Interessantes aus KW 28/2020

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. Während die größte Polizeigewerkschaft auf dem Titel ihrer Mitgliederzeitschrift gegen Linksterrorismus polemisiert, geben die Kollegen in Einbeck laut einem Artikel in der taz dann nach einer Razzia bei stadtbekannten Neonazis diesen die dabei beschlagnahmten Sprengkörper zurück – die dann auch kurz danach bei einem Anschlag zum Einsatz kommen. Und gegen die Initiatoren einer antifaschistischen Demonstration aufgrund dieser Eskalation von Gewalt wird nun vonseiten der Polizei ermittelt … Aber klar: Das sind alles wieder nur „Einzelfälle“ und bedauerliche Pannen, das deutet alles nicht auf ein strukturelles Problem hin … Langsam wird diese Relativiererei nur noch peinlich. [Karl]

2. Na super! Laut einer Meldung des Weser-Kuriers ist eine geplante und von der Europäischen Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) empfohlene Studie zum Racial Profiling bei der deutschen Polizei nun abgesagt worden – von Bundesinnenminister Horst Seehofer persönlich. Die vollkommen absurde Begründung: Racial Profiling sei ja verboten, deswegen gäbe es das auch so gut wie nicht. Na ja, zahlreiche dunkelhäutige Menschen in Deutschland können da leider was anderes erzählen. Aber das kommt eben davon, wenn man Rechtspopulisten wie Seehofer wichtige Ämter gibt. Dem strukturellen Rechtsextremismus in der Polizei (s. vorheriger Hinweis) wird man so nur nicht beikommen können. [Karl]

3. Aus einer ganz anderen Ecke kommt eine Meldung vom Wissenschaftsmagazin scinexx: Der metallische Anteil des Feinstaubs aus dem Straßenverkehr gelangt bis in die Zellen (Mitochondrien) des Herzens und verursacht dort massive Schäden, so eine Studie der Lancaster University in Mexico City. Diese Partikel wurden auch schon in der Plazenta und sogar im Gehirn von Menschen nachgewiesen, die in Wohngebieten mit starkem Verkehrsaufkommen leben. Diese Partikel wurden auch schon bei Dreijährigen gefunden, und die Folgeschäden sind z. B.  Asthma, COPD, Lungenkrebs, aber auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Gerade Kinder atmen viel Feinstaub ein, da sie eben kleiner und näher an der Fahrbahn sind. Also: Kinder besser schützen, Individualverkehr überdenken und Radwege sowie öffentlichen Nahverkehr ausbauen. [Dirk]

4. ttt (ARD) #1: Auch mit Plastik vermüllen wir die Erde bis in den letzten Winkel: In den tiefsten Ozeanen, den höchsten Bergen und sogar der Arktis wird mittlerweile Mikro- und Makroplastik gefunden. Das kostet immer mehr Tiere das Leben, da diese die Plastikteile verschlucken, die dann unverdaut ihren Magen verkleinern, Stück für Stück, bis sie mit gefülltem Magen verhungern. Ein 7-minütiger Beitrag zeigt nun die Ausstellung „Zero Waste“ (null Verschwendung) und macht einmal mehr deutlich, wie massiv wir auch den letzten Winkel der Erde zerstören. [Dirk]

5. ttt (ARD) #2: Als Deutsche tun sich viele historisch aufgeklärte Menschen schwer mit Kritik an Israel. Das Erbe des Nationalsozialismus ist uns tief in die Erinnerung geschrieben worden, und die wenigsten Menschen wollen gern als Antisemit bezeichnet werden. Und trotzdem: Ein kritischer Diskurs darf nicht kategorisch ausgeschlossen werden! Für viele Menschen verbietet sich diese Kritik, wenn es um die Frage der israelischen Siedlungspolitik im Gazastreifen geht. Ein 6-minütiger Beitrag beschäftigt sich mit diesem Thema im Rahmen einer umstrittenen Buchveröffentlichung von Omri Boehm. Auf der anderen Seite der offenkundig proisraelische Publizist Alan Posener, der sich der Sache aus meiner Sicht sehr einseitig und lapidar widmet: „Lass uns doch einfach sagen, wir halten uns mal raus.“ Kein einfaches Thema, aber „einfach raushalten“ finde ich bei dieser extrem ungleichen Machtverteilung schon sehr substanzlos. [Dirk]

6. Das Virus spaltet weiter Teile der Gesellschaft ab, die sich gegen Maßnahmen zur Eindämmung wehren und Zweifel an der Interpretation von Infektionszahlen und anderen Daten haben (Zweifel sind gut, asoziales Verhalten finde ich weniger gut). Diese Zweifel und Ängste entstehen aus (teilweise begründeten) Gründen, und es ist schwierig, alle „Leugner“ unter einen Hut zu bekommen, muss man aus meiner Sicht auch nicht. Bei einer Berufsgruppe erschreckt mich die scheinbar wachsende Zahl an Corona-Leugnern: den Ärzten. Bei Report Mainz (SWR) zeigt ein 7-minütiger Bericht, wie leichtfertig von vielen Ärzten mit der Gesundheit ihrer Mitmenschen umgegangen wird und wie ignorant man seine eigene Meinung und den ausgeübten Beruf unprofessionell vermischen kann. Vielleicht doch einen anderen Beruf ausüben, bei dem weniger Professionalität erforderlich ist? [Dirk]

7. Sprache ist mächtig, denn sie formt das Denken. Und Framing ist eine rhetorische Technik, die in letzter Zeit immer häufiger zur Anwendung kommt, um einem Begriff mitschwingende Inhalte zu verpassen, die beim Zuhörer/Leser eine positive oder negative Zuordnung bewirken sollen. Wieder mal ist es ein Satiriker, der dieses Prinzip auf verständliche Weise in kompakter Form erläutert, nämlich Dieter Wischmeyer in einem gut dreiminütigen Video aus der Reihe „Wischmeyers Logbuch“ von Comedy & Satire WDR. Basiswissen im Bereich Medienkompetenz! [Karl]

8. „What’s your race?“, fragt uns Gerd Scobel in seinem philosophischen Videoblog und verweist damit auf die aktuelle Debatte über Rassismus und die Black-Lives-Matter-Bewegung. Was im Deutschen schon der Frage wegen eine Beleidigung wäre, ist in den USA eine gängige Frage nach dem Ursprung der Familie (denn die wenigsten Menschen dort sind Nachfahren der Ureinwohner). In seinem zweiteiligen Themenblock von jeweils ca. 15 Minuten geht es in Teil 1 um die Konstruktion und dessen Herkunft, während Teil 2 sich eher mit dem biologischen und kulturhistorischen Hintergrund beschäftigt. Ich habe mich auch zu wenig mit dem Thema beschäftigt und profitiere nachhaltig von seinem Beitrag, denn wer hält sich schon für einen Rassisten? [Dirk]

9. Politiker sind sehr flexibel: Sie können ihre Meinung ohne Weiteres um 180 Grad ändern, und wenn es um Nebeneinkünfte geht, dann kann auch ein grüner Minister bei BMW oder VW im Vorstand landen. Ist die politische Laufbahn beendet, dann bedankt sich die Wirtschaft gern für aktuelle oder vergangene Unterstützungen, und der ehemalige Volksvertreter profitiert von seinen weiterhin bestehenden Verbindungen in die Politik. So berichtet Panorama (ARD) in einem 11-minütigen Beitrag über die Beratungstätigkeit vom ehemaligen Minister Sigmar Gabriel bei dem derzeit stark in die Kritik geratenen Fleischmogul Clemens Tönnies. Die Geschichte ist eigentlich mal wieder zu absurd, um wahr zu sein … aber Bundespolitiker (meistens Juristen, die müssen auch eine flexible Haltung haben), die können das! [Dirk]

10. Passend zu Hinweis 4.: aus den Augen, aus dem Sinn – Deutschland ist mal wieder ganz vorn mit dabei beim Export. Dieses Mal im Angebot: Plastikmüll. Der soll eigentlich zu einem hohen Prozentsatz recycelt werden, aber immer mehr von dem Zeug (das wir auch in immer größerem Maße produzieren) wird einfach vor allem nach Südostasien exportiert – und was dann damit geschieht, interessiert niemanden mehr. Na ja, fast niemanden, denn ein irischer Wissenschaftler hat, wie ein Artikel auf scinexx berichtet, mal nachgeschaut, wo der Müll landet. Und das ist dann eben allzu oft der Ozean und allzu selten das geordnete Recycling. [Karl]

11. Erst vollmündig angekündigt, dann einfach sein gelassen: Das Pflegepersonal in Krankenhäusern bekommt nun doch keine coronabedingte Bonuszahlung, diese geht nur an Altenpflegekräfte. Dass das reichlich schäbig ist und wohl auch damit zu tun hat, dass in diesem Bereich hauptsächlich Frauen arbeiten, stellt Robert Pausch in einem Kommentar auf Zeit Online fest. Ich finde ja darüber hinaus, dass klar wird, worum es der Bundesregierung oder in diesem Fall Jens Spahn auch mal wieder geht: teile und herrsche – in diesem Fall Altenpflegerinnen gegen Krankenpflegerinnen aufzubringen. [Karl]

12. Auch die Digitalisierung der Schulen verläuft mal wieder nach dem üblichen Motto: Konzerninteressen zuerst, Bürgerinteressen (wenn überhaupt) irgendwann danach. So beschreiben Tim Engartner und Lisa-Marie Schröder in einem Artikel in den Blättern für deutsche und internationale Politik, wie sehr große Internetkonzerne wie Google und Apple in die Klassenräume drängen, um dort schon Kinder im frühen Alter mit Werbung als zukünftige Kunden zu gewinnen. Dabei wäre es gerade wichtig, kritische Medienkompetenz im Unterricht zu vermitteln, doch dafür müsste zum einen Geld in die Hand genommen und zum anderen andere schulpolitische Schwerpunkte gesetzt werden. [Karl]

13. Ein Beispiel für das oft aktionistische und planlose Vorgehen im Zuge der Corona-Pandemie liefert eine Meldung von SWR Aktuell: Darin werden von wissenschaftlicher Seite die derzeitigen „Desinfektionsorgien“ deutlich kritisiert und deren schädigende Wirkungen beschrieben. Diese Desinfektionsmittel, zu deren Nutzung man mittlerweile ja dauernd vor dem Eintritt in Geschäfte und Restaurants aufgefordert wird, haben nämlich durchaus unschöne Nebenwirkungen, zumal wenn sie quasi als Ersatz fürs Händewaschen genutzt werden. [Karl]

14. Letzte Woche wurde nun nach mehrfacher Verschiebung endlich im Bundesrat über die Kastenstandhaltung von Muttersäuen abgestimmt, und herausgekommen ist ein ziemlich schäbiger und fauler Kompromiss, den nun allerdings die Grünen (die dem auch zugestimmt haben und sich damit eindeutig als tierschutzfeindliche Partei demaskiert haben) und auch Organisationen wie Campact aus populistischen Gründen abfeiern. Wie mies die Situation für diese gequälten und geschundenen Tiere nach wie vor ist, geht aus einem Artikel der Albert Schweitzer Stiftung hervor. [Karl]

15. Alex Rühle beschreibt in einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung den aktuellen Stand des Klimawandels bzw. der damit einhergehenden Veränderungen. Und das liest sich nicht eben sehr angenehm, denn in den letzten Jahren ist das fragile klimatische Gleichgewicht, dass seit etwa 10.000 Jahren besteht, zunehmend aus den Fugen geraten, sodass ehemals als unabänderliche Geltendes mittlerweile seine Gültigkeit verloren hat. Daran sieht man, dass die Klimakatastrophe nichts ist, was uns noch bevorsteht, sondern in dem wir schon mittendrin sind. [Karl]

16. Und noch mal was zum Rechtsextremismus bei der Polizei: Drei Linken-Politikerinnen haben Morddrohungen erhalten, die mit „NSU 2.0“ unterschrieben waren. Und, wie ein Artikel in der taz berichtet, ähnlich wie bei der Anwältin Seda Başay-Yıldız vor einigen Monaten führen die Spuren wieder zur hessischen Polizei, da in den Briefen und Mails öffentlich nicht zugängliche Angaben zu finden waren, die kurz zuvor von einem Polizeicomputer abgerufen wurden. Aber klar, sind alles wieder nur „Einzelfälle“ … [Karl]

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