Deutschland raus aus dem Euro – keine wirklich gute Idee …

Immer wieder stoße ich auf Aussagen in politischen Diskussionen, dass Deutschland doch die Eurozone verlassen solle, da es ja wirtschaftlich so gut dastünde und die EU als Klotz am Bein empfunden wird. Und genau diese Stimmung wird ja auch von der AfD immer wieder geschürt, schließlich wurde die Rechtspartei ja anfangs vor allem als euroskeptisch wahrgenommen. Dabei wird jedoch völlig außer Acht gelassen, was die Folgen eines solchen Austritts aus EU und Eurozone gerade für Deutschland wären, da eben die Zusammenhänge nicht hinreichend berücksichtigt werden, die zur derzeitigen wirtschaftlichen Gesamtsituation Deutschlands geführt haben.

Deutschland galt Anfang der 2000er-Jahre wirtschaftlich noch als „der kranke Mann Europas“. Daraufhin wurde dann mit der Agenda 2010 eine Konkurrenzpolitik gegenüber den anderen Ländern der Eurozone inszeniert (die übrigens letztendlich eine der Ursachen dafür ist, dass aus der Finanzkrise von 2008 eine EU-Wirtschaftskrise wurde), indem die deutschen Lohnstückkosten gedrückt wurden.

Das Resultat: Deutschland hat eine für seine Wirtschaftsleistung extrem unterbewertete Währung mit dem Euro, sodass der Exportsektor boomt (Stichwort Exportweltmeister, nur noch mal erwähnt). Die Binnennachfrage hingegen ist in Deutschland ziemlich miserabel, da eben der Niedriglohnsektor massiv ausgebaut, die Rente demontiert und Armut in Form von Hartz IV institutionalisiert wurde.

Würde Deutschland nun aus der Eurozone ausscheide, wäre dieses wirtschaftspolitische Modell, mit dem Deutschland (oder zumindest das, was man als „die Wirtschaft“ bezeichnet) am meisten von allen Ländern der Eurozone von der Gemeinschaftswährung profitiert hat, hinfällig, da die neue deutsche Währung rapide und deutlich aufwerten würde, sobald sie eingeführt wäre. Der Exportsektor würde also reichlich zusammenbrechen, da deutsche Produkte in anderen Ländern nicht mehr im Verhältnis günstiger wären als andere, und es gäbe keine ausreichende Binnennachfrage, um das zu kompensieren.

Die Folge: Die Arbeitslosigkeit würde stark ansteigen, was aufgrund der Agenda-2010-Sozialstaatsdemontage dann zu einer noch stärkeren Schwächung der Binnennachfrage führen würde, sodass eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt würde, die in einer massiven Rezession mündete.

Und genau dies sagen die diejenigen, die mal wieder „Raus aus dem Euro“-Stimmung machen, nicht, was natürlich einerseits typisch für Populisten, andererseits aber auch reichlich unlauter ist.

Solltet Ihr also mal wieder jemandem begegnen, der der Ansicht ist, dass Deutschland ohne EU und Eurozone besser dastünde, dann wäre es sinnvoll, denjenigen auf diese Zusammenhänge hinzuweisen.

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Er lebt seit vielen Jahren in Hamburg-St. Pauli. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak, hört den ganzen Tag Tonträger und treibt sich viel auf Konzerten rum. Außerdem geht er seit vielen Jahren zu den Spielen des FC St. Pauli.

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