Attentate von Brüssel

Wenn man einen politischen Blog betreibt, dann fühlt man sich ja schon ein bisschen genötigt, zu den gestrigen Terroranschlägen von Brüssel etwas zu schreiben. Das Problem ist nur: Ich weiß partout nicht, was ich anderes dazu feststellen sollte, als das, was ich schon vor einigen Monaten bei den Anschlägen von Paris schrieb

So richtig geändert hat sich ja seitdem auch nichts. Gut, Deutschland ist nun in Syrien mit Soldaten mittendrin im Geschehen (wenn auch nur in der Luft), deutsche Firmen verkaufen weiter munter Waffen an die ideologischen und materiellen Unterstützer des IS in Saudi-Arabien, und zudem wurde noch ein menschenrechtlich mehr als bedenklicher schmutziger Deal zwischen der EU und der Türkei geschlossen, bei dem das Erdogan-Regime (dem IS ja anscheinend auch nicht ganz abgeneigt) für eine Art Türsteherposten gegen die Flüchtlinge Milliarden offeriert wurden. Das alles dürfte den Hass von IS-Terroristen und die Legitimation von deren Weltbild eher noch gesteigert haben.

Die Reaktionen sind zumindest ähnlich, wenn auch nicht ganz so stark wie bei den Pariser Attentaten. Vermutlich gewöhnt sich die Masse einfach langsam daran, dass auch hier in Europa alle paar Monate mal ein Bombenanschlag stattfindet. Die rechten Hetzer posaunen wieder ihren Hass gegen Flüchtlinge heraus, für die ist das natürlich ein gefundenes Fressen. Dass die Attentäter dabei wieder keine Flüchtlinge waren, sondern mit dem Flugzeug nach Belgien gereist sind, dort schon vorher lebten und zudem sogar polizeibekannt waren (wie der Standard berichtet), ist nicht nur AfD und Co. vollkommen egal, sondern zeigt auch, dass die belgischen Sicherheitsbehörden anscheinend ähnlich schlecht auf Zack sind wie die französischen. Aber trotzdem dürfte nun auch nach mehr Überwachung usw. geschrien werden – egal, ob das bisher was gebracht hat oder nicht, es passt ja halt gerade so schön.

Es steht also zu befürchten, dass aus diesen erneuten Anschlägen genauso wenig gelernt wird wie aus denen vom 13. November. Es wird weiter Wasser auf die Mühlen der Islamisten gegossen, diese werden sich weiter bestätigt fühlen und ihre Taktik weiterverfolgen, da diese sich als erfolgreich erweist. Also alles beim Alten …

Die Leidtragenden sind natürlich die Opfer von Brüssel und deren Angehörige, die einfach wieder zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Diesen Menschen gebührt unser Beileid und unsere Anteilname – genauso wie den zukünftigen Opfern, die aufgrund der betonköpfigen Verbohrtheit unserer politischen Elite zu betrauern sein werden. Und in vermutlich nicht allzu ferner Zukunft werde ich dann hier wieder ähnliche Zeilen schreiben können …

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Er lebt seit vielen Jahren in Hamburg-St. Pauli. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

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