Die Guten und die Bösen

Der russische KGB-Präsident, der amerikanische Pussygrabber-Präsident oder der nordkoreanische Raketenmann, der terroristische Moslem und der kolonialistisch-kapitalistische Christ, Minister von SPD oder CDU: Irgendwie glauben wir, meistens Partei ergreifen zu müssen und die Welt in „gut“ und „böse“ zu unterteilen. Vor knapp zwei Jahren hatte ich mal einen Beitrag zur Polarisierung hier veröffentlicht, und seitdem hat sich einiges getan … außer bei der Polarisierung.

Ich fange einfach mal ganz oben an: Egal, aus welchem Land ein Staatschef kommt, in fast allen Fällen kann man davon ausgehen, dass jemand nicht Staatschef wird, wenn er nicht an die Macht möchte und noch wichtiger: die Macht ihn oder sie möchte! Gleiches gilt natürlich für die Geschäftsführer transnationaler Großkonzerne. Je weiter wir dann dieser Hierarchie nach unten folgen, desto eher treffen wir auf Menschen, die noch ein inhaltliches Interesse an dem haben, was sie tun. Und leider ist es nach meiner Erfahrung auch anders herum: Je höher Menschen in der Machthierarchie kommen, desto mehr passen sie sich den strukturellen Gegebenheiten an.

Und in den Medien wird das Gut und Böse natürlich auch nicht neutral gehalten: Da ist der gewählte Präsident eines Landes der „Machthaber“ und die Terroristen sind „Rebellen“ oder noch besser „Freiheitskämpfer“ (ich hatte das in Bezug auf Iran bereits hier mal beschrieben). Und weil es so viel einfacher ist, ein Thema nicht weiter zu durchdenken, wird eben eine Seite zur guten und eine zur bösen erklärt. Im Mittagsmagazin (ARD) lief ein Bericht dazu (Minute 14 bis 23), leider kann man dort keine Startzeit zum Beitrag verlinken. Oder wie es Wiebke Porombka vor drei Jahren auf ZEIT ONLINE schrieb: „Einfach mal die Fresse halten“, wenn man sich nicht die Mühe machen möchte, sich umfassend zu informieren.

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Dirk

Jahrgang 1974, in erster Linie Teil dieser Welt und bewusst nicht fragmentiert und kategorisiert in Hamburger, Deutscher, Mann oder gar Mensch. Als selbstständiger IT-Dienstleister (Rechen-Leistung) immer an dem Inhalt und der Struktur von Informationen interessiert und leidenschaftlich gerne Spiegel für sich selbst und andere (als Vater von drei Kindern kommt dies auch familiär häufig zum Einsatz). Seit vielen Jahren überzeugter Vegetarier und trotzdem der Meinung: „Alles hat zwei Seiten, auch die Wurst hat zwei!“

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