Nutznießer – mal wieder

Zu Beginn der Corona-Pandemie schrieb ich einen Artikel über die mutmaßlichen Nutznießer dieser Krise, und das hat sich in weiter Teilen dann auch genau so bewahrheitet. Nun ebbt die Pandemie langsam ab und könnte bald in den endemischen Zustand übergehen, da steht auch schon die nächste Krise ins Haus: der Krieg in der Ukraine. Und wieder einmal zeigt es sich, dass es etliche Profiteure dieses furchtbaren Krieges gibt – wenig überraschend mit doch deutlichen Überschneidungen mit den Covid-Nutznießern.

Rüstungsindustrie

Dass die Waffenhersteller von einem Krieg profitieren, ist ja grundsätzlich nicht verwunderlich, allerdings geht es hier ja nicht nur um die Waffen, die tatsächlich zum Einsatz kommen und nun ins Kriegsgebiet geliefert werden, sondern auch um die, die aufgrund des Krieges zur Verhinderung zukünftiger (vermeintlicher) Bedrohungslagen in den nächsten Jahren zusätzlich geordert werden. Und da hat die Bundesregierung sich ja nicht lumpen lassen und will zu einem eh schon seit Jahren sehr hohen Militäretat noch mal 100 Milliarden Euro extra raustun.

Warum nun die Bundeswehr, die bisher mit etwa 50 Milliarden Euro im Jahr nicht vernünftig umgehen konnte, dies nun mit weiteren 100 Milliarden können sollte, erschließt sich mir dabei allerdings nicht. Aber egal, bei den Rüstungskonzernen, die ja auch viel Geld für Lobbyismus und schicke Pöstchen für Ex-Politiker ausgeben (s. hier), knallen in jedem Fall die Champagner-Korken!

Und ganz nebenbei ist man mittlerweile sogar schon so dreist geworden, dass man diesen Krieg dafür benutzt, um sich von der EU als besonders sozial nachhaltig einstufen zu lassen (s. hier) …

Mineralölindustrie

Kurz nach Beginn des russischen Einmarsches in der Ukraine schossen die Spritpreise in die Höhe, angeblich weil das Rohöl ja teurer geworden sei. Klar, „Putin macht das Benzin teuer“ ist ja auch eine tolle Erzählung, allerdings eben auch nicht ganz richtig. Die eigentlichen Nutznießer davon waren nämlich die Mineralölkonzerne, was spätestens dann deutlich wurde, als die Preise an den Tankstellen nicht so richtig wieder runtergingen, obwohl der Rohlölpreis schon wieder auf Vorkriegsniveau war (s. hier).

Die Pendler, die auf das Auto angewiesen sind, um zur Arbeit zu kommen (oft genug gibt es ja keine öffentlichen Verkehrsmittel als taugliche Alternative), dürfen dann also die üppigen Profite der Ölkonzerne bezahlen. Schön, wenn man mit einem geschäftlichen Auslaufmodell dann noch mal so richtig fett Kasse machen kann!

Fracking-Gas-Unternehmen

Nun soll ja kein Erdgas mehr aus Russland importiert werden, und die Gaspipeline Nordstream 2 wurde ja auch erst mal auf Eis gelegt. Da die deutsche Wirtschaft aufgrund der in 16 Merkel-Jahren verschlafenen und sabotierten Energiewende allerdings immer noch in hohem Maße auf Erdgas angewiesen ist, muss das Zeug eben woanders herkommen.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat deswegen ja auch schon bei den Kopf-ab-Despoten in Katar vorgesprochen, allerdings ist das ja auch ein bisschen weiter weg als Russland, sodass das Gas nicht so einfach hierher gelangt. Zudem kam ja auch die berechtigte Frage auf, ob das denn nun so viel geilere Typen sind als die Putin-Russen …

Also hat Habeck sein Lieblingsprojekt wieder massiv aufgewärmt, was er schon als Umweltminister in Schleswig-Holstein mit Inbrunst verfolgt hat: die LNG-Terminals in Brunsbüttel (s. hier), mit denen dann schön dreckiges Fracking-Gas aus den USA importiert werden kann. Die freuen sich nämlich auch gerade wie Bolle, dass sie den Mist nun endlich loswerden können, denn das war zuletzt nicht eben ein Exportschlager. Aber jetzt, wo das russische Gas ja nicht mehr gekauft werden soll, bieten sich da natürlich tolle neue Absatzmöglichkeiten.

Agrarindustrie

Auch die Lebensmittelpreise steigen, und da Russland und die Ukraine als Exporteure von Weizen, aber auch Düngemittel eine wichtige Position im Weltmarkt einnehmen, ergeben sich da nun Engpässe.

Nun könnte man überlegen, dass es sinnvoll sein könnte, weniger Weizen an Zuchttiere zu verfüttern und die Menschen zu mehr pflanzlicher Ernährung zu animieren, aber man könnte auch einfach am bisherigen Geschäftsmodell festhalten, auch wenn dies schädlich für die Umwelt, das Klima und die Artenvielfalt ist, und darauf bestehen, dass dies noch uneingeschränkt so fortgeführt werden muss.

Genau das macht die Agrarindustrie gerade, und das leider auch noch mit Erfolg, sodass die EU ein geplantes neues Gesetz zum reduzierten Pestizideinsatz erst mal verschoben hat (s. hier). Dass unser aktuelles landwirtschaftliches System überhaupt derartig anfällig aufgrund von Konflikten in anderen Ländern ist und daher vielleicht mal deutlich verändert werden sollte – geschenkt! Einfach so weitermachen, das freut die Umsätze!

Nahrungsmittelspekulanten

Und wenn ordentlich was los ist mit Preissteigerungen und Preissenkungen, dann freuen sich auch immer wieder die Profispekulanten, die im Börsencasino genau auf so was wetten. Dass das in hohem Maße unmoralisch ist, da s0 der Hunger in anderen Regionen der Welt verschärft wird, interessiert dabei nicht die Bohne – an diesen ekligen Zusammenhang haben wir uns leider schon hinreichend gewöhnt, denn das ist ja seit einigen Jahren bereits bekannt (s. hier).

TTIP-Fans

Dass das Freihandelsabkommen TTIP zwischen den USA und der EU vor einigen Jahren nicht zustande gekommen ist, sorgte bei allen, die ein Herz für Verbraucher- und Umweltschutz sowie für Rechtsstaatlichkeit haben, für große Erleichterung.

Nun wittern allerdings die TTIP-Apologeten wieder Morgenluft, denn aufgrund der wegfallenden oder eingeschränkten Handelsbeziehungen mit Russland muss ja nun Ersatz her. Und da ist es dann auch nicht verwunderlich, dass gerade vonseiten der FDP TTIP wieder aus der Mottenkiste geholt wird (s. hier).

Dass dabei dann pathetisch auf geteilte und bekämpfte Werte abgestellt wird, ist an Zynismus kaum noch zu überbieten, denn gerade bei TTIP geht es ja nun überhaupt nicht um universelle Werte wie Menschenrechte, Umweltschutz oder Klimaschutz, sondern ausschließlich um größere Profite für Konzerne. Na ja, vielleicht meinen Bundesfinanzminister Christian Lindner und Bundesjustizminister Marco Buschmann ja genau das damit – zuzutrauen ist FDPlern und ihrer primitive Weltsicht so was ja allemal.

Vermögende mit Personalbedarf

Reiche Menschen haben häufig Personal im Haus, was sie allerdings gern auch mal nicht so gut bezahlen. Dafür haben sich bisher vor allem Frauen aus Rumänien und Polen angeboten, die gerade in der Pflegebranche für teilweise sehr geringe Löhne angestellt waren. Nun kommen jede Menge Ukrainerinnen ins Land, die auch sofort mit dem Arbeiten loslegen dürfen und zudem für noch weniger Geld diese Tätigkeiten übernehmen werden (s. hier).

Und abends begibt sich der Herr des Hauses dann noch mal in ein anrüchiges Etablissement, wo es nun auch reichlich frischen Nachschub an Damen aus der Ukraine gibt, die ihm dort zu Gefallen sind (s. hier) …

Konservative und Reaktionäre

Der Rechtsruck, der in den letzten Jahren ja schon deutlich in unserer Gesellschaft und Politik zu beobachten war und der im Zuge der Corona-Pandemie noch mal reichlich an Fahrt aufgenommen hat (s. hier), wird gerade auch noch mal so richtig befeuert durch den Krieg in der Ukraine.

Klar, zum einen hat man ja ein schönes Feindbild: der Russe! Und das ist für Konservative immer nützlich und wird von ihnen gern gesehen, da man so nicht auf die Untauglichkeit der eigenen politischen Konzepte fokussieren muss, sondern auf jemand anderen verweisen kann.

Dazu kommt dann, dass nun, nachdem Covid-19 weitgehend seinen Schrecken verloren hat, etwas anderes den Platz einnimmt, um die Menschen in Angst zu versetzen. Ängstliche Menschen lassen sich eben leichter regieren, und Angst derart politisch zu instrumentalisieren ist ja eine Paradedisziplin von Konservativen bis Rechtsextremen.

Besonders beliebt in solchen Kreisen ist ja auch der Hang zum Rassismus und Sexismus, und beides feiert nun auch gerade fröhlich Urständ, wie beispielsweise Emran Feroz in einem Artikel auf Über Medien und Margarete Stokowski in ihrer Kolumne auf Spiegel Online beschreiben. Da werden Ressentiments, Klischees und Herabwürdigungen wieder wie selbstverständlich öffentlich geäußert, die man eigentlich schon lange in der diskursiven Mottenkiste wähnte, wo sie ja auch hingehören. Und solche sprachlichen Veränderungen schlagen sich dann ja eben auch oftmals im Denken nieder, und zwar nicht nur bei denen, die eh schon so drauf sind, sondern auch bei anderen, die damit konfrontiert werden.

Klimaschutzblockierer

Klimawandel? Nee, jetzt ist erst mal Krieg!

Diesen Eindruck bekomme ich zunehmend in Diskussionen, beispielsweise in sozialen Medien. Wie oben schon beschrieben, wittern ja all diejenigen, die seit Jahren dafür sorgen, dass wir auf eine Klimakatastrophe zuschlittern (oder schon mittendrin sind), gerade reichlich Morgenluft: Rüstungsindustrie und Militärfanatiker, die Fossile-Energien-Branche, die industrialisierte Landwirtschaft – alle versuchen sie nun, ihre schädlichen Geschäftsmodelle noch weiter aufrechtzuerhalten oder sogar auszubauen.

Und bei der nahezu ausschließlichen Fokussierung auf den Ukraine-Krieg, die in vielen Medien stattfindet, verblassen ja auch alle anderen Themen, dafür ist dann einfach keine Wahrnehmungskapazität mehr bei vielen vorhanden.

Dabei sollte uns klar sein: Wenn dieser Krieg (hoffentlich bald) vorbei ist, dann steht uns immer noch die größte Herausforderung der Menschheitsgeschichte ins Haus. Und das wird nicht einfacher sein, damit auch nur ansatzweise adäquat umzugehen, wenn wir nun weitere Zeit in puncto Klimaschutz vertrödeln. Aber leider sieht es ja genau so gerade aus – ist ja schließlich Krieg …

Obrigkeitshörigkeit

Dazu hab ich ja gerade vor etwa drei Wochen schon mal einen Artikel geschrieben, dennoch sollte das hier in diesem Kontext auch zumindest noch mal erwähnt werden. Hierbei gibt es natürlich Überschneidungen mit der gesellschaftlichen Bewegung hin zu konservativen und rechten Einstellungen wie auch mit der zunehmenden (teils sehr berechtigten, teils auch geschürten) Angst.

 

Und wenn man sich nun die hier aufgeführten Profiteure so anschaut, so sind das doch im Grunde schon sehr ähnliche und zum Teil gleiche Kreise wie auch schon bei Covid-19: Konzerne, Vermögende, Spekulanten, rückwärts gewandte Politiker und Ewiggestrige.

Passend dazu: Die Corona-Maßnahmen werden zurzeit ja gerade weitgehend aufgehoben (auch wenn bezüglich der Freiwilligkeit der Quarantäne bei Erkrankungen ja wieder ein wenig zurückgerudert wurde; s. hier), denn die braucht man nun nicht mehr, da jetzt der Ukraine-Krieg genutzt wird, um die eigene Agenda durchzusetzen, die Menschen in Angst zu versetzen und die „üblichen Verdächtigen“ ihre Profite einstreichen zu lassen.

Und auch daran zeigt sich eine weitere Parallele zu Corona: Es ging nicht und es geht nicht um die Sicherheit, die Gesundheit und das Leben der Menschen …

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

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