Steigende Inzidenzwerte

Zurzeit steigen ja die Inzidenzwerte der Covid-19-Erkrankungen wieder leicht an. Ich finde das nicht ansatzweise verwunderlich, denn das liegt m. E. in der Natur der Sache, wenn man bedenkt, dass gerade in etlichen Bundesländern Schulferien sind.

Und was machen viele Leute in den Ferien? Genau, sie verreisen. Wozu nun in den meisten Fällen Corona-Schnelltests notwendig sind.

Was man dabei berücksichtigen muss: Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern, die ja in der Regel auch noch nich allzu alt sind, sind jetzt nicht gerade die Bevölkerungsgruppe, die überdurchschnittlich viel geimpft worden sein dürfte. Also haben diese Menschen nicht nur ein höheres Risiko, eine Covid-19-Infektion aufzuweisen, sondern müssen sich auch ständig testen lassen, wenn sie beispielsweise in ein Restaurant oder ins Schwimmbad gehen oder Ähnliches machen, was man eben im Urlaub häufiger macht als sonst.

Und was passiert, wenn mehr Menschen getestet werden, konnten wir ja bereits im März mit der sogenannten dritten Welle erleben – was ich auch damals Ende Februar in einem Artikel genau so prognostizierte.

Wundert es also irgendjemanden ernsthaft, dass gerade die Inzidenzwerte wieder ein bisschen ansteigen?

Viele derjenigen, die nun positiv getestet werde, dürften zudem wohl auch symptomlos erkrankt sein, sodass die sonst überhaupt gar nicht als Infizierte aufgefallen wären. Zumindest ist die Lage auf den Intensivstationen noch sehr entspannt, und auch die Zahl der Verstorbenen geht kontinuierlich weiter runter (s. hier) – auch wenn die natürlich immer einen gewissen zeitlichen Abstand zur Zahl der Infizierten aufweist. Diese Zahlen sollte man aber in jedem Fall immer zusammen mit den Inzidenzwerten im Blick haben, da sie darüber Auskunft geben, wie ernsthaft denn tatsächlich gerade die Gesundheit der Menschen gefährdet ist. Wurde ja nur leider bisher kaum gemacht – und wird wohl jetzt wieder nicht der Fall sein, wenn ich mir anschaue, wie sehr schon wieder ausschließlich auf den Inzidenzwert fokussiert wird.

Was noch hinzukommt: Viele verreisen ja leider immer noch mit dem Flugzeug, was nicht nur aus ökologischen Gründen nicht erfreulich ist, sondern eben auch in Zeiten einer Pandemie nicht so richtig pfiffig daherkommt. Immerhin haben wir ja zu Beginn der Pandemie Anfang 2020 gesehen, welcher Treiber Flugreisen für deren Verbreitung sind. Klar: In Flugzeugen sitzen die Menschen ziemlich dich gedrängt, und zwischendurch mal eben durchzulüften haut ja auch nicht so wirklich gut hin.

Jetzt mag man einwenden, dass es im letzten Sommer ja auch Ferienzeit mit Urlaubsreise gab und da die Inzidenzwerte nicht hochgegangen sind. Der Unterschied zum letzten Jahr ist nur: Jetzt wird umfassend getestet. Im letzten Jahr dürften sich die Touristen genauso infiziert haben wie jetzt, nur ist das eben bei weitgehend symptomlosen Verläufen, die für jüngere Menschen typisch sind, niemandem aufgefallen. Allerdings dürfte das dann ein Teil der Basis dafür gewesen sein, dass im Herbst dann die „zweite Welle“ losging.

Und ich tippe mal, dass das in diesem Herbst auch wieder der Fall sein wird. Das hat zum einen klimatische Gründe, zum anderen werden wir auch in den Herbstferien wieder eine Reisewelle erleben, vielleicht sogar noch stärker aufs Fliegen ausgerichtet, da man im Oktober hier in Deutschland ja eher nicht mehr so warme Temperaturen hat, die viele im Urlaub gern haben möchten.

Wobei natürlich so eine weitere „Herbstwelle“ einigen Politikern auch durchaus gelegen kommen dürfte, denn schließlich werden dann ja gerade die Koalitionsverhandlungen stattfinden nach der Bundestagswahl am 26. September. Und vielleicht ist es einigen da nicht unangenehm, wenn die Bevölkerung vor allem mit etwas anderem beschäftigt ist, sodass niemand so genau hinschaut, was denn da ausbaldowert wird.

Dass gerade in Kreisen der CDU diese Pandemie hemmungslos genutzt wurde, um die eigene politische Agenda voranzubringen oder auch ganz schnöde den eigenen finanziellen Vorteil zu ergreifen (Stichwort Maskendeals), ist ja nun in den letzten eineinhalb Jahren sehr offensichtlich geworden …

Aber das ist natürlich erst mal nur Spekulation auf Zukünftiges. Aktuell lasse ich mich in jedem Fall durch die leicht ansteigenden Inzidenzwerte nicht verrückt machen, sondern sehe diese als logische Konsequenz der Schulferien. Und hoffe, dass die Impfungen vorangehen und dann auch im Wesentlichen vor schweren Verläufen schützen – gerade auch mit Blick auf den Herbst.

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

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