Wagenknecht fordert Abschaffung des Euro – oder etwa doch nicht?

Die Europawahl steht an, und da muss ja nun dem Wähler gesagt werden, wen er auf keinen Fall zu wählen hat. Im Visier der neoliberal gleichgeschalteten Mainstream-Journaille: die Partie Die Linke, insbesondere in Person von Sahra Wagenknecht. Dabei wird dann allerdings alles andere als journalistisch sauber gearbeitet, aber so was ist man ja mittlerweile von Spiegel und Co. leider schon gewohnt.

So betitelt ebendieser Spiegel auch einen Artikel mit Linke vor Europaparteitag: Wagenknecht fordert Abschafftung des Euro. Interessant dann nur, dass im darauf folgenden Artikel dann davon gar nicht so richtig die Rede ist, sondern aus Wagenknechts Interview mit der Zeit dort zitiert wird:

So wie der Euro eingeführt wurde, funktioniert er nicht, sondern spaltet Europa …

Das ist ja nun ein bisschen was anderes, oder? Wenn ich auf die Defizite einer Sache aufmerksam mache, heißt das ja nun nicht, dass ich diese Sache komplett abschaffen möchte, sondern dass daran etwas verändert werden sollte. Aber die Aussage steht eben so erst mal in der Überschrift des Artikels, und damit erreicht sie schon viel mehr Menschen als der Rest des Textes – ein nicht ganz lauteres, aber leider mittlerweile oft praktiziertes journalistisches Vorgehen. Wagenknecht selbst geht dann in einem Interview mit der jungen Welt dahin gehend darauf ein, dass sie diese Meldung als typische Spiegel-Ente bezeichnet. Ein Hinweis darauf, wie sehr der Spiegel sich von dem entfernt hat, was ihn früher mal als linksliberales Blatt mit hohem journalistischen Anspruch ausgezeichnet hat. Dummerweise wird der Spiegel von vielen immer noch so wahrgenommen, obwohl diese Sichtweise schon länger nichts mehr mit der Realität zu tun hat.

In der Zeit legt Sven Giegold dann gleich noch mal nach in einem Artikel nach, in dem er die gleiche Unwahrheit, Wagenknecht wolle den Euro abschaffen und stehe damit auf einer Linie mit der rechten AfD, verbreitet. Nun scheint es für die Grünen, nachdem man sich in Hessen nicht zu schade war, erst für einen Politikwechsel zu trommeln und sich dann mit Volker Bouffier ins Koalitionsbett zu legen, anscheinend wichtig zu sein, den politischen Gegner, der links von der eigenen Partei steht, zu attackieren, um diesem vielleicht ein paar Wähler abspenstig machen zu können, da man selbst bei diesen Wählerschichten massiv an Glaubwürdigkeit verloren haben dürfte. Allerdings stellt sich die Frage, warum dafür die Zeit eine Plattform bietet. Zumindest scheinen wenigstens einige Leser dies zu durchschauen, was erkennbar wird an den Kommentaren zu dem Artikel, in dem Giegold genau der Populismus vorgeworfen wird, den er Der Linken im Vorspanntext vorhält, und auch im Blog Maskenfall findet Johannes Stremme eine gute Antwort auf Giegolds Artikel. Das Problem ist nur: Sowohl Maskenfall als auch die Leserkommentare auf der Webseite der Zeit oder die junge Welt erreichen ansatzweise eine so große Leserschaft wie Spiegel und Zeit.

Eine Unwahrheit steht also mal wieder im Raum, und die meisten Deutschen, die diese lesen, werden diese auch für bare Münze nehmen und sich nicht die Mühe machen, genauer zu überprüfen, was es damit auf sich hat. So funktioniert Journalismus in diesen Tagen in unserem Land – ein Trauerspiel!

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

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