Bürgermeisterwahl in Rendsburg

Bürgermeisterwahl in Rendsburg – das scheint ja nun ein ziemlich lokales Thema zu sein. Ist es eigentlich auch, allerdings ist diese Wahl nun mal wieder so bezeichnend und zeigt gut auf, was in unserer Demokratie komplett verkehrt läuft – immerhin mit dem Resultat, dass diejenigen immer wieder gewählt werden, die unseren Planeten gerade mit Vollgas an die Wand fahren.

Doch erst mal zur Wahl selbst. Die gestaltete sich recht übersichtlich, denn es standen nur zwei Personen zur Wahl: der seit acht Jahren regierende Bürgermeister Pierre Gilgenast (SPD) und die parteilose Herausfordererin Janet Sönnichsen, die allerdings von Grünen, FDP, CDU und dem Südschleswiger Wählerverband (SSW) unterstützt wurde.

Für mich war die Sachen natürlich klar, wen ich wählen würde, denn obwohl ich nun für die SPD nicht eben große Sympathien hege, so geht ja jemand, der mit den AfD-Freunden von der FDP und CDU zusammengluckt, schon mal gar nicht.

Und wenn man sich so in Rendsburg mal umhört, was die Menschen so umtreibt, dann ist das vor allem auch immer eine Sache, die erwähnt wird: Die Innenstadt hat viel Leerstand und verödet zunehmend – ein Schicksal, was viele kleinere und mittlere Städte teilen. Ich finde das auch sehr schade, solange allerdings Konzerne wie Amazon von der Politik hofiert werden, indem sie beispielsweise so gut wie keine Steuern zahlen müssen, ist das eben auch unvermeidlich. Das Konsumäffchen schaut halt nur auf bequem und billig und interessiert sich selten für die weiterführenden Folgen seines Tuns.

Und was machen die Rendsburger nun also bei der Bürgermeisterwahl?

Zunächst mal gehen die allermeisten nicht hin. Eine Wahlbeteiligung von etwa 36 Prozent ist nun schon extrem kümmerlich und zeugt von reichlich Desinteresse, um nicht zu sagen Ignoranz. Meckern und sich aufregen, das ist immer schön, aber dann wenigstens mal den Hintern am Sonntag vom vollgekofferten Sofa hochbekommen und zur Wahl gehen, das ist dann anscheinend für die meisten schon wieder zu viel.

Und diejenigen, die dann gewählt haben, haben zu etwa 68 Prozent Janet Sönnichsen gewählt. Also eine Frau, die von zwei Parteien unterstützt wird, deren Politik in erster Linie für den desolaten Zustand vieler deutscher Innenstädte verantwortlich ist. Hmmm … ob das wohl eine gute Idee ist, um dieses Problem in Rendsburg auch zu lösen?

Doch nicht nur bei den Wählern, auch bei Sönnichsen selbst scheint es hier am politischen Verständnis zu hapern. So meint sie nach der Wahl laut einem Artikel vom NDR:

„Ich glaube, das, was die Menschen wirklich bedrückt, sind Probleme wie zum Beispiel: Wo finde ich meinen Hausarzt? Wir haben ein riesen hausärztliches Problem hier in Rendsburg, und das werde ich auch als erstes angehen.“

Offensichtlich hat die Gute sich noch nie so richtig damit beschäftigt, wieso es denn gerade in ländlichen Gebieten einen Ärztemangel gibt. Das hat beispielsweise nicht wenig mit den Fallpauschalen zu tun, und daran wird man mit der CDU und der FDP ganz sicher nichts ändern, denn die finden solche „Marktmechanismen“ ja ganz super.

Aber immerhin übt sich Sönnichsen ja schon mal mit ihrer Aussage ein bisschen in Populismus, und das passt dann ja doch wieder recht gut zu CDU und FDP …

Eine Demokratie funktioniert dann, wenn die Bürger mündig, politisch interessiert und zumindest in einem Mindestmaß engagiert sind. Was nun leider bei dieser Bürgermeisterschaftswahl in Rendsburg zu einem viel zu großen Teil nicht der Fall war.

Die Menschen erkennen die Probleme, sie werden ja oft genug auch alltäglich damit konfrontiert, und dann wählen sie entweder gar nicht oder überwiegend diejenigen, die diese Probleme nicht nur nicht lösen werden, sondern die auch oft genug ursächlich dafür verantwortlich sind.

Tja, dumm gelaufen. Oder anders gesagt: Das mit der Demokratie ist schon eine sehr gute Idee, die Umsetzung gestaltet sich nur leider ausgesprochen mangelhaft.

Und so gilt im Kleinen wie im Großen: immer schön weiter mit Vollgas in den Abgrund.

Oder wie schon vor etwa 30 Jahren ein Freund von mir meinte: „Alle Macht dem Volke? Gib denen mal lieber erst mal Hirn …“

Q. e. d.

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

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