Heuchler!

Gerade sag ich auf der Facebook-Wall von Cem Özdemir (Grüne) ein Posting, indem er um die Opfer des NSU trauert und weitergehende Aufklärung einfordert. War da nicht gerade was mit dem NSU und den Grünen?

Doch zunächst mal das schön gestellte PR-Foto mit dem Originalwortlaut als Screenshot:

Nun muss man dazu sagen, dass Özdemir ja nicht einfach irgendein Regionalpolitiker oder Hinterbänkler seiner Partei ist, sondern zum einen seit viele Jahren Bundestagsabgeordneter, davon von 2008 bis 2018 Parteivorsitzender – und es scheint mir nicht unwahrscheinlich, dass er in einer Bundesregierung, an der die Grünen beteiligt sind, auch einen Ministerposten einnehmen könnte.

Nun hat gerade vor zwei Wochen seine eigene Partei als Teil der schwarz-grünen Koalition in Hessen entschieden, dass die NSU-Akten, die ja für so eine Aufklärung, wie Özdemir sie fordert, recht wichtig wären, weiter geheim und damit der Öffentlichkeit vorenthalten bleiben (s. hier).

Klar, die Bundespartei ist nicht der hessische Landesverband, aber eine so vollkommen konträre Haltung zu ein und demselben Thema kann man dann, wie ich finde, durchaus schon mal als etwas heuchlerisch und scheinheilig bezeichnen. Oder nicht etwas, sondern mehr als reichlich.

Tja, so ist das mit den Grünen: Wer gerade mal nichts zu entscheiden hat, betreibt schöne Imagepflege für die Öffentlichkeit, und diejenigen, die in Regierungsverantwortung sind, machen das genaue Gegenteil davon. Das ist übrigens nichts Neues, in Hamburg (Bau der Dreckschleuder Moorburg, Elbvertiefung), Hessen (Rodung des Dannenröder Forsts, Flughafen Ausbau) und Baden-Württemberg (Politik direkt aus dem Rektum von Daimler-Benz) können die Bürger ein Lied davon singen.

Nur ist der zeitliche Abstand zwischen den schönen Worten der Grünen und ihrem tatsächlichen Regierungshandeln meistens dann doch etwas länger als gerade in diesem Fall. Und genau vor diesem Hintergrund sollte man auch die schönen Worte, die zurzeit von den Grünen im Wahlkampf postuliert werden, beurteilen. In einer Koalition mit der CDU/CSU (oder vielleicht sogar nicht mit der FDP mit an Bord), auf die es ja wohl hinauslaufen wird, würde m. E. nämlich vor allem ein „Weiter so“ praktiziert werden.

Wer also wirklich Klima- und Umweltschutz möchte, der sollte nicht die Heuchlertruppe von den Grünen wählen und auf deren clevere und chic designte Öko-Populismus-PR reinfallen.

Ach ja: Als Angehöriger der NSU-Opfer würde ich in jedem Fall Özdemirs Schmierentheater als blanken Hohn wahrnehmen …

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

Ein Gedanke zu „Heuchler!“

  1. Haha, das feiere ich: „Politik direkt aus dem Rektum von Daimler-Benz“. Joschka Fischer ist ja auch schon mit der Autolobby (BMW) am Start. So ist es eben: Jung sind wir Menschen voller Tatendrang und wollen die Welt verändern und kaum haben wir uns einen Wanzt angefressen, geht es nur noch darum ein möglichst großes Stück vom Kuchen in den nimmersatten Schlund zu bekommen. Wir widern mich an …

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