Falscher Hase – Montagsdemo unter falscher Flagge?

Unter dem vermeintlichen Siegel des „Weltfriedens“ werden die letzten Wochen Demos organisert, die „scheinbar“ jedoch als Plattform für antisemitische Inhalte dienen. Inhaltlich werden Themen aufgegriffen, die auch hier teilweise schon den Weg ins Internet gefunden haben. Allerdings scheint es so, als seien diese „Mahnwachen“ mit mindestens einem kritischen Auge zu betrachten, da gerade rechte Sprecher zu Wort kommen. Das Bild wird derzeit so präsentiert, und auch Kanäle, die ich gern empfehle, folgen dieser Darstellung, wie z. B. heute ein kleiner Beitag auf Kulturzeit mit der Soziologin Jutta Ditfurth zeigte.

Kurz die Suchmaschine Eures Vertrauens angeworfen, finden sich viele Seiten, die sich diesem Thema widmen (Zeit, Telepolis oder kleinere, lokale Webseiten). Schaut man sich mal einige dieser Reden an, dann wundere ich mich schon über die Inhalte: Ich kann viele von Ihnen unterstützen!

Ich war persönlich bei keiner dieser Mahnwachen und kann mich also (wieder einmal) nur auf Informationen aus dritter Hand beziehen. Aber das, was ich nun bisher an Beiträgen gesehen habe, hat auf mich nicht den Eindruck hinterlassen, es handele sich um eine „neue rechte Querbewegung“. Aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die hier dargestellten Meinungen gegen die politische Führung und die Manipulation durch die Medien nicht gezeigt werden sollen, und da kommt der rechte Stempel doch gerade recht!

Wie eigentlich immer, kann ein klar weißes oder schwarzes Bild nicht „die Wirklichkeit“ abbilden. Außer Frage steht der Bezug zu rechten Inhalten bei manchen dieser Mahnwachen (siehe auch taz). Nicht zuletzt, weil Lars Mährholz, Organisator der ersten Mahnwachen Mitte März in Berlin, seine Weblinks auf dubiose rechte Quellen überhaupt nicht überprüft und nun alle Mahnwachen seiner Initiative zugeschrieben werden. Aber dass die Presse nach Möglichkeit gar nicht erst über die deutschlandweiten Montagsdemos berichtet  und wenn, dann ausschließlich das rechte Gedankengut aufzeigt, scheint mir beabsichtigt und manipulativ.

Abschließend auch hier wieder der Hinweis, der eigentlich am Ende eines jeden Beitrags von mir steht (wenn auch nicht immer ausgeschrieben): Informiere Dich selbst, umfassend und ausgiebig. Nur dann kannst Du Dir eine Meinung bilden, die auch Deine Meinung ist.

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Dirk

Jahrgang 1974, in erster Linie Teil dieser Welt und bewusst nicht fragmentiert und kategorisiert in Hamburger, Deutscher, Mann oder gar Mensch. Als selbstständiger IT-Dienstleister (Rechen-Leistung) immer an dem Inhalt und der Struktur von Informationen interessiert und leidenschaftlich gerne Spiegel für sich selbst und andere (als Vater von drei Kindern kommt dies auch familiär häufig zum Einsatz). Seit vielen Jahren überzeugter Vegetarier und trotzdem der Meinung: „Alles hat zwei Seiten, auch die Wurst hat zwei!“

4 Gedanken zu „Falscher Hase – Montagsdemo unter falscher Flagge?“

  1. Schon letzte Woche viel mir beim Rechtspopulisten-Bullshit-Bingo der NDR-Satiresendung extra 3 auf, dass hier eindeutig rechte Äußerungen mit Medienkritik vermischt werden. Wenn also „Mainstream-Medien“ ein rechtspopulistischer Begriff ist, dann wären wir von unterströmt, und beispielsweise auch andere medienkritische Blogs wie die Nachdenkseiten, demzufolge dem rechten politischen Spektrum zuzuordnen. Interessent … Ich schob das zunächst nur auf die Tatsache, dass extra 3 ja auch von einem öffentlich-rechtlichen Fernsehsender produziert wird und daher entsprechend negativ auf Medienkritik reagiert, aber zumindest passt es nun genau zu der Berichterstattung über die Montagsdemos, die in dieser Woche aufgekommen ist.

    Wenn ich dann noch sehe, wie unsauber journalistisch gearbeitet wird, indem zum Beispiel in dem oben verlinkten taz-Artikel von einem Bild die Rede ist, „das die jüdische Familie Rothschild als Monster zeigt“, dann gehen bei mir die Warnsirenen noch mehr an. Das verlinkte Bild zeigt nämlich in der Tat zum einen nicht die Familie Rothschild, sondern nur Jacob Rothschild, und zum anderen kein „Monster“, sondern Mr Burns aus der Zeichentrickserie „Die Simpsons“, der dort als Besitzer des Atomkraftwerks skrupellos die Fäden in Springfield zieht. In dieses Bild also „der Jude = das Monster“ hineinzuinterpretieren zeugt a) von Ahnungslosigkeit bezüglich der Abbildung und b) von doch sehr einseitiger Sichtweise, die nicht den inhaltlich-satirischen Kontext berücksichtigt. Oder verbreitet Matt Groening über die Simpsons jetzt etwa auch rechtes Gedankengut?

    Dass es Menschen gibt, die das bestimmt kritikwürdige Verhalten solcher Personen wie Rothschild dann auf eine „jüdische Weltverschwörung“ herunterbrechen, ist unbestritten, darüber hinaus dämlich und trägt auch nicht zu einer konstruktiven inhaltlichen Auseinandersetzung bei. Andererseits jede Kritik an Banken und der zurzeit massiv zu beobachtenden Einseitigkeit der Mainstream-Medien als Antisemitismus und rechte Verschwörungstheorien (das sind ja auch schön praktische Begriffe, die allgemein eben sehr negativ besetzt sind) abzubügeln ist leider auch kein wirklich besseres Niveau.

  2. Vom gestern bei der Hamburger Montagsdemo vor Ort gewesenen Admin der Facebook-Präsenz von Occupy Hamburg fand ich heute folgendes Statement:

    komme gerade von der mahnwache/montagsdemo oder wie auch immer vom jungfernstieg in hamburg. hab mir die reden ca. 2,5 stunden lang angehört als beobachter, die Kundgebung lief aber noch eine weitere halbe stunde als ich ging. ich konnte die ganzen stunden keine negative reden hören. aber ich war auch nur erst einmal da, weiß nicht was in der Zukunft abläuft.es war jedenfalls sehr viel los vorallem Drumherum. ein großes lob an die 4 Polizisten, die eine Meisterleistung hingelegt haben,deeskalierend wie sonst was waren, Probleme mit rechten gabs weniger, eher mit jugendlichen Passanten die sich an den fahnen der Antifaschisten störten, ca. 10 antifas standen gleich neben der Kundgebung mit 3 Israel fahnen, 1 USA fahne und 1 fahne der antifa.dann störten auch 2 mal ältere herren die Kundgebung die wohl nur stören wollten auch da die Polizei perfekt reagiert.keine Probleme. auch als einige junge männer mit kreide schrieben: „die veränderung bist du selber“ oder so ähnlich, vermittelten die polizisten. aufjedenfall war da alles vertreten, kundgebungsinteressierte aber auch viele die wohl nur gekommen waren um zu gucken ob alles „ok läuft“, linke, ex occupy camper, occupy admin ich, mittendrin Redaktion Journalisten, st pauli Bewohner, tierschutzaktivisten, sogar Punks kamen vorbei um zu gucken ob „alles ok läuft“ lol und als sie die antifas sahen neben der Kundgebung, lächelten sie glücklich und gingen nach einiger zeit weiter. meinen fotoaparat hab ich leider vergessen, aber es war auch so schon ziemlich Trubel dort, Fotos dort machen hätte evtl. sowieso noch mehr Trubel bereitet. zur Kundgebung: konnte nichts rechtes an den Reden erkennen, aber wie gesagt, weiß nicht was die Zukunft bringt, die Plakate und schilder waren auch allesamt in Ordnung und alle möglichen privaten leute durften sich kurz zwischendurch für eine kurze rede nach vorne begeben mit einer roten karte und ihre eigene Meinung sagen was sie so denken, Passanten und kundgebungsbesucher. An Nationalitäten war alles vertreten, deutsche, Araber, Afrikaner, einfach alles. (admin cat)

  3. So, heute war ich dann tatsächlich mal auf der Montagsdemo bzw. Mahnwache, wie das ja auch genannt wird, in Hamburg am Jungfernstieg.
    Ich könnte mir da jetzt auch ein paar Sachen raussuchen und Entsprechendes schreiben: Am Rand stand ein Plakat (ohne jemanden daneben allerdings, ich hab zumindest niemanden gesehen), auf dem Eva Herrmann als Beispiel genannt wurde, die mundtot gemacht wurde, als sie unbequem wurde. Das riecht natürlich sofort berechtigterweise nach Kopp-Verlag. Auch könnte ich aus dem Flyer der Montagsdemo gegen Hartz IV, die seit 500 Wochen stattfindet, zitieren, der dort vor Ort verteilt wurde und titelte: „Achtung: ultrarechte und neofaschistische Rattenfänger“. Und wenn ich dann noch den 70-Jährigen erwähnen würde, der als Letztes bei der Veranstaltung das offene Mikrofon ergriff (und dabei wegließe, dass er schon einen etwas verwirrten Eindruck machte, doch deutlich belächelt wurde, aber trotzdem ließ man ihn ausreden), der meinte, dass Angela Merkels Skiunfall von der NSA inszeniert war, dann würde sich da nun das in letzter Zeit medial vermittelte Bild treffend widerspiegeln: Rechtsradikale und „Verschwörungstheoretiker“ auf einem Haufen!
    Tja, nur war es eben ganz anders: Eine bunt gemischte Gruppe (von mir geschätzt die Hälfte im studentischen oder Oberstufenalter, die andere Hälfte querbeet durch alle Altersschichten) mit Menschen aus allen möglichen Nationen, teilweise mit Kindern und Hunden, selbst gemachte Plakate mit Friedenstauben und Ähnlichem drauf – das Ganze hatte für mich eher den Charakter eines Hippie-Meetings.
    In den Wortbeiträge ging es um die Situation in der Ukraine, es gab auch einen längeren Beitrag über ein Grundeinkommen, allgemeine Friedenswünsche waren ebenso zu finden wie Aufrufe zur Toleranz oder ein kleiner Vortrag auf der Maultrommel sowie das gemeinsame Singen des hebräischen Liedes Havenu Shalom Alechem. Also nichts mit rechter Hetze und so, und auch niemand mit einem Aluminiumhut war anwesend.
    Die ursprüngliche Montagsdemo zog auch vorbei und wurde aufgefordert, doch mitzumachen, was allerdings abgelehnt wurde. Auf deren Kundgebung 100 Meter weiter wurde dann nachher vonseiten eines der Mahnwachen-Organisatoren das Angebot unterbreitet, sich doch mal zusammenzusetzen und etwaige Missverständnisse auszuräumen, da man doch im Grunde weitestgehend die gleichen Ziele hätte.
    Zumindest für Hamburg (und für den heutigen Tag) kann ich zumindest sagen: Hier kamen einfach Menschen zusammen, die sich nicht nur Sorgen um den Frieden machen, sondern sich auch über einseitige Medienberichterstattung ärgern (auch das klang ab und zu an) und andere gesellschaftliche Missstände anprangern, die beispielsweise hier auf unterströmt auch schon thematisiert wurden. Also am besten selbst mal vorbeischauen bei der Montagsdemo/Mahnwache in Eurer Nähe und sich ein Bild machen.

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