Einkaufen als Wissenschaft

Einkaufen heutzutage ist kompliziert. Natürlich kann man einfach in einen Discounter gehen und sich dort die billigsten Produkte aus den Regalen zerren, aber viele Menschen haben keine Lust mehr, Dinge zu kaufen, die sie selbst und bei der Herstellung auch die Umwelt und/oder andere Menschen schädigen. Oftmals habe ich bisher allerdings auch die Erfahrung gemacht, dass sich hierbei schnell Resignation breitmacht: Was soll ich als Einzelner denn ändern? oder Ich blick da nicht mehr durch, was überhaupt gut und was nicht gut ist! sind hier häufige Äußerungen. Dabei kann der Einzelne sehr wohl einiges machen, das mit dem Durchblick gestaltet sich hingegen zunehmend schwieriger.

Vor ein paar Wochen wies ich in einem kleinen Artikel hier auf unsterströmt auf ein paar Produkte hin, für die es bessere Alternativen gibt. Darüber hinaus können auch einige andere Dinge recht schnell und problemlos beim eigenen Konsumverhalten verbessert werden.

Strom: Seinen Stromanbieter zu wechseln ist schnell und problemlos möglich. LichtBlick, Greenpeace Energy und zahlreiche Stadtwerke bieten Strom aus 100 % erneuerbaren Ressourcen an. Das kostet zwar meistens etwas mehr als der Strom aus fossilen Rohstoffen oder Atomkraft, aber die paar Euro im Monat (bei uns waren es nicht mal 5 Euro/Monat, die wir nach dem Wechsel zu LichtBlick mehr gezahlt haben) lohnen sich in jedem Fall – erst recht wenn man Kinder hat, denen man ja keinen total abgerockerten Planeten überlassen möchte. Und zu den irrwitzigen volkswirtschaftlichen Kosten von Atomenergie (die werden zwar nicht direkt vom eigenen Konto abgebucht, aber letztendlich zahlen wir die auch alle über Steuern und Abgaben) hat Dirk ja neulich schon mal einen Artikel hier auf unterströmt verfasst. Die Ummeldung erledigt hier in der Regel der neue Stromanbieter, man hat also wirklich so gut wie keinen Aufwand und Ärger damit (wie es zum Beispiel beim Wechsel des Telefonanbieters häufig der Fall ist).

Bank: Etwas schwieriger gestaltet sich da schon die Wahl des Finanzinstituts. Zum einen kann man aufgrund langfristiger Verbindlichkeiten manchmal eben einfach nicht so ohne Weiteres wechseln, zum anderen sollen ja auch Serviceleistungen wie Geldautomaten und Filialen in hinreichender Menge vorhanden sein – was beides bei Sparkassen grundsätzlich der Fall ist. Diese sind Privatbanken in der Regel vorzuziehen, da sie genossenschaftlich organisiert sind und sich daher nicht so hemmungslos an wilden Spekulationen beteiligen können (zum Beispiel im besonders widerlichen Bereich der Nahrungsmittelspekulationen, wie dies die Deutsche Bank beispielsweise nach wie vor mit Inbrunst tut). Empfehlungen für sogenannte grüne Banken, die ihre Geschäfte fair, ethisch und ökologisch abwickeln, finden sich im Internet, beispielsweise hier.

Einkaufen: Hier wird es nun etwas schwieriger, zumal man hier noch unterscheiden muss, wo man einkauft und was man einkauft.

Wo? Hier halte ich persönlich es so, dass ich lieber bei kleinen, inhabergeführten Geschäften einkaufe als bei großen Ketten, auch auf dem Markt kaufe ich gern ein. Das garantiert natürlich nicht, dass die dort Arbeitenden auch immer gut bezahlt werden (sowie sie bei einer Kette nicht automatisch schlechte Arbeitsverhältnisse haben müssen), aber die Wahrscheinlichkeit, dort Menschen mit guten Arbeitsbedingungen zu unterstützen, ist schon größer. Darüber hinaus tut man dann auch etwas für die Anbietervielfalt und gegen die sogenannten McDonaldisierung. Und wenn man sich sicher sein kann, dass bei einer Firma die Mitarbeiter schlecht behandelt werden (wie dies zum Beispiel Ende 2012 bei Amazon bekannt und dann entsprechend darüber berichtet wurde, so wie beispielsweise hier), dann sollte man diese meiden – auch wenn es etwas unbequemer sein kann, weil man seine Gewohnheiten ändern muss. Alternativen gibt es immer! Und der Buchhändler um die Ecke bekommt auch nahezu jeden Artikel bis zum nächsten Tag geliefert.

Was? Bei Lebensmitteln finde ich die Maxime regional und saisonal sehr sinnvoll. Muss man wirklich Erdbeeren im Winter essen? Oder Spargel? Zumal wenn das dann noch um den halben Globus gekarrt werden musste. Ich finde ja, dass man so bestimmten Leckereien auch ihren Reiz, ihre Besonderheit nimmt, wenn sie eine inflationäre Verfügbarkeit haben. Und dann sollte man auch darauf achten, wie die Lebensmittel hergestellt wurden. Klar, nicht jedes Bio-Siegel (einen kleinen Überblick über ein paar davon findet man hier) bedeutet auch immer die gleiche Qualität, zumal ja auch in dem Bereich immer mal wieder Schindluder getrieben wird, aber generell ist es schon sinnvoll, Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft zu kaufen, denn bei den industriell hergestellten Lebensmitteln ist die Wahrscheinlichkeit, schädliche Stoffe zu sich zu nehmen, doch erheblich größer. Zudem geht es ja auch darum, wie nachhaltig die Produkte hergestellt werden, wie sehr also die Umwelt beeinträchtigt wird oder auch Tiere gequält werden.  Solche Lebensmittel kosten in der Regel etwas mehr, aber da der Deutsche im Schnitt eh sehr wenig Geld für Lebensmittel ausgibt, sollte hier eigentlich bei fast jedem ein bisschen Luft nach oben sein. Zudem: Weniger ist oftmals mehr. Lieber gute Lebensmittel und dafür keine riesigen Portionen auf dem Teller (wobei da dann auch oft genug noch viel weggeschmissen wird), die schlanke Linie freut’s dann auch (was natürlich nun keine Aufforderung zum Hungern sein soll). Viel ist zum Beispiel auch damit getan, weniger Fleisch zu essen, denn für die Herstellung von Fleisch muss enorm viel pflanzliche Nahrung aufgewendet werden. Wer anfängt, sich über seine Nahrungsgewohnheiten und die Herkunft seiner Lebensmittel Gedanken zu machen, ist in jedem Fall schon mal auf dem richtigen Weg. Und ein Bioei schmeckt in jedem Fall besser als zwei Eier aus Bodenhaltung …

Konzerne: Hier wird es jetzt in der Tat schwierig, wenn man Produkte, die von bestimmten Firmen hergestellt werden, meiden möchte, denn nicht auf jedem Produkt steht gleich gut erkennbar drauf, wer eigentlich dahintersteckt. Neulich sah ich folgende Auflistung, aus der hervorgeht, welche Firmen Produkte von Monsanto verwenden. Obwohl ich aus verschiedenen Gründen Monsanto in keiner Weise unterstützen möchte (s. dazu beispielsweise die Dokumentation Monsanto – Mit Gift und Genen, aber auch der Film Good Food, Bad Food ist das sehr erhellend), musste ich feststellen, dass ich unwissentlich genau dieses doch getan habe. Natürlich gibt es auch noch andere Gründe, Firmen wie Nestlé beispielsweise zu meiden (s. dazu zum Beispiel hier oder auch hier), aber dazu muss man ja auch erst mal erkennen, das man überhaupt gerade ein Produkt von denen in Händen hält. Und da wird es bei den weit verzweigten Konzernstrukturen internationaler Multis natürlich schon sehr unübersichtlich …

Generell kann man festhalten, dass man als Einzelner mit seinem Konsumverhalten schon einiges richtig (und natürlich auch falsch) machen kann. Wichtig ist halt, dass man anfängt, sich einen Kopf darüber zu machen, was man wo (und auch warum: Brauch ich das überhaupt?) einkauft, ohne dass man dabei in Dogmatismus verfällt und daran dann zu verzweifeln droht. Alles kann man nicht richtig machen, aber schon vieles – und mit gezielter Information und Austausch mit anderen auch zunehmend mehr.

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Er lebt seit vielen Jahren in Hamburg-St. Pauli. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak, hört den ganzen Tag Tonträger und treibt sich viel auf Konzerten rum. Außerdem geht er seit vielen Jahren zu den Spielen des FC St. Pauli.

3 thoughts to “Einkaufen als Wissenschaft”

  1. Diese Grafik verdeutlicht recht gut, wie es mit dem sogenannten freien Markt mittlerweile bestellt ist: Eine wirkliche Wahl wird immer eingeschränkter möglich, da ein paar wenige Konzerne den Markt nahezu komplett dominieren und sich damit quasi unangreifbar machen. Schöne neue Welt …

  2. Wie der Karl schon schrieb, ist jeder Schritt ein Anfang, und man muss ja nicht gleich zum Ökofuzzi mutieren. Aber die eigene Nase überhaupt mal anpacken und das eine oder andere anfassen, ohne gleich mit dem Finger auf andere zu zeigen. Die Liste ist praktisch auf jedes Gebiet des Einkauf erweiterbar, daher hier noch ein paar Ergänzungen:

    Wegwerfartikel: Ausgerechnet Öl, einer der knappsten Rohstoffe auf unserem Planeten, wird für die Produktion von Wegwerfartikeln benutzt. Coffee-To-go mit Plastikdeckel, Plastikgabel im Fertigsalat, Brötchen in der Papiertüte mit Plastik Sichtfenster und einzeln abgepacktes Obst.

    Elektroartikel: Muss es wirklich ein neues Handy oder ein größerer Fernseher sein? Wozu ein drittes Tablet im Haushalt? Ist der billige Drucker wirklich das günstigere Produkt, wenn ich die Unterhaltskosten (Strom und Tinte) einrechne und der teurere dreimal so lange hält?

    Klamotten: Spätestens nach dem Einsturz einer großen Näherei in Bangladesch und zahllosen Berichten zu Kinderarbeit auf Baumwollfeldern sollte jedem klar sein: Geiz ist extrem ungeil! Und mal ehrlich: Wer sich Smartphone mit Flatrate, teure Zigaretten (anstatt z. B. Tabak) und gestylte Fingernägel leistet, spart da auf Kosten anderer, und das hat mit „sich leisten können“ aber auch so gar nichts zu tun.

    Kosmetik/Reinigung: „Das 12. angebrochene Shampoo (weil es einfach gaaaanz anders riecht und mehr Spannkraft blah blah blah), der 701. zwei Mal benutzte und inzwischen eingetrocknete Lippenstift und die 41 verschiedenen Reinigunsmittel nicht vergessen (müsste ich auch mal wieder die Hälfte von wegwerfen, um Platz für neues Zeugs zu schaffen)!“ Nö, muss alles nicht sein, echt nicht! Und der Clou: Das spart Geld, wenn man Artikel zu Ende gebraucht! Und noch besser: Es gibt zu allem Alternativen, die biologisch abbaubar sind und ohne Tierversuche hergestellt wurden. Schaut mal bei Budni ein Regal weiter.

    Fetter Motor und dann noch Biosprit: „Die Wissenschaftler rechnen vor, dass man 250 Jahre bräuchte, bis das von der Regenwaldabholzung verursachte Kohlendioxid durch die Vorteile der Biospritnutzung wieder ausgeglichen sei (Quelle).“. Klar, so ein 200-PS-Wagen ergibt in der Stadt absolut Sinn … wenn man persönlich kein vorstechendes Alleinstellungsmerkmal hat und sich so abheben muss.

    Urlaub: „Schöner 5-Tage-Tripp nach Thailand? 3 Tage Kreta günstig geschossen?“ Wer schießt da auf wen? „Jaja, uns auch noch den Urlaub madig machen!“ Nö, aber einmal auch darüber nachdenken kann nicht schaden. ;)

  3. Noch eine Anmerkung, die eher dem persönlichen Wohlergehen dient als der Verbesserung von Arbeits-, Umwelt- und Tierhaltungsbedingungen: Man sollte darauf achten, dass im Deo kein Aluminium ist. Dieses wird von vielen Herstellern gern verwendet, weil es die Schweißporen verschließt und daher den Antitranspirationseffekt steigert. Allerdings gelangt so auch Aluminium in den Körper, und das ist ein ziemlich fieses und giftiges Zeug, was man da besser nicht haben sollte. Der Vater eines Freundes von mir ist mittlerweile aufgrund von Aluminiumablagerungen im Körper sehr schwer erkrankt, sodass er auf dauerhafte Pflege angewiesen ist, da die Koordination von Gehirn und Körper durch das Aluminium massiv beeinträchtigt wird!
    Joghurtbecherdeckel sollte man aus diesem Grund auch nicht ablecken oder mit dem Löffel abkratzen.

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