Teile und herrsche

Maas macht mobil – und zwar darin, die Menschen gegeneinander aufzubringen.

Heiko Maas, bisher vor allem durch seine zu kleinen Anzüge und seine damit einhergehende Notkonfirmandenoptik aufgefallen, aber zumindest inhaltlich noch nicht so richtig schlecht in Erscheinung getreten als Außenminister (eine der wenigen Ausnahmen im derzeitigen Gruselkabinett), hat einen Vorschlag gemacht, der zwar allenthalben für Kopfschütteln sorgt, allerdings schön aufzeigt, wie das Prinzip „Teile und herrsche“ funktioniert, das schon die ollen Römer kannten und praktizierten und das trotz aller ihm innewohnenden Schäbigkeit immer noch ein gern als Herrschaftsinstrument zur Anwendung kommt.

Maas meinte doch tatsächlich, dass gegen Covid-19 Geimpfte von den Grundrechtseinschränkungen ausgenommen werden sollten (s. hier) und wieder Gastronomie und Kulturveranstaltungen besuchen dürften.

Mal davon abgesehen, dass ich mich frage, was das nun mit seinem Ressort als Außenminister zu tun hat, müsste ihm doch klar gewesen sein, dass so ein Vorschlag vollkommener Blödsinn ist.

Man muss ja nur mal schauen, wer bisher geimpft wurde, und das sind alte Menschen und medizinisches Personal. Erstere sind jetzt (so einfach mal nach meinem Bauchgefühl beurteilt) nicht so wirklich die derben Pistengänger. Letztere sind zurzeit noch im hohen Maße aufgrund der zahlreichen Covid-19-Patienten arbeitstechnisch be-, wenn nicht gar überlastet, sodass ich mir vorstellen könnte, dass abends eher Füßehochlegen auf der Couch als noch mal ein bisschen Um-die-Häuser-Ziehen angesagt ist.

Was das Groteske an Maas‘ Vorschlag dann noch mal auf die Spitze treibt: Wer soll denn die Gastro- und Kulturbetriebe öffnen und dort für die geimpften Kunden da sein? Senioren über 80 und medizinisches Personal etwa? Alle anderen sind ja bisher nicht geimpft worden, sodass sie ja schlecht aufgrund der Infektionsgefahr (wenn man denn der dem Lockdown zugrunde liegenden Logik folgen möchte) Restaurants, Kinos, Theater usw. öffnen und dort tätig sein können.

Klar, Maas erntet nicht eben viel Zustimmung für seinen – mit Verlaub – idiotischen Vorschlag, aber wir wissen doch, wie so was funktioniert: Ist eine Idee erst mal in der Welt, gibt es immer jemanden, der sie wieder aufgreift, auch wenn sie noch so unsinnig ist.

Und so macht Maas, und das scheint mir das Hauptanliegen von ihm in diesem Fall zu sein, eine weitere Abteilung des Teile-und-herrsche-Spiels auf: Nach Deutsche gegen Ausländer, Christen gegen Muslime, Jung gegen Alt, Mann gegen Frau und Arbeitende gegen Arbeitslose gibt es nun auch noch Nichtgeimpfte gegen Geimpfte.

Wer sich also fragt, woher die immer wieder katzenjammerig beklagte Spaltung der Gesellschaft herrührt: Teile und herrsche hat wohl einen sehr großen, wenn nicht gar den größten Anteil daran – und damit sehr direkt unsere Regierungspolitiker.

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

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