Die Deutschen haben genug von Merkel

So titelte zumindest ein Artikel im Tagesspiegel, den ich vorhin gelesen habe. Doch neben dieser Botschaft wirft der Bericht über eine Forsa-Umfrage für den Stern vor allem ein bezeichnendes Licht auf die derzeitige politische Kultur in unserem Land, wenn dort über die Unzufriedenheit mit der Kanzlerin bei gleichzeitiger Befürwortung einer schwarz-grünen Koalition geschrieben wird.

Es zeigt sich daran nämlich vor allem, dass viele Leute nur noch auf Schlagworte reagieren: Merkel weg – aber Schwarz-Grün wäre super. Ach ja? Ist es denn die SPD, die derzeit die Bundespolitik dominiert in der Großen Koalition oder ist es nicht vielmehr die CDU, die die SPD dazu bringt, alle ihre ursprünglichen Werte endgültig über Bord zu kübeln und damit bei unter 20 % zu landen? Was soll da also eine Koalition mit den Grünen ändern? Wohl eher gar nichts, aber zu mehr, als der alten Politik einen neuen Namen zu geben, reicht es bei den meisten Wählern anscheinend nicht.

Und dann muss man sich die Frage stellen, wen die CDU sonst aufstellen sollte, wenn nicht Merkel (die ich nun absolut nicht mag, aber das sollte man bei solchen Überlegungen mal außen vor lassen). Von der Leyen? Schäuble? De Maizière? Altmeier? Klöckner? Oder gar Seehofer oder irgendeinen anderen CSU-Hansel? Um Himmels willen, das wären wohl insgesamt alles keine Verbesserungen! Und ist denn bei der Opposition ein Kanzlerkandidat auszumachen? Sigmar Gabriel etwa? Oder noch mal der Versuch mit Steinmeier? Aber die SPD wollen die Wähler ja laut dem Artikel eh nicht mehr … Und von einer anderen Partei dürfte kaum jemand Aussichten haben, die nötigen Stimmen für eine Kanzlerschaft auf sich zu vereinigen.

Was vor allem bedenklich ist: Die immer weiter nach rechts abdriftende Politik der CDU wird anscheinend für gut befunden und nur Merkel als das Symbol (und mehr ist sie nicht, denn den Rechtsruck trägt sie inhaltlich ja auch voll mit) einer weltoffeneren Politik wird ins Kreuzfeuer der Kritik genommen.

Eine Politik, die von vielen (was solche Umfragen ja assoziieren) anscheinend als schlecht und falsch wahrgenommen wird, wird also nicht inhaltlich hinterfragt, sondern es wird ausschließlich an Personen festgemacht: Merkel ist doof, die SPD mit ihrem dicken Gabriel ist auch doof, also machen wir am besten so weiter wie bisher ohne die beiden und hoffen, dass sich dadurch irgendwas ändert.

Demokratie sollte eigentlich darauf basieren, dass mündige Bürger bewusste Wahlentscheidungen treffen. Davon sind wir, wie der Tagesspiegel-Artikel nahelegt, zurzeit leider sehr, sehr weit entfernt …

Druckansicht

Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Er lebt seit vielen Jahren in Hamburg-St. Pauli. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

Schreibe einen Kommentar