Ich war und bin es noch: beeindruckt

Ich musste erst einmal eine Nacht darüber schlafen, verdauen, was ich da gestern Abend noch mir angesehen hatte. Die Kids, die ihre erste Pressekonferenz hielten, waren beeindruckend.

Nicht nur deren Forderungen haben mich beeindruckt

Nein, auch die Art und Weise, wie sie zustande kamen. Nicht einfach so aus dem Bauch heraus oder von irgendwelchen selbst ernannten Umweltschützern aus der Politik eingegeben oder gar aus Parteiprogrammen abgeschrieben, nein, in Zusammenarbeit mit der Wissenschaft sind sie entstanden. Mehr als 20.000 Wissenschaftler hatten sich zu Science-For-Future zusammengeschlossen, und die fragte man um Rat und bekam ihn auch. Die Forderungen, die dadurch entstanden, sind im Netz zu finden, hier beispielsweise. Sehr beachtenswerte Forderungen, wie ich meine, anspruchsvoll und zielgerichtet.

Beeindruckend war aber auch ihre Ernsthaftigkeit. Man merkte zwar ihre Nervosität, was Wunder, sind es doch keine Medienprofis, die hier die Stimme erhoben. Aber sie überzeugten durch Wissen, auch Hintergrundwissen, und durch Authentizität, vor allem durch Authentizität. Genau diese war für mich sehr erholsam, ist es doch meist die fehlende Authentizität in der Politik, die mich innerlich auf die Barrikaden treibt.

Höchst beeindruckt war ich dann, als die Kids sich nicht scheuten, die Politik wie ganz selbstverständlich daran zu erinnern, dass das alles natürlich sozial flankiert werden müsse. Gerade hier hatte ich den Eindruck, dass die Kids vom Sozialen mehr erahnen, als die Politik zu wissen scheint, gerade die zu wissen scheinen, die immer mehr von etwas fordern und dann geflissentlich ignorieren, dass andere dafür den Preis zu zahlen hätten, nur sie selbst nicht.

Ich bin auch wieder ein wenig beruhigter, auch das ist mein Fazit nach dieser Pressekonferenz. Denn die deutlichen Worte an die in der Politik, die sich nun gern diese Forderungen an die eigene dunkle Weste heften wollen, haben mich doch gewahr werden lassen, dass die Kids sich doch nicht so schnell werden instrumentalisieren lassen, wie ich es gestern Morgen noch glaubte und auch niederschrieb. Ich freue mich, mich geirrt zu haben, wenigstens darin geirrt zu haben, dass das der Anfang von Ende sein könnte. Die Kritik daran, sich von Pulse of Europe instrumentalisieren gelassen zu haben und weiterhin wohl instrumentalisieren zu lassen, halte ich jedoch aufrecht. Ebenso wie meine Warnung vor der Politik, ihrer Realpolitik. Aber, wie gesagt, ein wenig beruhigter bin ich schon, meine Hoffnungen auf einen anhaltenden Protest sind wieder größer geworden.

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Heinz

Jahrgang 1958, am Leben interessiert, auch an dem anderer Menschen, von Rückschlägen geprägt. Nach diversen Tätigkeiten im Außendienst für mehrere Finanzdienstleister und zuletzt als Lehrkraft auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Ökonomie und Gesellschaft, den Kapitalismus in all seinen Formen zu verstehen und seit Jahren zu erklären ist meine Motivation. Denn ich glaube, nur wer versteht, wird auch Mittel finden, die Welt zu einer besseren Welt zu machen. Leid und Elend haben ihre Ursache im Unverständnis.

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