Das könnte der Anfang vom Ende sein

Ich warnte davor, vor einigen Tagen schon, dass sich die Fridays-For-Future-Bewegung nicht von den Parteien vereinnahmen lassen sollte. Ich hätte stärker warnen sollen, vor mehr als nur den Parteien hätte ich warnen sollen. Nun haben wir den Salat, und die Trittbrettfahrer sind dabei, diese Bewegung für ihre Agenda zu missbrauchen. Das Tor ist offen, die Parteien werden es auch zu nutzen wissen. Die Bündnisgrünen lechzen längst danach, diese Bewegung zu vereinnahmen und mit ihrer Realpolitik zu zerdrücken.

Pulse of Europe macht es möglich

Pulse of Europe, so meldet der SWR, wird bei den Demos mitmarschieren, als Pulse of Europe sind sie schon mitmarschiert. Das ist der Anfang vom Ende, behaupte ich. Bald werden die grünen Fahnen geschwenkt werden, gemeinsam mit den europäischen Fahnen, und die Kids werden in den Hintergrund gedrängt werden. Ich fürchte, dass das Ende dieser Bewegung damit angebrochen ist, sich die alten Männer und Frauen von Pulse of Europe hier auch nur ein wenig erholen werden, eben auf Kosten der Kids, auf Kosten des Klimas am Ende, auch des gesellschaftlichen Klimas.

Wenn es keinen Grund gab, die Bewegung von Links abzulehnen, so wird er nun geschaffen. Wenn es keinen von Rechts gab, so wird er nun geschaffen. Natürlich hatten die Bedenkenträger und Klimaleugner längst ihre Vorbehalte. Nun bekommen sie diese bestätigt, nun können sie ein weiteres Argument ins Feld führen. Und das nur, weil eine Bewegung, die sich nicht durch Klimaschutz hervorgetan hatte, ihren absteigenden Ast verlassen will und sich an die Kids heranhängt. Ich warnte davor, aus guten Gründen, wie ich immer noch meine. Nur mit Pulse of Europe hatte ich nun so wahr nicht gerechnet. Hätte ich aber tun müssen. Mein Fehler!

Ich bin enttäuscht

Nicht von den Kids, denn die können nichts dafür. Ich bin enttäuscht, weil ich später, viel später damit gerechnet hatte, weil ich gern weiter unterstützt hätte, viel länger unterstützt hätte. Ich werde auch weiterhin unterstützen, aber kritisch trennen zwischen Fridays For Future und Pulse of Europe, dieser im Grunde neoliberalen Veranstaltung des Besitzbürgertums. Ich werde so lange unterstützen, wie die Kids laut bleiben, wie sie sich nicht deren Forderungen zu eigen machen werden, solange sie bei ihrem Kernthema bleiben.

Werden sie von ihrem Kernthema ablassen, bin ich weg, werde ich wieder zum Beobachter, werde ich mich anderen zuwenden müssen. Denn dann haben sie meinen Ratschlag in den Wind geschlagen, und das ohne Not dazu, es tun zu müssen, ohne wirklich etwas erreicht zu haben. Und aufzuzwingen, meinen Rat aufzuzwingen, liegt mir völlig fern.

Also bleibt laut und frei von denen, die sich eurer Popularität bedienen wollen, und ich bleibe an eurer Seite. Wenn nicht, dann ziehe ich weiter und lasse euch zurück. Zurück, denn mit Pulse of Europe und mit grünen Fahnen werdet ihr stehen bleiben müssen. Die sind viel zu weit zurück geblieben, im Denken und Handeln, als dass sie mit euch auch nur annähernd Schritt halten könnten.

Ich werde nicht warten, auch nicht auf euch!

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Heinz

Jahrgang 1958, am Leben interessiert, auch an dem anderer Menschen, von Rückschlägen geprägt. Nach diversen Tätigkeiten im Außendienst für mehrere Finanzdienstleister und zuletzt als Lehrkraft auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Ökonomie und Gesellschaft, den Kapitalismus in all seinen Formen zu verstehen und seit Jahren zu erklären ist meine Motivation. Denn ich glaube, nur wer versteht, wird auch Mittel finden, die Welt zu einer besseren Welt zu machen. Leid und Elend haben ihre Ursache im Unverständnis.

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