Konzerne bilden unsere Meinung

Unionspolitiker wollen ARD und ZDF zusammenlegen und auf deren Bildungsauftrag beschränken, im Klartext also: Die Unterhaltung soll den durch und durch werbeverseuchten und völlig niveaubefreiten Privatsendern überlassen werden, die das angeblich genauso gut umsetzen könnten.
Das Thema mit den Öffentlich-Rechtlichen wird ja von den Rechten immer gern wieder benutzt, um ihr fehlendes Demokratieverständnis aufzuzeigen.

Ich bin ja eher dafür, dass man Konzernmedien wie die Springer-Presse an den Strick legt und ihre neoliberalen Ergüsse zugunsten der Reichen und Mächtigen – und besonders ihre unglaubliche Hetze in Machwerken wie BILD – nicht weiter unkommentiert hinnimmt. Denn das trägt massiv zur Desinformation der Bürger bei und ermöglicht erst, dass die soziale Ungleichheit weiter steigt und andere wichtige Themen wie Armut, Klimawandel, Artensterben, industrielle Landwirtschaft und Umweltzerstörung allgemein immer noch nicht ernst genommen werden. Leider bekleckern sich die Öffentlich-Rechtlichen da zwar auch nicht mit Ruhm, aber sie berichten zumindest immer mal wieder darüber.

Aber es ist schon klar, was die Unionspolitiker wollen: die Verdummung der Gesellschaft weiter vorantreiben. Denn ein öffentlicher Rundfunk, der nur noch Bildungsfernsehen senden darf, dem werden die Zuschauer ganz schnell davonlaufen, weil dann nur noch eine kleine interessierte Minderheit, über deren Bildung man sich eigentlich keine Sorgen machen muss, überhaupt noch einschalten wird.

Und wenn ich dann noch die Filmproduktionen der Privaten mit denen der Öffentlich-Rechtlichen vergleiche, ist selbst da ein ganz deutliches Niveaugefälle bei den Privaten nach ganz, ganz tief unten zu erkennen. Dazu kommen die ständigen Werbeunterbrechungen, die sind sowieso einfach nur noch unerträglich und eine Unverschämtheit, gegen die man sich nur mit Ausschalten wehren kann. Deswegen sind bei mir auch die Privaten längst ganz nach hinten in die Programmliste gerutscht. Und ich vermisse sie auch nicht. Kein Stück …

Aber der deutsche Michel, insbesondere der sozial und erst recht gesellschaftlich unbegabte, braucht ja etwas, über das er sich aufregen kann, und wenn es diese ca. 16 € im Monat sind, die er bezahlen muss, damit eine demokratisch strukturierte Medienlandschaft wenigstens im Ansatz noch erhalten bleibt. Denn seien wir mal ehrlich: Die überwiegende Mehrheit der privaten Medien redet den Reichen und den Konzernen nach dem Mund und leistet der Demokratie damit einen Bärendienst, überwiegend sind sie ja selbst Bestandteil eines Medienkonzerns. Und es kann eben nicht sein, dass Meinung von denen gebildet wird, die über das Kapital verfügen, um ihre ureigenen egoistischen Ziele durchzusetzen.

Sicher gibt es bei den Öffentlich-Rechtlichen auch viel Diskussionsbedarf, und manches kann man sicher verbessern, aber eine solche Radikalkur würde die Medienlandschaft weiter radikalisieren, und zwar in eine ganz und gar nicht gesellschaftlich erwünschte Richtung.

Bei diesem Thema bekomme ich immer wieder Angst um unsere Demokratie, denn nie war es leichter als heute, die Menschen schnell und gezielt mit Desinformationen zu versorgen – oder, was noch gängiger ist, ihnen wichtige Informationen vorzuenthalten oder sie für eigene Zwecke „kleinzuschreiben“. Unsere Meinungsvielfalt besteht doch neben den Öffentlich-Rechtlichen eigentlich nur noch aus ein paar konzerngeführten Medien, allen voran Bertelsmann, gefolgt von ProSiebenSat.1 Media und dem Axel-Springer-Verlag.

Mit demokratischer Meinungsvielfalt hat das alles überhaupt nichts mehr zu tun.

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Markus

Jahrgang 1967, Informatiker, pflegt und entwickelt 3-D-CAD-Software in einem kleinen Unternehmen. Träumt von einer progressiven, sozial gerechten und ökologischen Gesellschaft und verzweifelt manchmal an der Frage, warum die meisten Menschen das nicht auch wollen.

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