Interessantes aus KW 45/2018

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. Interessante Sache! Der Hamburger Heiko von Tschischwitz, der schon vor viele Jahren den Ökostromanbieter Lichtblick gegründet hat, hat nun eine neue Idee, die eventuell den Strommarkt revolutionieren könnte, wie ein Artikel auf Spiegel Online berichtet. Dabei werden die Bürger selbst über eine Art Crowfunding Anteilseigner an der Stromerzeugung mit erneuerbaren Energien, der Stromanbieter selbst gibt der Strom zum Selbstkostenpreis weiter und verdient an anderen Dienstleistungen, beispielsweise an Beratung zum Energiesparen. Da darf man auf die Umsetzung und ob das funktioniert mehr als gespannt sein – ich drücke in jedem Fall die Daumen! [Karl]

2. Bananenrepublik USA! In einem vierminütigen Beitrag des Deutschlandfunks (liegt auch in transkribierter Form vor) geht es darum, wie bei den Wahlen zum Repräsentantenhaus vor allem vonseiten republikanischer Kandidaten und ihrer Gefolgsleute versucht wurde, Wählergruppen, die man mehrheitliche dem demokratischen Lager zuordnet, vom Wählen abzuhalten. Dabei wird mit juristischen Tricks gearbeitet oder auch schlichtweg gelogen – und ein Kandidat, der selbst als Wahlleiter fungierte, hielt sogar 53.000 Briefwählerstimmen einfach zurück. Und auf die in den USA verwendeten Wahlautomaten, die ja nun auch zum Betrug geradezu einladen (und die es vermutlich nur deshalb noch gibt), wird noch gar nicht mal eingegangen. [Karl]

3. Und noch mal ein Blick auf die USA und den dort herrschenden Despoten: Donald Trump hat bei einer Pressekonferenz, wie ein Artikel auf Spiegel Online berichtet, nicht nur einen Streit mit einem kritischen Journalisten angefangen, sondern dann auch noch in bester antidemokratischer Rechtsaußenmanier über die Presse im Allgemeinen gezetert. Dem Journalisten wurde daraufhin übrigens die Akkreditierung fürs Weiße Haus entzogen. Hoffentlich bekommen viele der schreibenden Zunft nun mit, wie es ihnen ergeht, wenn die von ihnen oft hochgeschriebenen Rechtspopulisten an der Macht sind. Bananenrepublik USA halt – hatten wir das nicht schon? [Karl]

4. Auf Zeit Online findet sich ein ausgesprochen lesenswerter Essay von Tobias Haberkorn, der sich mit dem Klimawandel beschäftigt. Darin benennt der Autor deutlich, dass es darum nicht um etwas geht, was irgendwann mal passiert, sondern dass der Klimawandel schon längt im Gange ist, nur eben von den Menschen im Norden, die ihn am allermeiste vorantreiben, noch nicht als konkretes Problem wahrgenommen wird. Dabei wären jetzt schon ausgesprochen drastische Maßnahmen notwendig, um unseren Planeten noch für Menschen bewohnbar zu halten, doch leider machen fast alle so weiter wie bisher. Keine guten Aussichten … [Karl]

5. Passend zum vorherigen Hinweis: ein knackiger und pointierter Artikel auf Der Kontaktexperte, der sich mit dem Phänomen der Wohlstandsdemenz beschäftigt. Noch nie gehört? Beim Lesen des Artikels werden einem die Symptome dieser ausgesprochen destruktiven Erkrankung schon recht bekannt vorkommen, und einige wird man auch bei sich selbst entdecken. [Karl]

6. In einem Interview auf Spiegel Online erläutert die Migrationsexpertin Naika Foroutan das Wahlverhalten von Menschen mit Migrationshintergrund bei der kürzlich stattgefundenen Landtagswahl in Hessen. Dabei kommen einige interessante Zusammenhänge ans Licht, zudem beleuchtet sie auch anschaulich die Heterogenität dieser gesellschaftlichen Gruppe und beschreibt deren unterschiedliche Wahlpräferenzen. Dass beispielsweise gerade bei den Migranten die AfD und FDP leicht überdurchschnittlich gut wegkommen, ist ja auf den ersten Blick erst mal recht überraschend. [Karl]

7. Der Schriftsteller David Wagner hat für Zeit Online eine sehr amüsante Reportage über die Eröffnung einer neuen Mall in Berlin geschrieben. Aus der Sicht eines recht naiven Beobachters geht er durch dieses neue „Konsum-Museum“ und lässt uns an seinen Gedanken teilhaben. So wird einem die Absurdität, die derartige Einkaufszentren im Grunde darstellen, ausgesprochen kurzweilig und deutlich vor Augen geführt. [Karl]

8. Auf der Website des rowohlt-Verlages findet sich eine Stellungnahme von Margarete Stokowski zur Absage einer Lesung, die in einer Münchner Buchhandlung stattfinden sollte. Dabei störte sie sich vor allem daran, dass in diesem Geschäft auch rechtsextreme Literatur verkauft wird, was sie als nicht kompatibel zu ihrer eigenen Einstellung betrachtet. Der in der Stellungnahme auch geschilderte daraus resultierende Austausch mit dem Betreiber der Buchhandlung ist zudem recht aufschlussreich, was den Umgang mit Rechtsextremisten in Deutschland angeht. Hut ab, Frau Stokowski, so geht Haltung! [Karl]

9. Und dann passt es ja auch gut, gleich noch mal auf die aktuelle Kolumne von Margarete Stokowski auf Spiegel Online hinzuweisen, in der sie sich mit dem Thema Diskrimierung beschäftigt. Und dabei feststellt, dass weiße Männer in unserer Gesellschaft grundsätzlich nicht diskriminiert werden (auch wenn BILD-Chef Julian Reichelt und andere rechte Jammerlappen immer genau das behaupten). Es liegt nämlich in den bei uns vorherrschenden Machtstrukturen begründet, dass weiße Männer zwar vereinzelt schlecht behandelt, aber niemals für ihr Weißsein und ihre Männlichkeit diskriminiert werden können. Wichtige Erkenntnis, die gar nicht deutlich genug ausgesprochen werden kann. [Karl]

10. Dass die AfD aufgrund von hetzerischen, fremdenfeindlichen und teilweise sogar nationalsozialistischen Äußerungen ihrer Mitglieder vom Verfassungsschutz beobachtet werden soll, ist ja schon länger in der Diskussion. Nun berichtet ein Artikel auf tagesschau.de, dass die Rechtspartei, um ihre bürgerlichen Wähler durch eine solche Beobachtung nicht zu verschrecken, ein Gutachten in Auftrag gegeben hat, aus dem dann Verhaltensregeln abgeleitet werden sollen. Das Gutachten selbst hingegen fällt allerdings ziemlich vernichtend aus und weist der AfD deutliche verfassungsfeindliche Tendenzen nach. Was für eine Überraschung! Aber wenigstens rumort es deswegen nun kräftig innerhalb der Partei. [Karl]

11. Der rechtsextreme Chef des Verfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen soll nun nach etlichen Fehltritten doch nicht ins Innenministerium versetzt, sondern pensioniert werden. Und daraufhin hat er nichts Besseres zu tun, als öffentlich richtig übel und dummdreist nachzutreten, indem er von linksradikalen Kräften in der SPD schwafelt, die ihn, den einzigen Kenner der Wahrheit, abservieren wollten. Sowohl Stefan Kuzmany in seiner Kolumne auf Spiegel Online als auch Kai Biermann in einem Kommentar auf Zeit Online nennen nun das Kind beim Namen, sprich Maaßen einen rechten Verschwörungstheoretiker auf Dolchstoßlegendenniveau. Leider werden auch derart pointierte und zutreffende Äußerungen nichts daran ändern, dass Maaßen weiter zu einer Ikone der Rechten aufsteigen wird. [Karl]

12. Ein Artikel auf der Website von ARD Wien berichtet, wie das österreichische Hetzblatt Die Krone (ein BILD-Pendant) mit völlig haltlosen Behauptungen Stimmung macht und Panik verbreitet vor angeblichen mit Messern bewaffneten Migranten, die sich im bosnisch-kroatishen Grenzgebiet zusammenrotten und Übles planen würden. Dass an einem gemutmaßten Grenzdurchbruchsversuch dieser vermeintlichen Marodeure nichts dran ist, ergibt sich, wenn man einfach mal, wie es eigentlich journalistischer Standard sein sollte, ein paar fundierte Informationen von kompetenten Quellen einholt. Wie armselig ist das rechte Pack doch, wenn es auf solche Antijournalisten wie die von der Krone angewiesen ist, die Lügenmärchen verbreiten müssen, um eine kranke Weltsicht weiter zu bestätigen und bei dummen Menschen Ängste zu schüren. [Karl]

13. Was man ja eigentlich schon seit Jahren bemerken musste, wurde nun auch durch das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) in seinem neuen Verteilungsbericht festgestellt, wie ein Artikel auf Zeit Online berichtet: Die Mittelschicht in Deutschland schrumpft, da es immer mehr Arme und immer mehr Reiche gibt. Bedenklich vor allem, dass sich die Verfestigung von Armut und Reichtum auch gesteigert haben: Mit eigener Leistung etwas zu erreichen wird also zunehmend schwieriger. Ein weiterer Beleg dafür, dass die Versprechen des Neoliberalismus mit der Realität nicht das Geringste zu tun haben. [Karl]

14. Frankreich fordert auf EU-Ebene eine Digitalsteuer, die vor allem dazu führen würde, dass großen Internetkonzerne ihre immensen Gewinne anständig versteuern müssten. Und wer ist beim Widerstand dagegen mal wieder ganz vorn dabei? Genau, Bundesfinanzminister Olaf Scholz, das Sinnbild des korrumpierten Sozialdemokraten, wie ein Artikel auf Netzpolitik.org berichtet. Als treuer Lakai der Wirtschaft stellt Scholz das Interesse deutscher Großunternehmen über das der Allgemeinheit, sodass diese wirklich sinnvolle Sache wohl nicht umgesetzt werden kann. Mehr noch als Andreas Nahles wird Scholz so zur hässlichen Fratze des SPD-Niedergangs. [Karl]

15. „Unser Planet ist ein Paradies für Arschlöcher.“ Das ist die drastische Schlussfolgerung, die Jakob Augstein in seiner Kolumne auf Spiegel Online zieht, in der er sich mit den Steuervermeidungspraktiken der Vermögenden dieser Welt beschäftigt. Diese führen nämlich nicht nur zu immer größerer Ungleichheit (und bergen damit immer größeren sozialen Sprengstoff), sondern sind überwiegend auch noch legal. Hier sind also die Gesetze das Problem, die dafür sorgen, dass Enthüllungen wie die Paradise Papers weitgehend wirkungslos verpuffen. Und da die Gesetze vor allem durch Korruption und Lobbyismus, die von den Reichen initiiert werden, entstehen, ist auch Augsteins Überschrift ein treffendes Schlagwort: „Zur Hölle mit den Reichen“. [Karl]

16. Erschreckende Ergebnisse liefert eine Studie der Universität Leipzig, über die ein Artikel auf Zeit Online berichtet: Eine immer größere Anzahl von Deutschen stimmt nationalistischen, nationalchauvinistischen, ausländerfeindlichen, antisemitischen, sozialdarwinistischen und diktatorischen Aussagen zu, etwa 40 Prozent könnten sich sogar vorstellen, in einem autoritären Staatssystem zu leben. Das sind die Früchte des Neoliberalismus, die nun aufgehen und solchen abscheulichen Resultate zeigen. [Karl]

17. Einen Einblick in die Weltanschauung der Trumpwähler bekommt man durch die 44-minütige Dokumentation „I love Trump – Warum die Amerikaner ihren Präsidenten lieben“ im Rahmen der ARD-Reihe Die Story. Sicherlich wieder nur eine Seite der Medaille, aber auch diese Seite ist eben Teil eines umfänglichen Bildes. Was man aber vor allem deutlich sieht: Die Menschen sind von Ängsten umtrieben, und die globale Politik setzt genau auf diese Ängste, um Menschen zu steuern und zu manipulieren, auch hierzulande. [Dirk]

18. Bereits im April diesen Jahres lief ebenfalls bei Die Story (ARD) ein ebenfalls 44-minütiger Bericht über die gezielte Leugnung des Klimawandels durch die Energiekonzerne. Neben der Enthüllung der eigens für die Energiekonzerne angefertigte Studie aus dem Jahr 1957, die bereits die Folgen durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe nennt, geht es auch um aktuelle Klagen gegen Exxon, Shell und Chevron. Auch wenn es langsam vorangeht: Der weltweite Widerstand gegen die Energiekonzerne und ihre rücksichtslose Ausbeutung der Natur kommen immer häufiger auf die Agenda. Und auch hier sollte der Finger wieder an die eigene Nase wandern: Was kann jeder von uns tun oder lassen, um das Klima zu schützen? [Dirk]

19. Die Argumentation der Claudia Perren (Direktorin des Veranstaltungsortes „Bauhaus“) zur Absage des Auftritts der Punkband „Feine Sahne Fischfilet“ ist desaströs: Man möchte der Rechten keine Bühne geben, um gegen den Auftritt zu demonstrieren. Hä? Also nicht mehr gegen etwas demonstrieren, weil die Gegenseite ja sonst ihre Meinung zum Protest äußern könnte? Ist es nicht das, was wir hier Demokratie nennen? Ein siebenminütiger Bericht bei ttt (ARD) beschäftigt sich mit der Argumentation, und ich sitze mit offenem Mund davor und wundere mich. [Dirk]

20. In dunkler Vergangenheit wurden freie Menschen in Afrika entführt und in Amerika als Sklaven verkauft. Heute machen das Fußballclubs betriebswirtschaftlich intelligenter: Laut einem siebenminütigen Bericht bei panorama (ARD) investiert Manchester City in Ghana in die Jugend, das ist auch gut so. Nur müssen die Spieler dann hinterher einen Vertrag bei Manchester City unterzeichnen und werden dann gewinnbringend an andere Clubs ausgeliehen. Erschreckend, wie auch im Sport der moderne Menschenhandel sich keine Mühe gibt, seine menschenverachtende und marktorientierte Haltung zu kaschieren. Es lebe der Markt … [Dirk]

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