Blockupy, Frankfurt a. M., 18. 3. 2015

Irgendwie erinnert mich das, was ich da so von der gestrigen Blockupy-Demo in Frankfurt mitbekommen habe, spontan ganz gewaltig an die Vorgänge hier in Hamburg vor gut einem Jahr bei der Eskalation der Rote-Flora-Demo, und als ich meinen Artikel hier auf unterströmt dazu noch mal durchgelesen habe, hatte ich das Gefühl, dass man die orts- und anlassspezifischen Begriffe nur austauschen müsste, und dann würde das schon weitgehend passen.

Die Parallelen liegen auf der Hand: Eine Menge politisch links zu verortender Menschen will gegen Missstände, die für viele Leute mittlerweile deutlich erkennbar sind, demonstrieren. Im Vorfeld wird über starke Polizeipräsenz und befürchtete Ausschreitungen in den Medien berichtet, und dann knallt es auch tatsächlich, und zwar derart, dass die eigentlichen Anliegen, warum da überhaupt demonstriert wurde, nahezu komplett aus der medialen Betrachtung verschwinden und nur noch die Krawalle Thema sind.

Dass hiermit dem Anliegen der meisten Demonstranten vonseiten der Randalierer ein kompletter Bärendienst erwiesen wurde, liegt auf der Hand, da zum einen der Fokus auf die Krawalle gelenkt wurde und zum anderen natürlich als Folge dessen viele Menschen sich abgestoßen fühlen: Mit Typen, die Autos anzünden und Steine schmeißen, wollen eben nur wenige was zu tun haben. Dass die meisten der Demonstranten selbst auf die Ausschreitungen überhaupt keinen Bock haben, wird deutlich, wenn man sich deren Statements anschaut, so zum Beispiel das von Katja Kipping auf ihrer Facebook-Seite. Auch jemand wie Rayk Anders weiß da durchaus zu differenzieren, wenn er die Gewalttäter in einem Video deutlich kritisiert. Aber bei allzu vielen wird nur hängen bleiben: Boah, die Linken sind ja eh nur auf Krawall aus …

Natürlich war aufgrund der Vorkommnisse bei der letzten Blockupy-Demo in Frankfurt, als die Polizei jenseits von jedem rechtsstaatlichen Handeln agierte, die Stimmung aufgeheizt, zudem forciert martialisches Auftreten (und das war bei der Polizei gestern zweifelsohne vorhanden) eben auch auf der anderen Seite Aggressionen, aber das alles rechtfertigt es m. E. nicht, da nun ebenfalls mit Gewalt zu reagieren. Zudem ist es wohl auch zu einfach, in derartigen Dingen die Ursache für Randale zu sehen, denn jeder, der einen Stein in die Hand nimmt und wirft oder ein Auto anzündet, ist auch zunächst mal selbst für seine Handlung verantwortlich.

Und auch wenn Jakob Augstein in seiner Kolumne auf Spiegel online durchaus nachvollziehbar eine Rechtfertigung für die gestrige Gewalt in Frankfurt findet als Reaktion auf eine gewalttätige Politik, so stimme ich mit ihm doch in zentralen Punkten nicht überein: Zum einen sehe ich die Gewalttäter überwiegend (ohne vor Ort zu sein, aber die entsprechende Klientel, die ich hier in Hamburg bei der oben schon erwähnten Rote-Flora-Demo selbst gesehen habe, dürfte da nun auch gestern reichlich vertreten gewesen sein) nicht in einem politisch interessierten Kontext, sondern als sogenannte Gewalttouristen, denen es in erster Linie um ein Action-Erlebnis gegen die Polizei geht. Das würde dann zumindest auch erklären, warum diesen Leuten egal ist, wie sehr sie durch ihr Verhalten das, was die anderen Demonstrationsteilnehmer an Inhalten rüberbringen wollen, komplett beschädigen. Zum anderen führt eben m. E. die gewalttätige Eskalation eben nicht dazu, Inhalten mehr Nachdruck zu verleihen, sondern bewirkt eher eine Entsolidarisierung. Aufmerksamkeit kann man heutzutage im digital vernetzten Zeitalter wahrlich auf andere Art und Weise generieren, als dass es auf der Straße knallen muss.

Insofern fürchte ich, dass wir es hier mit einer neuen Demonstrationskultur zu tun haben: Wenn eine große Demo zu brisanten Themen angekündigt ist, dann muss man im Vorfeld nur ordentlich polizeiliches Säbelrasseln verlautbaren lassen, dann werden sich auch schon genügend (nützliche) Idioten finden, die genau darauf anspringen. Resultat: Randale, Krawalle – und damit eine Diskreditierung der Inhalte der Demonstration. Schön fürs Establishment, das auf diese Weise nur noch zusehen muss, wie Kritik, wenn sie denn in größerem Rahmen geäußert wird, schnell ad acta gelegt werden kann und so überhaupt nicht bei der Mehrzahl der Medienkonsumenten ankommt, da diese ausschließlich mit der Empörung über die zutage tretende Gewalt beschäftigt ist. Und dass dieser Effekt auch ganz sicher eintritt, dafür sorgen dann eben auch unsere Medien, wie in einem Artikel auf den Nachdenkseiten beschrieben wird.

Wie schon einleitend gesagt: Im Prinzip nur wenig Neues im Vergleich zur Rote-Flora-Demo, allerdings sollte einem zu denken geben, dass diese Eskalation nun kein einmaliges Ereignis mehr ist, sondern sich zu einer Regelmäßigkeit zu entwickeln scheint.

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

One thought to “Blockupy, Frankfurt a. M., 18. 3. 2015”

  1. In einem Artikel auf Spiegel online wird berichtet, dass auch Rechtsextremisten bei der Blockupy-Demo dabei gewesen sein sollen und dass es wohl zu Scharmützeln zwischen diesen und linken Demonstrationsteilnehmern kam. Sollte sich das tatsächlich bewahrheite und den Rechtsextremisten eine Beteiligung an den Gewalttätigkeiten nachgewiesen werden können, dann würde das natürlich noch mal ein ganz anderes Licht auf die Ereignisse werfen.

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