Interessantes aus KW 26/2021

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. Unser Bild von der Zukunft ändert sich stetig, weil einige Dinge eintreten oder weil sie als Utopie abgetan werden. Der 37-minütige Beitrag „Ist das Zukunft oder kann das weg?“ auf 3sat beleuchtet daher unsere alten Vorstellungen von der Zukunft und nimmt auch den Pessimismus unserer Tage damit unter die Lupe. Schon oft wurde ein Lobgesang auf den Untergang unserer Welt angestimmt, aber bisher ist noch keines der Szenarien eingetreten, auch wenn wir mit der Klimakatastrophe auf bestem Wege sind! Das Video steht auf dem YouTube-Kanal von Harald Welzer, auf dem sich auch viele weitere Videos finden, die zum Selbstdenken anregen. [Dirk]

2. Warum wird der linken Politik ein so schlechtes Zeugnis in Sachen Wirtschaftskompetenz zugeschrieben? Weil sie sich für das Soziale einsetzen? Warum scheint den Menschen das wirtschaftliche Handeln wichtiger als das soziale Handeln? Scheinbar denken die Menschen auch, wenn sie nicht links wählen, dann müssen sie auch nicht links handeln und können weiter ungebremst ihrem Konsum frönen. Maurice Höfgen ist wissenschaftlicher Mitarbeiter für Finanzpolitik im Bundestag und bietet auf seinem YouTube-Kanal neben dem 15-minütigen Beitrag zur Stärkung der linken Politik allerhand sehenswerte Videos zu seinem Blogthema „Geld für die Welt“. [Dirk]

3. Mal wieder was zum Thema Wirecard: In einem Artikel im Tagesspiegel wird beschrieben, wie sich die Mitglieder des Untersuchungsausschusses kritisch zum Umgang des Finanzministeriums von Olaf Scholz mit den zahlreichen Fehlern, die da von politischer Seite begangen wurden. Es gab viel zu wenig personelle Konsequenzen, gerade auf Ebene der Staatssekretäre, niemand will wirklich Verantwortung übernehmen, und Olaf Scholz schien seine kommende Kanzlerkandidatur ohnehin wichtiger gewesen zu sein als solch lästiges Alltagsgeschäft. Wobei ich mich wirklich frage, ob es sich dabei wirklich nur um Fehler handelt und nicht eher um zumindest ganz bewusstes Wegsehen … [Karl]

4. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) macht mal wieder auf unangenehme Weise von sich reden. Nicht nur, dass sein neues geplantes Versammlungsgesetz Grundrechte von Demonstranten massiv einschränken und Demonstrationen generell erschweren würde, nun wurde bei einer Demo gegen genau dieses Gesetz ein besonders harter Polizeieinsatz mit vielen Verletzten und einer stundenlangen Einkesselung gefahren, wie aus einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung hervorgeht. Da sieht man also schon mal, was uns dann unter einem Bundeskanzler Laschet zu erwarten hat – prost Mahlzeit! [Karl]

5. Es gibt Sachen, die sind so grotesk, dass man sie sich nicht ausdenken kann. Da werden Beim Frankfurter SEK der hessischen Polizei ist eine Chatgruppe aufgeflogen, in der 49 Polizisten rechtsextreme Inhalte ausgetauscht haben. Nun hat sich Polizeipräsident Stefan Müller, der das SEK danach wieder neu aufbauen soll, selbst vor anderen Polizisten rassistisch geäußert. Wie Christian Vooren in einem Kommentar auf Zeit Online treffend anmerkt, muss das nun nicht bedeuten, dass Müller gleich rechtsextrem ist. Allerdings scheint ihm jedwede Sensibilität für das Thema zu fehlen, und das ist dann schon wieder bezeichnend für die Polizei, wie ich finde. Besser kann man „strukturelles Problem“ eigentlich kaum darstellen. [Karl]

6. Die CDU zeigt mal wieder, wie Energiewende gerade nicht geht. Laut einem Artikel in der Frankfurter Rundschau werden in Cuxhaven Windräder stillgelegt, und stattdessen wird ein Holzkraftwerk gebaut, das Bäume, die teilweise sogar noch aus dem Baltikum und Skandinavien herangebracht werden, verfeuert. Kritik gibt es da von Umweltverbänden, aber der dafür verantwortliche CDU-Politiker Frank Berghorn hat geschickt die Bevölkerung umgangen und das Kraftwerk so geplant, dass es ganz knapp unter der Megawatt-Grenze liegt, ab der Einwände vorgebracht werden dürfen. Und der Typ nennt sich dann auch noch selbst der „grünste Schwarze im Landkreis Cuxhaven“. Au weia! [Karl]

7. In Äthiopien haben die Truppen der Zentralregierung ihren Rückzug aus der Provinz Tigray angetreten und eine einseitige Waffenruhe verkündet, wie ein Artikel in der taz berichtet. Unklar ist es jetzt, welche Auswirkungen das auf die Machtstrukturen im Lande hat, denn die Mischung aus unterschiedlichen Stämmen ist dort reichlich komplex und beinhaltet nach wie vor einiges an Sprengkraft. Das ist eben das Erbe des Kolonialismus, dass vor allem in Afrika willkürliche Grenzen gezogen wurde nach Gutdünken der europäischen Kolonialmächte, ohne dabei Rücksicht auf lange Zeit gewachsene Stammesstrukturen zu nehmen. [Karl]

8. Über eine interessante Wende im Fall Julian Assange berichtet eine Meldung in der jungen Welt: Einer der Hauptzeugen der Anklage, Sigurdur Ingi Thordarson, hat nun ausgesagt, dass er vom FBI Geld bekommen hätte und ihm Straffreiheit für seine eigenen Verbrechen (Missbrauch Minderjähriger und weitreichender Finanzbetrug) zugesagt worden wäre, wenn er Assange des gemeinsamen illegalen Eindringens in den Computer einer isländischen Bank beschuldigen würde – woraufhin sich Thordarson die Vorwürfe dann einfach komplett ausgedacht hat. Damit ist nun der Hauptanklagepunkt für eine Auslieferung Assanges zusammengebrochen – bleibt zu hoffen, dass dieses ganze unwürdige Verfahren nun bald zu einem Ende kommt. [Karl]

9. In einem Artikel in der Frankfurter Rundschau werden die Vorschläge, die der Bürgerrat Klima ausgearbeitet hat, vorgestellt. Bei diesem Gremium handelt es sich um 160 zufällig ausgewählte Personen, die repräsentativ für die Gesamtbevölkerung sein sollen und zwei Monate lang bei abendlichen und wochenendlichen Tagungen Ideen erörtert haben, welche politischen Maßnahmen notwendig seien, um das 1,5-Grad-Erderwärmungslimit noch einhalten zu können. Und das liest sich alles durchaus sehr vernünftig – woran man sieht, dass den Bürger mehr Weitsicht und Verantwortungsbewusstsein zuzutrauen ist als den Regierungsparteien. [Karl]

10. Von Amazon gibt es in einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung neue Schweinereien zu berichten: So hat der Konzern offensichtlich laut Zeugenaussagen seine Marktmacht ausgenutzt, um von Firmen, die mit Amazon kooperieren, Aktien zu Dumpingpreise zu bekommen und sich über sogenannte Berechtigungsscheine weitere günstige Aktienoptionen zu sichern. Wie dabei vorgegangen wurde, kann man wohl durchaus als Nötigung bezeichnen. Woran man sieht: Wenn Konzerne zu groß werden, dann schaffen sie sich eben ihre eigenen Regeln, die nichts mehr mit einem „freien Markt“ zu tun haben – eine dem Kapitalismus nun mal innewohnende Tendenz. Da hilft nur noch, bei Amazon nicht mehr einzukaufen und darauf zu hoffen, dass endlich die Politik diesem Treiben, beispielsweise durch Zerschlagung des Unternehmens, ein Ende setzt. [Karl]

11. Methan-Emissionen sind um ein Vielfaches klimaschädlicher als die von CO2. Und gerade beim immer als klimafreundliche Brückentechnologie bezeichneten Erdgas tritt ausgesprochen viel Methan in die Atmosphäre, was unterschiedliche Gründe hat. Dagegen soll auf EU-Ebene auch schon vorgegangen werden, allerdings sind Methan-Leckagen in Deutschland bei Erdgasanlagen bisher noch nicht berüchtigt worden. In einem Artikel auf der Website der Deutschen Umwelthilfe (DUH) wird nun geschildert, wie man diese Leckagen sichtbar gemacht und die Betreiber der Anlagen sowie die Politik zum Handeln aufgefordert hat – bisher allerdings ohne allzu großem Erfolg. Was zeigt: Eine wirklich Energiewende geht nur mit erneuerbaren Energien. [Karl]

12. Ein Entwurf des aktuelle Berichts des Weltklimarats (IPCC) ist an die Öffentlichkeit gelangt, und was dort steht, ist ziemlich ernüchternd, denn es wird dort erstmals die Möglichkeit des Aussterbens der Menschheit thematisiert. Auch die 23-jährige Klimaaktivistin Clara Polak ist hiervon reichlich schockiert und berichtet nun in einem Artikel für den Stern, warum es eigentlich ganz gut ist, dass ihr auf diese Weise nun die Hoffnung genommen wird. Ausgesprochen lesenswerte Gedanken einer jungen Frau, die mehr Weitsicht an den Tag legt als die meisten Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft. [Karl]

13. Passend zum vorherigen Hinweise: Im Westen der USA und Kanadas herrscht zurzeit extreme Hitze, der schon viele Menschen zum Opfer gefallen sind und die große Waldbrände verursacht hat. Solche extrem seltenen Wetterlagen häufen sich aufgrund des Klimawandels, wie in einem Artikel auf Spiegel Online berichtet wird. Und im Angesicht dieser immer offensichtlicheren Auswirkungen des Klimawandels macht NRW-Ministerpräsident und Kanzlerkandidat Armin Lascht mit seinen schwarz-gelben Regierungsspießgesellen was? Er halbiert mal eben per Gesetz die Windenergieerzeugung in seinem Bundesland um die Hälfte, wie Milan Nitzschke in einem Artikel auf Publikum schildert. Tolle Aussichten, falls dieser Typ Kanzler werden sollte … [Karl]

print

Kollektiv

Gemischte Beiträge mehrerer Autoren.

Schreibe einen Kommentar