantes aus KW 19/2020

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. Wie absurd in vielerlei Hinsicht die Forderung der Autoindustrie nach einer coronabedingten Kaufprämie für Neuwagen ist, fasst Sören Götz in einem Kommentar auf Zeit Online treffend zusammen. Das wäre nämlich nicht nur ökologisch fatal, sondern würde zudem zum einen Konzerne, die gerade noch haufenweise Dividende und Managerboni ausschütten, mit Steuergeldern unterstützen, zum andere würden so ohnehin Wohlhabende (denn nur solche können sich einen Neuwagen überhaupt leisten) in den Genuss von einigen Tausend Euro kommen. Aber wetten, dass unsere Regierung diesen Bockmist trotzdem so richtig super findet? [Karl]

2. Da ja zurzeit die Menschen aufgrund des Corona-Lockdowns viele Dinge online machen müssen, für die sie vorher nicht den Computer benutzt haben, fordert Digitalcourage acht dauerhafte Maßnahmen zur Stärkung von Grundrechten im Internet. Das ist sehr nachvollziehbar, denn wenn schon Grundrechte im realen Leben beschnitten werden, sollte es diesbezüglich doch mehr Schutz und weniger Überwachung und Ähnliches in der digitalen Welt geben. Dürfte allerdings leider kaum umgesetzt werden von unserer Regierung … [Karl]

3. Und noch ein Artikel von Digitalcourage: Darin wird der Frage nachgegangen, wie es denn genau mit der Freiwilligkeit einer derzeit ja viel diskutierten Corona-App aussieht. Zum einen werden die Probleme erläutert, die sich auf rein datenrechtlicher Ebene ergeben bei einer freiwilligen Zustimmung der Nutzer zur Verarbeitung ihrer Daten, die noch etliche Grauzonen aufweist. Zum anderen wird aber auch der soziale Aspekt angesprochen, inwieweit man noch von einer freiwilligen Nutzung reden kann, wenn im öffentlichen Diskurs zunehmend aggressiv auf Kritik an einer solchen App reagiert wird und die Kritiker dann oft als unsozial dargestellt werden. [Karl]

4. Mit dem gleichen Thema, nämlich der Freiwilligkeit bei coronabedingten Überwachungsmaßnahmen, befasst sich Tobias Riegel in einem Artikel auf den NachDenkSeiten. Er geht dabei allerdings noch ein bisschen weiter und ordnet das Ansinnen einer Tracking-App und auch den geplanten, aber erst mal auf Eis gelegten Immunitätsausweis in ein größeres Konzept der Massenkontrolle ein, das im Anlegen einer „digitalen Identität“ eines jeden Bürgers münden könnte. Und das wäre dann eine ausgesprochen gefährliche Sache, die zu totaler Überwachung und Spaltung der Gesellschaft führen würde. [Karl]

5. Ebenfalls auf den NachDenkSeiten findet sich ein Interview mit Thomas Wasilewski. Der dreifache Vater ist aufgrund einer Erwerbsunfähigkeit Hartz-IV-Empfänger und schildert nun, wie unmöglich es seinen Söhnen ist, am coronabedingten Homeschooling teilzunehmen, da die Familie keinen Computer besitzt (geschweige denn einen Drucker) und das Jobcenter das Geld für dessen Anschaffung verweigert. Auf ihren altersschwachen Smartphones können die Jungs die entsprechenden Lernangebote und Aufgaben nicht wahrnehmen, sodass sie zurzeit komplett vom Unterrichtsbetrieb ausgeschlossen sind. Und ich schätze mal, dass die Wasilewskis da nicht die einzige Familie mit diesem Problem in Deutschland sein werden. [Karl]

6. Gut gedacht, der böse Zwillingsbruder von gut gemacht … oh, sorry, hatte ich hier schon. Okay, aber mal im Ernst: Was haben sich die Organisator*innen gedacht, als sie, entgegen den Ansagen von 1.000 bis 1.500 kranken Kindern, fast nur gesunde Kinder aus dem menschenunwürdigen Flüchtlingslager in Moria (klingt schon nach Mordor) nach Deutschland geholt haben? Es gibt Listen von unbegleiteten und kranken Kindern, wobei die außerhalb des Flüchtlingsdorf lebende Minderjährigen nicht mal mit erfasst werden, obgleich es da am härtesten und ungeschütztesten ist. Immerhin habe sie überhaupt mal etwas gemacht, wie Report Mainz (ARD) in einem 7-minütigen Bericht zeigt. [Dirk]

7. Es spricht ja grundsätzlich nichts dagegen eine kritische Meinung zu haben, die auch gern nicht dem Mainstream entsprechen muss (soll hier auch schon vorgekommen sein). Und sicherlich ist man nicht umfassend informiert, wenn man nur Heute oder Tagesschau sieht. Wenn es aber darum geht, den Leuten Angst vor einem Überwachungsstaat zu machen (und dabei gerade die Trennung von Staat und öffentlich-rechtlichen Medien wieder einmal ausblendet), dann finde ich das nicht viel besser als jede andere Panikmache und die Art von Populismus, die man den anderen vorwirft. (So oder so ein sehr häufiges Phänomen: Ich werfe der Gegenseite das vor, was ich selbst Subversives mache.) Ein Kommentar von Christoph Süß bei quer (BR) zeigt einige der Auswüchse, wo es mir kalt den Rücken herunterläuft. [Dirk]

8. Entgegen der Empfehlung vom Robert-Koch-Institut haben Hamburger Rechtsmediziner Corona-Tote obduziert und dabei interessante Erkenntnisse gewinnen können, wie aus einem Artikel des Medizinportals DocCheck hervorgeht. Bei einer großen Anzahl der Verstorbenen wurden nämlich zuvor unentdeckte Thrombosen gefunden. Auch eine US-Studie stellt diesen Zusammenhang zwischen Thrombosen und schweren Corona-Verläufen fest, sodass die Hoffnung besteht, mit dem bereits lange bekannten und standardmäßig verwendeten Thrombose-Medikament Heparin Erfolge bei der Corona-Therapie erzielen zu können. Das wären ja wirklich mal gute Nachrichten! [Karl]

9. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner gibt mal wieder das Werbemaskottchen und tritt in zahlreiche Fettnäpfchen, wie aus einem Artikel auf Merkur.de hervorgeht. Als sie in einer von BILD präsentierten Internetshow „Kochen mit Lafer“ auftrat,  hat sie so nicht nur Werbung für deren Hauptsponsor Kaufland gemacht, sondern dort auch noch fröhlich mit Billigfleisch aus dem Discounter gekocht. Und als wenn das noch nicht genug wäre, war bei der Veranstaltung von Mundschutz und Sicherheitsabstand auch nichts zu sehen. Einfach nur noch untragbar die Frau, die sich (natürlich) mal wieder damit rauszureden versucht, dass sie ja von allem keine Ahnung gehabt haben will. [Karl]

10. Den letzten beißen die Hunde. Gerade in Zeiten der Corona-Krise scheint dieses Sprichwort umso mehr zu gelten, wie Armin Paasch und Miriam Saage-Maaß in einem Artikel in den Blättern für deutsche und internationale Politik feststellen. Darin beschäftigen sie sich mit der Textilindustrie, und deren Verhalten ist gerade ausgesprochen schäbig: Aufgrund des Umsatzeinbruchs werden Aufträge in fernöstlichen Fabrikationshöllen einfach so storniert, sodass die dort eh schon übel ausgebeuteten Arbeiterinnen nun komplett ohne Lohn und soziale Absicherung dastehen. Zudem wird natürlich auch noch das geplante Lieferkettengesetz unter Beschuss genommen, da Profite ja so viel wichtiger sind als Menschenrechte. Kapitalismus in seiner widerwärtigsten Ausprägung! [Karl]

11. Jonathan Safran Foer und Aaron S. Gross beschäftigen sich in einem Artikel für der Freitag mit dem Zusammenhang von Massentierhaltung und pandemischen Viren. Auch wenn die Herkunft des aktuellen Corona-Virus noch nicht zu 100 Prozent ermittelt wurde, so zeigen doch Influenza-Viren aus der Vergangenheit, dass die Gefahr einer Epidemie aus der Massentierhaltung riesig ist – und weitaus schlimmere Auswirkungen haben könnte, als wir gerade aktuell schon erleben. Es wäre also dringend angeraten, hier nun endlich mal umzusteuern und Massentierhaltung abzuschaffen – nicht nur für die gequälten Tiere, sondern auch für die Gesundheit von uns Menschen. [Karl]

12. In einem ausgesprochen lesenswerten Essay auf Zeit Online beschreibt George Packer den Zustand der USA in Zeiten von Corona. Das Virus traf nämlich dort auf eine in vielerlei Hinsicht geschädigte Gesellschaft sowie eine korrupte, unfähige und machtgeile Politikerkaste – mit katastrophalen Auswirkungen, wie die zahlreichen Toten belegen. Und wenngleich einige der geschilderten Phänomene doch ausgesprochen US-amerikanisch sind, so lässt sich doch vieles auch auf Deutschland übertragen, wenn auch noch nicht in so stark ausgeprägtem Maße. Aber die USA sind uns ja in Sachen Neoliberalismus auch schon einige Jahre voraus. [Karl]

13. Und noch ein Interview auf den NachDenkSeiten, und zwar mit Carl Waßmuth vom Verein „Gemeingut in BürgerInnenhand“. Thema: die anstehende Zerschlagung und damit Quasi-Privatisierung der Berliner S-Bahn. Hier agiert die rot-rot-grüne Berliner Regierung gerade nicht nur sehr undemokratisch, wie Waßmuth erläutert, sondern auch in jeder Beziehung bürgerunfreundlich und kurzsichtig. Wozu Privatisierungen führen, hat man ja schon oft genug erlebt … Schlimm vor allem auch, dass die Berliner Linken diesen Bockmist mittragen und sogar forcieren, denn so was ist ein gefundenes Fressen für Kritiker der Partei, die meinen, dass die eben auch nicht anders agieren würden als die Neoliberalen, wenn sie mal in Regierungsverantwortung seien. [Karl]

14. Zum Abschluss noch etwas Humoriges, wenngleich auch mit reichlich bitterer Färbung: In einem knapp fünfminütigen Video von Extra 3 (NDR) singt Moderator Christian Ehring ein sarkastisches Loblied auf die Waffenindustrie, die in unsicheren Corona-Zeiten immerhin ein stabiler Wirtschaftsfaktor ist. Anders als mit so viel schwarzem Humor kann man diese menschenverachtende Praxis auch echt nicht ertragen. [Karl]

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