Manipulation durch Verschweigen

Vor zwei Wochen schrieb ich hier auf unterströmt ja bereits einen Beitrag über dreiste Meinungsmache des ZDF bei der Ukraine-Berichterstattung. Nun ist die Verbreitung der Unwahrheit oder selektiver Wahrheit nicht die einzige Methode, der sich deutsche Mainstream-Medien bedienen, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Immer häufiger werden große, relevante Ereignisse, die sich gegen die herrschende neoliberale Ideologie richten, von nahezu allen sogenannten „Leitmedien“ ignoriert. Wer da noch an Zufall glaubt, der ist bestimmt auch der Ansicht, dass der Mond aus Käse sein müsste …

Einige Beispiele:

1. Proteste in Italien: Gerade an diesem Wochenende gab es in Rom wieder große Demonstrationen gegen die von der Troika verordnete Austeritätspolitik. Ein kleiner Beitrag dazu findet sich auf der Webseite der Frankfurter Rundschau, auf den Hauptseiten der Internetpräsenzen von Spiegel, FAZ, Süddeutscher und Zeit, die ich jetzt als Stichprobe daraufhin durchgeschaut habe, da sie schon mal eine m. E. repräsentative Auswahl des deutschen Medien-Mainstreams bilden, findet sich kein einziger Hinweis darauf.

2. Marsch der Würde in Spanien: Eine ähnliche Thematik liegt dem Marsch der Würde zugrunde, der in März in Spanien stattfand und Hunderttausende Menschen mobilisierte, die in einer Art Sternmarsch aus verschiedenen Städten nach Madrid pilgerten, um dort zu einer großer Demonstration gegen die Austeritätspolitik zusammenzukommen. Der Freitag monierte in einem Artikel die nahezu vollständige Ignoranz der deutschen Medien dieser Großveranstaltung gegenüber.

3. Proteste in Brüssel: Auch in Brüssel gingen am vergangenen Wochenende Zehntausende, vornehmlich Gewerkschafter, auf die Straßen, um gegen die Krisenpolitik der EU und den daraus resultierenden Sozialabbau zu demonstrieren. Die Nachdenkseiten thematisierten, dass hierüber ebenfalls nahezu keine Berichterstattung stattfand (Beitrag 9) bzw. dass das einzig Berichtenswerte kleinere Zusammenstöße von Polizei und einigen Demonstranten waren – worum es bei der Demonstration ging, wurde dabei dann zu Nebensache.

4. March against Monsanto: Diese weltweite Großdemonstration fand im letzten Jahr zweimal statt mit mehreren Millionen Teilnehmern in Hunderten Städten. USA Today berichtete auch darüber, die deutschen Medien hielten sich hier wieder nahezu komplett zurück. Ich selbst habe über Facebook davon erfahren. Aus persönlichen Gesprächen weiß ich, dass die meisten Deutschen nicht einmal wissen, was Monsanto überhaupt ist – was ja auch kein Wunder ist, wenn selbst ein derart großer Protest gegen diesen menschenverachtenden Konzern keine Berichterstattung erfährt.

Eine Demokratie setzt eigentlich mündige Bürger voraus, da diese ja letztendlich den politischen Souverän darstellen sollten. Wie ist es damit in Einklang zu bringen, dass diesen Bürgern gezielt Informationen vorenthalten werden, da diese nicht ideologiekonform sind, dass also eine Entmündigung der Bürger stattfindet? Wer sich seine Informationen nicht gezielt beschafft, beispielsweise über das Internet, bekommt so ein verzerrtes Bild der Realität vorgesetzt. Einfach unliebsame Informationsquellen zu verbieten, funktioniert heutzutage nicht mehr, da dies als typisches Merkmal von totalitären Regimes erkannt und somit entlarvend wirken würde. Also muss die Medienlandschaft entsprechend gestaltet werden, dass kritische Informationen nicht so ohne Weiteres verbreitet werden, indem sie einfach weggelassen oder eben auch verfälscht oder von haufenweise irrelevanten Informationen überlagert werden. Einfach nur die Tagesschau anzuschalten funktioniert also überhaupt nicht mehr – wenngleich viele Menschen dies immer noch machen und dann der Ansicht sind, dass sie sich schon ganz gut politisch informieren.

Noch dreister wird es dann, wenn tatsächlich per Gesetz beschlossen wird, dass Desinformation zum Schutz von Wirtschaftsinteressen bestehen soll, wie dies gerade aktuell der Fall ist: Lebensmittelkontrollbehörden sollen künftig nicht mehr uneingeschränkt die Öffentlichkeit über die Ergebnisse ihrer Arbeit informieren dürfen. Auf der Webseite von Foodwatch wird darüber berichtet – und ich kann mir fast vorstellen, dass auch dies nicht gerade großes Medienecho erfahren dürfte.

Ein mündiger Bürger zu sein erfordert also heutzutage eine Menge Engagement und Medienkompetenz, damit man sich einigermaßen umfassend informieren kann: Blogs sind da zum Beispiel eine Möglichkeit, genauso wie Webseiten von NGOs wie eben Foodwatch, Campact, LobbyControl usw., nur werden diese eben nicht so prominent präsentiert wie Fernsehen, Radio sowie große Zeitungen und Zeitschriften. Unsere Medienlandschaft ist in jedem Fall einer Demokratie ausgesprochen unwürdig, und das auch öffentlich-rechtliche Medien bei der Desinformation und damit Entmündigung der Bürger massiv mitmischen, macht das Ganze noch schlimmer.

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

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