Interessantes aus KW 27/2022

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. In den USA geht der Bürgerkrieg von Waffennarren gegen Unbewaffnete nach wie vor weiter, wie ein Artikel im Stern berichtet. Diesmal ist der Schauplatz ein Vorort von Chicago, wo vom Dach eines Gebäudes wahllos in die Menschenmenge eines Feiertagsumzugs geschossen wurde und dabei sechs Personen getötet und etliche weitere verletzt wurden. Wie gut, dass der Supreme Court (das oberste Gericht der USA) gerade ein mehr als 100 Jahre altes Gesetz gekippt hat, wonach man einen triftigen Grund brauchte, im in der Öffentlichkeit verdeckt eine Waffe zu tragen. Da werden dann also zukünftig noch mehr Tote zu beklagen sein. [Karl]

2. Tilo Jung von Jung & Naiv hat ein Interview mit Andrij Melnyk geführt, und dabei ist vor allem interessant, was der ukrainische Botschafter in Deutschland, der ja immer wieder mit markigen Pöbeleien aufgefallen ist, zum Thema Stepan Bandera zu sagen hat (so ab 1:43:30 in etwa). Nicht nur, dass Melnyk den Nazi-Kollaborateur, dessen Organisation am Mord von Hunderttausenden Juden und polnischen Zivilisten beteiligt war, verehrt, er streitet auch noch all diese historisch belegten Verbrechen vehement ab (besonders Hardcore so ab etwa 1:55 bis 1:58). Wer danach immer noch meint, ein Land, was so einen Typen zum Botschafter ernennt, habe kein Problem mit Rechtsextremismus und Faschismus, sollte sein Ansicht vielleicht mal deutlich hinterfragen. [Karl]

3. In Oberhausen gab es einen Anschlag mit einem selbst gebastelten Sprengsatz auf das Parteibüro der Linken, wie aus einem Artikel von RP Online hervorgeht. Zum Glück sind dabei keine Menschen zu Schaden gekommen, allerdings wurden auch ein Friseursalon und ein Reisebüro in der Nachbarschaft beschädigt. Da das Büro schon in der Vergangenheit öfter Drohbriefe erhalten hat und mit Neonazi-Aufklebern „verziert“ wurde, liegt die Vermutung eines politischen Hintergrundes nahe – wenngleich die Polizei nun erst mal „in alle Richtungen“ ermitteln will. Aber die tut sich ja eh oftmals etwas schwer mit Rechtsterrorismus … [Karl]

4. Wohnen wird immer teurer, und so bleibt einigen Menschen nichts anderes übrig, als auf einen Campingplatz zu ziehen und dort im Wohnwagen oder Wohnmobil zu leben. Das ist zwar eigentlich nicht egal, wird aber auf einigen Plätzen geduldet. In einer halbstündigen Reportage auf Deutschlandfunk Kultur (liegt auch in transkribierter Form vor) gibt Lena Gilhaus einen Einblick in die Welt der mal freiwilligen, mal unfreiwilligen Dauercamper, indem die Lebensschicksale von verschiedenen Personen geschildert werden. [Karl]

5. Der bekannte US-amerikanische Ökonom Jeffrey D. Sachs schildert in einem Gastbeitrag in der Berliner Zeitung die Rolle der neokonservativen Bewegung (Neocons) beim Krieg in der Ukraine. Diese Leute waren nämlich schon für einige Kriege in den letzten drei Jahrzehnten verantwortlich, und Sachs zeigt auf, wie eben auch der Krieg in der Ukraine zum Neocon-Projekt der US-amerikanischen globalen Hegemonie gehört, was vor allem dadurch umgesetzt werden konnte, da immer wieder dieselben Personen in unterschiedlichen US-Regierungen entscheidende Positionen bekleiden. Das relativiert nicht den russischen Angriffskrieg, zeigt aber, dass es in den USA einflussreiche Kreise gibt, die kein Interesse daran haben, dass schnellstmöglich Frieden in der Ukraine geschlossen wird. [Karl]

6. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock zeigt mal wieder, dass sie zwar stets um schöne Worte nicht verlegen ist, es dann aber mit dem Handeln nicht so richtig klappt. So auch bei einer feministischen Außenpolitik, die vor allem in Afghanistan aktuell gefordert wäre. Silke Mertins kritisiert in einem Kommentar in der taz zu Recht, dass außer Worthülsen und emotionalisierten Aussagen da bisher nichts Greifbares vom Auswärtigen Amt gekommen ist. Dabei gäbe es ganz konkrete Möglichkeiten, dort vor Ort zu helfen – man müsste es nur wollen. [Karl]

7. Der Terrorprozess gegen den rechtsextreme Bundeswehroffizier Franco A. ging gerade zu Ende, und aus diesem Anlass hat Sebastian Erb in einem Artikel in der taz das ganze Geschehen, um das es dabei geht, noch einmal zusammengefasst und rekapituliert. Das Bild, das man danach von Franco A. bekommt, ist recht verstörend, geprägt von offenen rechtsradikalen und antisemitischen Ansichten sowie von komplett irren Verschwörungsmythen. Zudem bleiben einige interessante Fragen offen, die Erb am Ende des Artikels aufführt. [Karl]

8. Aus der Reihe „Doktor Whatson“ präsentiert Spektrum.de ein circa achteinhalbminütiges Video zum Thema Energiespeicherung. Da immer mehr Energie mit erneuerbaren Energiequellen erzeugt wird, diese aber nicht konstant zur Verfügung stehen (beispielsweise bei Windstille oder Dunkelheit), ist die Speicherung der erzeugten Energie, um sie zu einem späteren Zeitpunkt abrufen zu können, ein wichtiger Baustein beim Umbau unserer Energieversorgung. In dem Video werden daher die aktuellen Möglichkeiten vorgestellt und es wird ein Ausblick darauf gegeben, welche technischen Lösungen hier in Kürze Serienreife erlangen könnten. [Karl]

9. Die in den letzten Monaten stark gestiegenen Lebensmittel- und Energiekosten sorgen zurzeit dafür, dass immer mehr inhabergeführte Bioläden existenzielle Probleme bekommen, wie aus einem Artikel in der taz hervorgeht. Viele Stammkunden können sich nämlich einen Großeinkauf in solchen Geschäften nicht mehr leisten, kaufen dann eher beim Discounter ein und holen sich nur vereinzelte Produkte aus dem kleinen Bioladen um die Ecke. Eine fatale Entwicklung, denn gerade solche Betriebe, die lokale und nachhaltige Produkte anbieten, sind extrem wichtig, wie ich finde. [Karl]

10. Der Wirtschaftswissenschaftler Heinz-J. Bontrup fordert in einem Artikel auf den NachDenkSeiten den Rücktritt von Bundesfinanzminister Christian Lindner. Dies begründet er damit, dass Lindner einen finanzpolitischen Kurs fährt, der in der Vergangenheit schon massiven Schaden angerichtet hat und vor dem auch profilierte Ökonomen eindringlich gewarnt haben. Allerdings wird ein neoliberale Hardliner wie Lindner sich nicht von Fachkompetenz und Tatsachen überzeugen lassen, sodass ein Rücktritt in der Tat am sinnvollsten erscheint, bevor diese ökonomische Null in den aktuelle krisenhaften Zeiten noch mehr Schaden anrichten kann. [Karl]

11. Christoph Jehle beschreibt in einem Artikel auf Telepolis, wie die derzeitige Energiekrise bei einem weiteren absehbaren Absteigen der Energiekosten entweder zu staatlichen Bürgschaften (und damit Aufwendungen aus Steuermitteln) oder zu einem Systemkollaps führen könnte. Und das sind beides sehr realistische Szenarien, denn die deutsche Wirtschaft ist nun mal in hohem Maße abhängig von günstiger Energie, genauso wie öffentliche Dienstleistungen darauf angewiesen sind. Und das bei eine ökonomisch komplett inkompetenten und betonköpfigen Bundesregierung – na, dann mal prost Mahlzeit! [Karl]

12. Die Lage in Deutschland ist ein Skandal, meint Florian Harms in einem Kommentar auf t-online. Und das ist durchaus nachvollziehbar, denn einerseits leben immer mehr Menschen in Armut, andererseits wird die Klimakatastrophe weitestgehend verdrängt und so weitergemacht wie immer. Die Krisen folgen in immer kürzeren Abständen aufeinander, und statt langfristige Lösungen zu präsentieren, wird nur im Rahmen des bisherigen schädlichen Wirtschaftens ein wenig vonseiten der Politik an den Symptomen rumgedoktert, ohne dass den Bürgern der Ernst der Lage klargemacht und mal Tacheles geredet wird von denjenigen, die dafür eigentlich die Autorität haben sollten. Schön, dass es mal jemand so deutlich ausspricht! [Karl]

13. In der Mediathek von arte findet sich zurzeit eine Dokumentation über die Radikalisierung von Jugendliche der Gaming-Szene: „Liken.Hassen.Töten“. In einem achtminütigen Beitrag von Deutschlandfunk Kultur (liegt auch in transkribierter Form vor) wird einer der beiden Filmemacher zu seinen Erfahrungen und den Hintergründen bei der Entstehung der Doku befragt, und das hört sich durchaus recht besorgniserregend an, zumal die Behörden offensichtlich nicht so ganz hinterherkommen, dieser Gefahr adäquat zu begegnen. Macht in jedem Fall Appetit darauf, sich die ganze Doku mal anzuschauen! [Karl]

14. Nordkreuz ist der Name eines rechten Netzwerkes aus Polizisten und Bundeswehrsoldaten, dessen Mitglieder Waffen und Munition gehortet, Todeslisten mit den Namen linker Politiker und Aktivisten erstellt sowie sich konkret auf das Losschlagen an einem „Tag X“ vorbereitet haben. Alles kein Grund, das Ganze als Terrororganisation anzusehen, sodass es nun bei einigen Prozessen gegen Nordkreuz-Mitglieder lediglich eine Bewährungsstrafe gab, wie Jeja Klein in einem Kommentar im neuen deutschland kritisch feststellt. Die deutsche Justiz ist mal wieder blind auf dem rechten Auge – und das in krisenhaften Zeiten, wie wir sie aktuell erleben, die so einen „Tag X“ mit größeren Unruhen gar nicht mehr so unwahrscheinlich erscheinen lassen. [Karl]

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Gemischte Beiträge mehrerer Autoren.

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