Der Corona-Impfstoff oder die Perversion unseres Systems

Die Menschheit leidet unter einer Pandemie, viele sterben und Unzähligen droht wegen den notwendigen Einschränkung der Existenzverlust. Das öffentliche Leben kommt zum Erliegen, Geschäfte, Restaurants und Kulturbetriebe müssen schließen. Die Menschen haben Angst, zu erkranken.

Ein Impfstoff könnte Abhilfe schaffen.

Was macht die Politik? Amstatt dass man jetzt alle vorhandenen Ressourcen global benutzt, sich zusammenschließt und gemeinsam zum Wohl der Menschheit forscht, überlässt man die Suche nach dem Impfstoff dem Wettbewerb der Privatwirtschaft. Wer ihn zuerst entdeckt, ist Sieger, wird als Heilsbringer gesehen, die Medien feiern in als bald einen der reichsten Männer der Welt, die Aktien des involvierten Pharmaproduzenten schnellen in die Höhe, und die Milliardengewinne für wenige meist eh schon reiche Anleger werden von unseren Steuergeldern bezahlt. Gelder, die für die unzähligen Leuten benötigt würden, denen der Bankrott durch die Krise droht.

Und das alles noch bevor überhaupt großflächig bekannt geworden ist, ob das Mittel wirklich die Versprechungen erfüllt, wie gut und lange es überhaupt wirkt – und die Langzeitfolgen auch noch nicht abzuschätzen sind.

Da wird der alte ABBA-Song „The Winner Takes It All“ wieder zum Ohrwurm.

Ja natürlich, es ist eine tolle Sache, dass einen Impfstoff gefunden wurde, und ja, dem Entwickler gebührt natürlich auch alle Ehre dafür, denn er hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, Therapien gegen Krebs zu zu finden, und wahrscheinlich wird er seine Gewinne auch einsetzen, um weiterzuforschen. Das ändert aber nichts am System, das es zulässt, dass aus einem für unsere Spezies vielleicht existenziell wichtigem Impfstoff, der nun der Menschheit zur Verfügung gestellt wird, ein knallhartes Geschäft gemacht wird. Zudem läuft das Ganze eben in Kooperation mit dem durchaus schon als skrupellos in Erscheinung getretenen US-Pharmakonzern Pfizer, dem es in der Tat keineswegs um das Wohl der Menschen geht.

Unsere Gesundheit und unser Leben gehören einfach nicht in die Hände von Privatunternehmen, denen es in der Regel nicht um Menschen, sondern ausschließlich um Gewinne geht. Die Forschung an essenziellen Medikamenten muss auch wieder an Universitäten und öffentlichen Einrichtungen erfolgen, und deren Verkauf darf nicht von wirtschaftlichen Interessen, sondern allein vom Wohl der Menschen abhängen. Da hat de Politik komplett versagt und versagt weiter, und der Sparwahn und das Prinzip „Weniger Staat“ ermöglichen es wieder mal einer kleinen Gruppe reicher Anleger, sich auf Kosten aller zu bereichern, ohne selbst irgendwas dafür geleistet zu haben.

Aber der völlig indoktrinierte Bürger will das alles nicht sehen, er ist nur froh, einen Impfstoff zu bekommen, er will endlich wieder sein altes Leben fortsetzen, damit er weiter ungehemmt konsumieren, das Klima wandeln und die Umwelt zerstören kann. Denn gelernt haben die meisten aus der Corona-Krise mal wieder rein gar nichts, am allerwenigsten aber die Politik.

Ich habe bald wirklich keine Hoffnung mehr, dass sich irgendwann gesellschaftlich und auch mal etwas zum Positiven ändert, dass wir doch noch mal in einer solidarischen Gesellschaft leben werden, denn das eigene Ego, der eigene Erfolg, am besten verbunden mit unersättlichem Reichtum, bleibt das höchste Ziel unseres Systems, das immer noch viel zu viele unterstützen. Wie Schon Harald Lesch sagte:


„Solange wir immer stärker auf diese Kombination gehen:
Me, myself an I , wenn das alles ist, dann war es das.“



Und ich befürchte, das wird es auch gewesen sein.

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Markus

Jahrgang 1967, Informatiker, pflegt und entwickelt 3-D-CAD-Software in einem kleinen Unternehmen. Träumt von einer progressiven, sozial gerechten und ökologischen Gesellschaft und verzweifelt manchmal an der Frage, warum die meisten Menschen das nicht auch wollen.

Ein Gedanke zu „Der Corona-Impfstoff oder die Perversion unseres Systems“

  1. Wie sehr hier die Politik mal wieder „versagt“ (oder vielmehr im neoliberalen Sinne: „geliefert“) hat, geht aus eine Kommentar von Ingo Arzt in der taz hervor. Es hätte nämlich Strategien gegeben, die vermutlich zu einer schnelleren Impfstoffproduktion geführt hätten, und das ist alles kein Zauberwerk. Aber so sterben nun eben weiter Menschen, die bei einer Politik, der tatsächlich an dem Schutz von Gesundheit und Leben der Bevölkerung gelegen wäre und nicht nur an der eigenen neoliberalen Agenda, nicht hätten sterben müssen.

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