Corona und der Lobbyismus

Lobbyismus ist eine eigentlich sinnvolle Sache, da es ursprünglich ja nichts anderes besagte, als das Verbände, Vereine und Interessengruppen ihre Ansicht zu bestimmten politischen Vorgängen und Entscheidungen, die sie betreffen, in der Lobby des Parlaments an die Abgeordneten herantragen. Leider ist der Lobbyismus mittlerweile zu einer recht üblen Sache geworden, da er zum einen überhaupt nicht transparent geschieht und zum anderen sehr einseitig überwiegend nur Konzernvertreter Gehör finden. Und diese haben oft ausgesprochen unschöne Absichten.

Rüstungskonzerne betreiben beispielsweise Lobbyismus, damit sie mehr Waffen in andere Länder, gern auch Krisenregionen und Kriegsgebiete, exportieren können. Dort sterben dann durch diese Waffen Menschen.

Die Hersteller von Glyphosat und anderen Pestiziden betreiben Lobbyismus, damit sie ihre für Mensch und Umwelt schädlichen und krank machenden Gifte weiter vertreiben können. Auch daran sterben Menschen, genauso wie die Biodiversität massiv beschädigt wird.

Natürlich betreiben auch die Autohersteller Lobbyismus, und das sogar sehr offensichtlich, damit es beispielsweise kein Tempolimit in Deutschland gibt und sie weiter ihre übermotorisierten Kisten verkaufen können. Auch deswegen sterben Jahr für Jahr Menschen. Genauso wie an der Luftverschmutzung (das sind sogar noch viel mehr, als durch Raserei zu Tode kommen), an welcher der Autoverkehr einen erheblichen Anteil hat.

Klinikkonzerne betreiben Lobbyismus, um sich weitere Teile des Gesundheitssystems unter den Nagel reißen zu können, was aufgrund von deren Profitorientierung die vermehrte Ausbreitung multiresistenter Keime zur Folge hat, an denen auch jedes Jahr eine fünfstellige Anzahl von Menschen allein in Deutschland stirbt.

Ganz aktuell wird gerade von Wirtschaftsverbänden massiv gegen das Lieferkettengesetz, das Menschenrechtsverletzungen an den (oft in Afrika, Südostasien oder Südamerika befindlichen) Produktionsstandorten von deutschen Unternehmen unterbinden soll, lobbyiert. Diese Menschenrechtsverletzungen bewirken in der Regel auch Gesundheitsschäden und sind oft genug lebensgefährdend.

In den USA ist die National Rifle Association (NRA) für ihren aggressiven Lobbyismus bekannt, der dazu führt, dass man dort nach wie vor viel zu leicht an Schusswaffen kommt, die ebenfalls jedes Jahr eine große Anzahl an Todesopfern fordern.

Und auch Phamakonzerne betreiben Lobbyismus, damit sie beispielsweise weiterhin Patente anmelden können für ihre Medikamente. Diese werden dadurch oftmals unbezahlbar für arme Menschen (gerade im globalen Süden), sodass richtig viele Menschen an eigentlich kurierbaren Krankheiten sterben, weil sie sich eine Behandlung nicht leisten können.

Ach ja, die Finanzindustrie betreibt übrigens auch Lobbyismus, weswegen dann so etwas wie Nahrungsmittelspekulationen erlaubt sind, die zur Folge haben, dass Menschen (wieder vor allem im globalen Süden) verhungern.

Wie man sieht, kommt es nicht gerade selten vor, dass Lobbyismus betrieben wird, um den eigenen Profit auf Kosten von Menschenleben und deren Gesundheit steigern zu können (und damit bin ich nun noch nicht mal auf den Lobbyismus zu sprechen gekommen, der auf wenig ethische Weise Tierqual und Umweltzerstörung aufrechtzuerhalten sucht). Ethische und moralische Überlegungen haben da keinen Platz, es wird ganz bewusst in Kauf genommen, dass Menschen für eine bessere Unternehmensbilanz sterben müssen. Und oft wird der Tod von Menschen deswegen sogar sehr direkt gefördert.

Von der Corona-Pandemie profitieren auch einige Konzerne in großem Maße. Amazon ist da sicher das spektakulärste Beispiel, aber da gibt es auch noch reichlich weitere: natürlich die Pharmaindustrie, aber auch alle, die damit Geld verdienen, dass mehr Menschen im Homeoffice arbeiten. Und Netflix boomt dank der Ausgangsbeschränkungen auch. Um nur mal ein paar Beispiele zu nennen.

Wer sagt uns, dass diese Profiteure nun keinen Lobbyismus betreiben, um den für sie rentablen Zustand beizubehalten? Oder wäre es nicht eher unwahrscheinlich, dass diese Unternehmen das nicht so handhaben würden? Zumindest würden sie damit nicht anders handeln als etliche Unternehmen dies ohnehin schon machen, wie oben geschildert.

Wir sollten also politische Entscheidungen zur Corona-Pandemie und das mittlerweile sehr häufige Eingestehen von diesbezüglichen „Fehlern“ vielleicht mal unter Berücksichtigung dieses Aspekts betrachten.

Wie ich schon vor einigen Monaten, als Covid-19 absehbar in den Schlachthöfen ausgebrochen ist, in einem Artikel geschrieben habe:

Da Unwissenheit als Begründung für dieses Unterlassen ausfällt, bleiben nur noch zwei weitere Erklärungen:

1. Diese osteuropäischen Lohnsklaven sind für die Regierung quasi Menschen „zweiter Klasse“, die „vergessen“ wurden, die man nicht als wichtig genug erachtet, um sie vor dem Coronavirus zu schützen.

2. Man hat nichts gegen diese Massenunterbringungen unternommen, da man die logische Konsequenz von Covid-19-Erkrankungen dort bewusst in Kauf genommen hat oder sogar provozieren wollte – warum auch immer.

Mit der Vorstellung, dass pro Corona lobbyiert wird, hätte man zumindest für Punkt 2 eine Erklärung …

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

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