Zerschlagt die Konzerne

Mit diesem Motto waren schon unsere Eltern und Großeltern auf der Straße. Trotz der immer weiter sinnlos anschwellenden Produktpaletten hat man faktisch kaum eine Wahl, wenn es um den Hersteller geht. Das liegt einfach daran, dass kleinere Unternehmen bei erfolgreichem Agieren, sofort von größeren Unternehmen aufgekauft werden. Das wurde ja bereits 2014 durch eine Studie der ETH-Zürich bestätigt und bei diesem Artikel der Netzfrauen schon aufgearbeitet. Und wer sich mal ein wenig bei Lebensmitteln in Deutschland schlau macht, der merkt schnell: Ich kann fast nichts essen, dass nicht von Nestlé oder Kraftfood hergestellt wird.

Wer von uns kennt das nicht aus eigener Erfahrung: Ein brauchbares Unternehmen wird aufgekauft, und es gibt praktisch keine spürbaren Vorteile für den Verbraucher. Im Gegenteil: Es werden Mitarbeiter entlassen, und damit wird der Kundenservice oft schlechter. Häufig trifft es aber uns alle, auch wenn wir ein bestimmtes Produkt nicht benutzen oder konsumieren! Hier also ein paar Gründe, warum gerade bei Unternehmen „weniger oft mehr “ oder „Qualität der Quantität vorzuziehen“ ist:

Kundenservice und Stellenabbau

Eine der ersten Maßnahmen nach einer Fusionen oder dem Übernehmen eines Unternehmens: Stellenabbau. Das betrifft nicht nur die Logistik (Transport, Verwaltung, Werbung etc.), sondern auch gern den Kundenservice (telefonischer Support, Reklamationsannahme, Verkaufspersonal etc.). Während also die Gehälter und Boni der verbliebenen Manager in unrealistische Spähren abdriften, werden die Leute entlassen, die den Betrieb wirklich am Laufen halten. Das bedeutet: Im „Fachgeschäft“ sucht man vergeblich nach einem Ansprechpartner, man verbringt teilweise Stunden in der telefonischen Hotline (um anschließend an ungeschultes Personal zu gelangen, was stupide einen Fragebogen abarbeitet), und durch das Zusammenlegen werden gern auch noch Filialen geschlossen.

Produktionsstätten, Arbeitsschutz und Lohndumping

Was nicht durch Stellenabbau gespart wird, wird durch Verlagerung der Stellen „optimiert“. Zuerst werden Landesregierungen unter Druck gesetzt, um steuerliche Erleichterungen zu erzwingen, und der Belegschaft kann man mit solchen Drohungen ebenfalls Druck machen (siehe dazu auch hier auf unterströmt „Globale Konzerne vs. nationale Regierungen“). Durch die dann irgendwann doch kommende Verlagerung der Produktionsstätte verlängern sich Lieferwege (was die Umwelt zusätzlich belastet), und die regionalen Arbeitsplätze entfallen (was zur persönlichen Belastung werden kann und häufig Lohnersatz/Arbeitslosengeld aus den öffentlichen Kassen erfordert). Was diese Verlagerung in die Billiglohnländer für die Arbeiter(innen) vor Ort bedeutet, haben wir alle schon in den thailändischen Textilproduktionsstätten, den asiatischen Mobiltelefonzusammenschraubfabriken und bei den kongolesischen Kinderbergwerkbauarbeitern gesehen. Und einig Dinge treffen uns auch ganz persönlich: die Gifte in unseren Textilien und Spielzeugen, die im Produktionsland erlaubt oder geduldet werden, und die Zerstörung der Umwelt durch rücksichtslose Ausbeutung der Natur.

Steuern

Auch das ist ein Punkt, der genauso diejenigen betrifft, die ein Produkt nicht konsumieren: Steuerflucht. Da werden in Deutschland Milliardengewinne durch Großkonzerne wie Apple, Starbucks oder Fiat erzielt, und nur der geringste Teil davon wird in Deutschland versteuert. Das läuft häufig über Patent- oder Lizenzrechte, die an Tochterunternehmen in sogenannten Steueroasen gezahlt und so aus dem zu versteuernden Gewinn herausgerechnet werden. Die fehlenden Steuergelder betreffen das geschlossene Freibad in kleineren Orten genauso wie die seit Jahren nicht ausgebesserte Straße mit Schlaglöchern. Das betrifft die Kürzungen diverser Sozialleistungen und an Bildungseinrichtungen sowie die fehlenden Polizisten und Richter.

Fehlender Konkurrenzkampf und Produktvielfalt

Da wird immer von der Vielfalt durch den freien Markt geschwafelt, aber am Ende werfen Minister die Empfehlung eines Kartellamtes über den Haufen. Bei den Providern (Internet/Telefon) in Deutschland ist die Wahl eines regionalen Anbieters vielerorts nicht möglich, Ähnliches kann man über den Strommarkt behaupten (der sogenannte „Monopolismus“). Gerade hatten wir bei der Bandprobe einen herben Rückschlag hinzunehmen: Unser favorisiertes Flaschenbier wurde vom Konkurrenten aufgekauft und die Produktion in der Flasche eingestellt. Okay, ein etwas egoistisches Beispiel … ;)

 

Da wird immer von der „unsichtbaren Hand“ geschrieben, die den Markt kontrolliert, aber die gibt es nicht! Es gibt die unsichtbaren Großinvestoren und Aktionäre, die unersättlichen Finanzinstitute und Fondsmanager. Und dort geht es genau um einen einzigen Punkt: Profitmaximierung. Dabei spielen regionale oder nationale Interessen keine Rolle, sondern Rendite. Und das geht immer auf Kosten der Allgemeinheit.

 

Was kann ich da nun tun?

Das Konsumverhalten: Ist das neue Mobiltelefon wirklich nötig? Tut es der alte Staubsauger nicht auch prima und muss ich wirklich einen Quadrocopter haben, um damit zwei- bis dreimal zu spielen? Kann der Kaffee nicht auch in Ruhe im Büro getrunken werden anstatt „to go“? Wann hast Du das letzte Mal etwas „zur Reparatur“ gegeben, dessen Garantie lange abgelaufen ist?

Alternative Anbieter: Wenn man ein wenig im Internet sucht, gibt es zu vielen Produkten und Dienstleitungen auch alternative kleinere Anbieter (siehe z. B. hier auf unterströmt). Das bringt mich auch gleich zum nächsten Punkt …

Regional und nachhaltig kaufen: Gerade in puncto Lebensmittel ist der Besuch auf dem Wochenmarkt ein Erlebnis. Das regionale Einkaufen ist bei Elektroartikeln sicherlich kaum möglich, aber auch in Sachen Kleidung oder Schmuck, Schuhwerk oder Möbel gibt es oft regionale Anbieter. So kann man das Regal auch nach 20 Jahren noch weiterverkaufen oder vererben, anstatt „Billy“ beim Umzug zu verschrotten. Und der doppelt so teure Pullover aus dem Handwerksladen wird wertgeschätzt, ist einzigartig und hält achtmal so lange wie die Alternative von Kick oder C&A.

Sein Kreuz machen: Hier sitzt der indirekte Hebel, um weit mehr als seine wirtschaftlichen Interessen gewahrt zu wissen! Wenn ich ständig diese wirtschaftshörigen Großparteien mit meiner Stimme bei Wahlen unterstütze, dann bin ich auch mit schuld am Dilemma. Ich verweise zu gern auf den „Wahl-O-Mat“, um sich selbst einen besseren Überblick über die Deckungsgleichheit mit anderen (kleineren) Parteien zu verschaffen. Das ist schnell gemacht und verrät oft mehr, als das Lesen eines Parteiprogramms (wobei Letzteres meines Erachtens meistens wenig mit der Realpolitik der etablierten Großparteien zu tun hat und man auch den Wahl-O-Mat daher eher als Wegweiser nutzen sollte).

Und an das „eine Prozent“: Investiere Deine Millionen und Milliarden doch in etwas, das die Menschheit als Ganzes weiterbringt! Die Rendite über Bord werfen, trotzdem genug für ein angenehmes Leben haben, sich nicht mit den Geiern mit noch mehr Zaster messen und deshalb für einen weitaus größeren Teil der Menschen ein „cooler Typ“ sein (anstatt ein geldgeiler, geistloser, nimmersatter „Schlecht-Mensch“).

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Dirk

Jahrgang 1974, in erster Linie Teil dieser Welt und bewusst nicht fragmentiert und kategorisiert in Hamburger, Deutscher, Mann oder gar Mensch. Als selbstständiger IT-Dienstleister (Rechen-Leistung) immer an dem Inhalt und der Struktur von Informationen interessiert und leidenschaftlich gerne Spiegel für sich selbst und andere (als Vater von drei Kindern kommt dies auch familiär häufig zum Einsatz). Seit vielen Jahren überzeugter Vegetarier und trotzdem der Meinung: „Alles hat zwei Seiten, auch die Wurst hat zwei!“

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