Preiserhöhungen oder Verbote?

Die Argumentation, höhere Preise für den Klimaschutz würden finanziell Schwächere benachteiligen und Bessergestellte dadurch ihr Verhalten je weniger ändern, umso mehr sie besitzen, ist wohl grundlegend richtig. Zudem gehören Vermögende ja zu den Leuten, die den Klimawandel vorantreiben und dabei keine Kosten scheuen.

Aber was wäre die Alternative?

Verbote?

Allein schon das Wort wird seit der neoliberalen Agenda verteufelt, und große Teile der Gesellschaft, die gewohnt sind, alles zu bekommen, was sie an Konsumgütern haben wollen, und sei es noch so sinnfrei, sind leicht damit zu manipulieren. Bedeuten Verbote für sie doch den Verlust von Gewohntem und grenzenlosem Konsum, auf den man auf keinen Fall verzichten möchte. Umwelt, Klima und Gerechtigkeit spielen nur eine untergeordnete Rolle.

Das ist leicht daran zu erkennen, dass trotz aller Informationen, die wir jetzt seit Jahrzehnten haben, Bioprodukte, obwohl oft kaum teurer als höherpreisige Standardware von teilweise für Umweltzerstörung mitverantwortlichen Konzernen, immer noch eine Nische sind, und auf Billigfleisch will auch fast gar keiner verzichten will. Wenn man sich die Umengen an Produkten aus Massentierhaltung in den Supermärkten ansieht, bedarf das wohl keiner näheren Erklärung mehr.

Aber was wären die Folgen von Verboten?

Würde z. B. die Massentierhaltung endlich gesetzlich abgeschafft, was nicht nur aus Tierleidgründen, sondern auch umwelttechnisch wohl dringend nötig ist, würde weniger Fleisch zu höheren Preisen produziert werden, und wir hätten wieder denselben Effekt, nämlich dass es die Bessergestellten sind, die es sich wohl leisten könnten, weiterhin viel Fleisch zu konsumieren.

Es ist ein Dilemma, man kann es drehen und wenden, wie man will, solange große Ungleichheit herrscht, wird sich daran nichts ändern. Verbietet man Verbrennungsmotoren, wird Mobilität erst mal teurer – und überhaupt hat alles, was nachhaltig hergestellt wird, nun mal einen höheren Preis, da aufwendiger herzustellen, allen voran die täglich benötigten Lebensmittel.

Aber im Gegenzug würde endlich nachhaltig und zukunftsicher gehandelt, die Umwelt würde ganz klare große Vorteile daraus ziehen. Und wenn man die Grundsicherung entsprechend anpasste, was dann wohl auch erforderlich ist, könnte darüber ein Ausgleich bei den Ärmeren geschaffen werden.

Daher sind Verbote – auch solange eine große Mehrheit der Wähler Ungleichheit begrüßt und weiter unterstützt – immer noch der bessere Weg, denn dann muss auf jeden Fall umgedacht und reagiert werden. Solange man es nur über den Preis regeln will, zahlen die Ärmeren nur drauf, und es wird sich trotzdem weiterhin nicht viel ändern.

Selbst Tabak, der nun definitiv Ursache für unzählige Krankheiten ist, wird trotz immenser Kosten durch Steuern weiter kräftig in allen Bevölkerungsschichten geraucht, und auch immer weiter steigende Benzinpreise haben bis heute noch viel zu wenige zum Busfahren verleitet, in ländlichen Gebieten ist das logistisch oft nicht mal möglich.

Die beste Lösung wäre natürlich eine umfassende ökologisch-soziale Politikwende: eine gerechte Umverteilung, gepaart mit Umweltschutz und einem intensiven Vorgehen gegen den Klimawandel, der Verzicht auf sinnlosen Konsum und die Fokussierung auf Qualität statt Quantität.

Das alles bleibt vorerst ein naiver Traum, denn die Mehrheit der Menschen will es – trotz (Plastik-)Müllbergen, Artensterben, spürbaren Klimaveränderungen, Gentrifizierung, Hartz IV, Altersarmut, dem Millionengehälter von Managern und Milliardenvermögen von Konzernbesitzern und Aktionären gegenüberstehen – nicht anders.

Es ist und bleibt irgendwie bitter.

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Markus

Jahrgang 1967, Informatiker, pflegt und entwickelt 3-D-CAD-Software in einem kleinen Unternehmen. Träumt von einer progressiven, sozial gerechten und ökologischen Gesellschaft und verzweifelt manchmal an der Frage, warum die meisten Menschen das nicht auch wollen.

2 Gedanken zu „Preiserhöhungen oder Verbote?“

  1. Ein kleines Geschehen hat mir heute vor Augen geführt, wie wichtig Verbote sind, denn „die Nachfrage“ oder „der Markt“ regeln überhaupt nichts.

    Ich benutze seit Jahrzehnten Deosprays mit Pumpzerstäuber aus Glasflaschen, da mir schon in den 1980ern klar war: Treibgas ist kacke.

    Nun wird es allerdings zunehmend schwer, so was zu bekommen, wie ich heute feststellen musste, als man mir in der Parfümerie meines Vertrauens mitteilte, dass es so gut wie keine Deos in diesem Format mehr gäbe, da die Leute halt vor allem solche mit Gas haben wollten. Da ist nicht nur das Treibgas schädlich, auch die Metallhülsen dürften schwerer zu recyceln sein als die Glasbehälter.

    Das sind keine neuen Erkenntnisse, die aber leider keine praktische Wirkung entfalten, sodass nach wie vor (oder vielleicht auch verstärkt wieder) Treibgas-Deos gekauft werden.

    Und da frage ich mich dann schon, was es denn richten soll, wenn nicht Verbote?

  2. „I had a dream!“
    Langfristig ist es sicherlich möglich mit Bildung anstatt der schulischen Konditionierung dahin zu kommen, dass die Menschen eigenständiger und nachhaltiger wirtschaften und vielleicht auch akzeptieren, dass sie nicht versuchen müssen sich einem medial vermittelten Ideal anzupassen, dass man mit Konsumgütern wie Smartphone, Modemarken und Körperkult zu erreichen versucht. Aber das wird Generationen brauchen, selbst wenn wir heute unsere Bildungseinrichtungen in ein System überführen würden, das dem Namen gerecht würde.
    Ansonsten sehe ich leider auch, dass auch die junge Generation an alten Bildern und Idolen festhalten möchte und die Entscheider:innen eher höherem Alters sind, so dass von deren Seite wenig Neues zu erwarten ist (mal ganz von dem scheinbaren Drang abgesehen, die eigenen Schäfchen ist Trockene zu bringen, wie man leider all zu häufig bei der Verstrickung Politik-Wirtschaft beobachten muss).
    Wie Kalli schon einmal anführte, waren es Verbote, die Treibhausgase wegen des Ozonlochs oder Katalysatoren wegen des sauren Regens reglementierten und so zu einer nachhaltigen Verbesserung geführt haben. Also her mit den Verboten und auf jeden Fall müssen wir an der Verteilung des Wohlstandes zwischen den Gesellschaftsschichten und den Ländern der dritten Welt arbeiten. Aber wie soll das ohne Blut vergießen gehen? Langsam. Sehr langsam.
    Gerade haben die Schweizer mit 60% in einer Volksabstimmung gegen eine Pestizid freie Landwirtschaft gestimmt. Wenn die breite Masse nicht mit spielt, dann sind wir die Minderheit und werden und weiter der Ausbeutungs- und Zerstörungsmaschine des Neoliberalismus beugen müssen. Zumindest so lange es noch Geld gibt ;)
    „I had a dream, but unfortunately it will stay as a dream!“

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