Milliardenhilfe für die Landwirtschaft im Norden und Osten Deutschlands?

Natürlich ist es jetzt leicht zu fordern, dass die Landwirtschaft im Norden nur Hilfe bekommen sollte, wenn sie ihre Produktion umstellt, am liebsten auf Bio, wie grünlibertäre Kreise dies meist wünschen und für richtig halten. Es klingt ja auch so schön logisch, wenn man nur bereit ist, die Landwirte allein verantwortlich machen zu wollen. Natürlich kann man hier auch marktliberal argumentieren, wie die SPD derzeit wohl argumentiert, und das unternehmerische Risiko der Landwirte betonen. Nur so einfach es sich zu machen zeigt nur das Unverständnis derer auf, die so argumentieren, insbesondere ihr gesellschaftliches, nicht nur ihr ökonomisches.

Was würde geschehen, bliebe die Hilfe aus, würde sie nur dann fließen, wenn die Produktion umgestellt würde?

Würde sie ganz ausbleiben, so würden viele landwirtschaftliche Betriebe insolvent gehen, noch mehr in eine weitere Abhängigkeit der Kreditinstitute geraten. Beides würde das ländliche Leben noch unattraktiver machen, gerade die finanzschwachen Kommunen treffen, die Bodenkonzentration sogar noch erhöhen, wie die Bodenpreise in Nordosten Deutschlands zeigen, die jetzt schon so hoch sind, dass sich dort kleinere Betriebe immer mehr unter Druck sehen, das ländliche Profil durch die Agrarriesen dort oft schon verloren gegangen ist. Die Agrarindustrie, oft über Hedgefonds und Kapitalgesellschaften organisiert, wären nämlich die Profiteure, weniger Bio am Ende sogar die Folge.

Würde sie nur dann kommen, wenn die Produktion sich veränderte, wären die Folgen ähnlich. Was soll der Landwirt denn anderes anbauen als das, wofür er eine Nachfrage sieht? Wie soll er die notwendigen Investitionen stemmen, gerade dann, wenn sich die vorherigen noch gar nicht amortisiert haben? Mit ein wenig gesunden Menschenverstand scheidet also auch diese Lösung aus.

Natürlich muss sich etwas ändern, kann dies nicht auf Dauer so weitergehen, aber die in Konkurs nun gehen zu lassen, welche die Expertise haben, sich anzupassen, die für enorme wirtschaftliche Bedeutung für die nicht industrialisierten Regionen sind, kann ich beim besten Willen nicht als sinnvoll erkennen. Sie gar als Schuldigen für die Klimaerwärmung allein zu benennen – wir alle haben daran Anteil -, verbietet sich sogar. Im Gegenteil sind sie doch, wie wir alle, Opfer und Täter zugleich, haben Hilfe ebenso verdient wie die, die sie immer wieder genießen können, die eigentlich schuld sind in meinen Augen, die Finanzmärkte, genauer gesagt die Institute der Finanzmärkte, die, weil sie alles nur noch unter Renditegesichtspunkten betrachten können und müssen, ihnen Natur und Mensch egal sind und auch sein müssen, uns alle dazu zwingen, seit Langem dazu gezwungen haben, auch die Landwirte.

Der Landwirtschaft muss geholfen werden, jetzt mit Milliarden und noch wichtiger zukünftig mit Anpassungshilfen. Meines Erachtens macht dies aber mehr Plan und weniger Markt notwendig, etwas, das uns nach dem zweiten großen Krieg in Europa gut geholfen hat, den Hunger zu bekämpfen, die Grundlagen damit des Wohlstandes hier erst zu legen. Kooperation statt Wettbewerb wird nicht nur hier immer wichtiger werden, wollen wir nachhaltiger den Herausforderungen begegnen. Eine Bestrafung der norddeutschen Landwirte lehne ich deshalb ab, denn nichts anderes wäre es, wenn nun diese Hilfe marktradikal verweigert würde.

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Heinz

Jahrgang 1958, am Leben interessiert, auch an dem anderer Menschen, von Rückschlägen geprägt. Nach diversen Tätigkeiten im Außendienst für mehrere Finanzdienstleister und zuletzt als Lehrkraft auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Ökonomie und Gesellschaft, den Kapitalismus in all seinen Formen zu verstehen und seit Jahren zu erklären ist meine Motivation. Denn ich glaube, nur wer versteht, wird auch Mittel finden, die Welt zu einer besseren Welt zu machen. Leid und Elend haben ihre Ursache im Unverständnis.

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