Ehrliche Werbung wäre doch zu schön …

Neulich wurde mir irgendwo online eine Werbeanzeige von der neoliberalen Lobbyorganisation Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) präsentiert, und ich habe es leider nicht geschafft, schnell genug daran vorbeizuschauen. O. k., war nun vielleicht auch nicht so schlecht, denn nach einem kurzen Anflug von Übelkeit offenbarte das doch letztlich, auf welche plumpe Weise die Covid-19-Pandemie mittlerweile für neoliberale Agitation verwendet wird.

Damit Ihr jetzt auch alle wisst, wovon ich spreche, hier ein Screenshot von dieser Werbung:

Da kann man natürlich gleich in mehrfacher Hinsicht aus dem Kopfschütteln nicht mehr herauskommen.

Es ist ja nicht nur so, dass nun gerade die INSM viel dazu beigetragen hat mit ihrer Propaganda und ihrem Lobbyeinfluss, das Soziale in unserer Marktwirtschaft zunehmend zu zerstören, indem sie beispielsweise ganz vorn mit dabei war, die Demontage der gesetzlichen Rente, was ja zu einem erheblichen Anstieg der Altersarmut geführt hat, voranzutreiben, und nach wie vor das Hartz-IV-Regime eine richtig tolle Sache findet.

Insofern ist es nicht nur ein Hohn, dass nun gerade die INSM von „Sozialer Marktwirtschaft“ schwafelt, sondern geht eben auch komplett an der Realität vorbei, denn unsere derzeitige Marktwirtschaft ist nicht mehr sonderlich sozial.

Darüber hinaus fehlt natürlich auch jeder Anflug eines kritischen Bewusstseins, dass es vielleicht gerade die von der INSM propagierte neoliberale Marktwirtschaft sein könnte, die überhaupt erst dafür gesorgt hat, dass es zu so einer Pandemie kommt. Stichwort Artensterben und Zerstörung von Ökosystemen, denn Covid-19 ist ja schließlich nicht einfach so vom Himmel gefallen. Na gut, das ist nun vermutlich schon wieder etwas zu komplex für die doch durchgehend simpel gestrickten BWL-Geister bei der INSM … sollte aber dennoch zumindest mal erwähnt werden.

Das Schöne daran, wobei das dann natürlich auch einen recht bitteren Beigeschmack hat: Diese dummdreiste Großmäuligkeit hat sich ja nun als ziemlicher Rohrkrepierer erwiesen, weil nämlich der ach so tolle Markt es dann doch nicht hinbekommen hat, für eine zügige Produktion und Verteilung des Impfstoffes zu sorgen. Lieferzusagen mussten mittlerweile sogar zurückgenommen werden, und es zeigt sich nur allzu deutlich, dass die Mechanismen der marktwirtschaftlichen Denke nicht dafür sorgen, das Allgemeinwohl zu stärken, sondern eben immer nur den eigenen Profit zum Ziel haben. Und der ist nun mal nicht kompatibel mit einer schnellen Durchimpfung der Bevölkerung – die Kuh soll halt möglichst lange gemolken werden.

Insofern wäre es da doch nun mal angebracht, wenn man denn bei der INSM auch nur einen Funken von Format hätte, eine etwas revidierte Variante dieser Anzeige herauszubringen. Wie wäre es denn zum Beispiel hiermit?

Das wäre dann doch mal zumindest ehrlich und würde auf eine Reflexion des eigenen Standpunktes hindeuten.

Aber das ist ja das Dilemma: Ehrliche Werbung wäre zwar sehr schön, aber es gibt sie eben leider so gut wie nicht. Und schon gar nicht von solchen ideologischen Betonköpfen wie den Typen von der INSM …

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

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