Bent Knee: Shiny Eyed Babies

Bent Knee kommen aus Boston, wo sich die Gruppe 2009 am renommierten Berklee College of Music zusammenfand und gründete. Nun ist in diesem Jahr das dritte Album erschienen, und das hat es wahrlich in sich, denn die Band vermischt hier auf virtuose Art und Weise verschiedenste Stile und Genres zu einer sehr eigenen musikalischen Melange, verliert dabei aber nie einen gewissen Pop-Appeal aus den Augen. Großartig, das ist Rockmusik fürs 21. Jahrhundert.

Dabei geht es zunächst erst mal recht betulich los, denn der das Album einleitende kurze Titeltrack klingt eher nach recht gewöhnlichem Softjazz, zwar mit schöner weiblicher Gesangsstimme zu spartanischer Klavierbegleitung, aber eben noch nichts Aufregendes. Aber dann geht’s los, denn schon im zweiten Song Way Too Long fliegen dem Hörer die Wendungen und verschiedensten Stilmittel nur so um die Ohren – unglaublich, was man in fünf Minuten so alles unterbringen kann: Über stoische Drums legen sich fette Gitarren und ein paar verhallte Schreie, danach geht’s dann spartanischer und mit Elektronik weiter, nach rhythmischen Eskapaden folgt dann ein Neuaufbau über eine Orgelfläche, die Gitarre und das Schlagzeug drehen ein bisschen durch, und eine Violine wuselt auch noch dazwischen herum. Dazu dann der kapriziöse Gesang von Chanteuse Courtney Swain, der vom Ausdruck an Björk, von der Klangfarbe eher an Rose Kemp erinnert. Klingt anstrengend? Nun, ein bisschen stimmt das schon, der Hörer sollte eine gewisse stilübergreifende Aufgeschlossenheit mitbringen, aber es macht vor allem mächtig viel Spaß!

Der dritte Song Dry beginnt dann mit leicht angezerrten Gitarren mit Westernflair, die sich auch in einem Tarantino-Film gut machen würden, nimmt dann mit Einsetzen von Bass, Drums und Gesang einen erst mal eher lasziven Verlauf. Wenn man sich gerade ein wenig in der Wüstenlounge eingerichtet hat, geht es nach knapp zwei Minuten etwas mehr zur Sache und schwingt sich, nicht ohne den einen oder anderen Ruhepunkt einzulegen, in ekstatische Höhen, dann auch irgendwann mit Saxofon.

So geht es im Grunde mit jedem Song weiter, als kleine Ruhepausen fungieren die beiden Miniaturen Untitled und Democratic Chorale, richtig die Post ab geht dann noch mal beim Cover von Sunshine, bei der man das Original nicht auf Anhieb heraushört (was ja m. E. gute und interessante Coverversionen auch auszeichnet). Jeder der zwischen fünf und siebeneinhalb Minuten langen Songs sprüht nur so vor Spielfreude und bietet nicht unbedingt vorhersehbare Wendungen.

Dass die Bandmitglieder allesamt Musikstudenten sind, hört man dem Album schon an, dabei wirken die Songs allerdings nicht verkopft, sondern in sich stimmig und trotz allen Ideenreichtums auch abgeschlossen und nicht zusammengestückelt – und vor allem gelingen Bent Knee immer wieder tolle Melodien, die dann auch für baldigen Wiedererkennungswert der Stücke sorgen.

Wie soll man diese Musik bezeichnen? Indie? Schon irgendwie, allerdings finden sich auch immer wieder jazzige (weniger von den Harmonien, sondern von der Experimentierfreudigkeit her), trippige, rockige, auch poppige und was weiß ich noch für Elemente darin. Am besten einfach mal reinhören, auf Bandcamp kann man das komplette Album testen und dort auch als Download (10 $) oder als CD (15 $ + Porto) ordern, denn über den „normalen“ Handel kommt man eher schwierig an dieses Juwel heran.

print

Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

Ein Gedanke zu „Bent Knee: Shiny Eyed Babies“

  1. Einen Leserbrief mit einem Tipp für eine weitere Bezugsquelle kam hierzu von Hauke Suwe:

    Sehr abwechslungsreiche Musik, hört sich sehr interessant an und hat mir spontan ganz gut gefallen. Doch mit alleine 7$ für Porto war mir das dann doch zu teuer. Habe die CD dann unter http://www.cdbaby.com gefunden und bestellt…12.01$ incl. Porto.

Schreibe einen Kommentar