Alle Jahre wieder – hetzt der Boulevard

Seit einem Monat stehen die Schokoweihnachtsmänner wieder in den Supermarktregalen, das ist dann immer ein Zeichen, dass es medial so langsam, aber sicher auf Weihnachten zugeht. Und wie auch schon in den letzten Jahren machen sich dann in den Medien Hetzgeschichten breit, die davon berichten, dass unsere christlichen Weihnachtsbräuche abgeschafft werden sollen, angeblich aus Rücksichtnahme auf muslimische Mitbürger. Und ebenfalls wie jedes Jahr, ist da auch dieses Mal wieder nichts dran …

So präsentiert OE24, das Onlineportal der österreichischen Boulevardzeitung Österreich, einen Artikel, in dem beschrieben wird, dass in einer Kassler Kita die Weihnachtsfeier angeblich abgesagt werden soll. Abgesehen davon, dass man sich nun fragen kann, warum eine österreichische Tageszeitung über eine Kassler Kita berichtet, so wird das in dem Artikel geschilderte in einem Interview mit der Kassler Stadträtin für Jugend, Schule, Frauen und Gesundheit auf dem Webportal der Stadt Kassel dann auch sogleich widerlegt.

An dieser Meldung ist also nichts dran. Man sollte nun allerdings nicht davon ausgehen, dass es sich dabei nur um eine Falschmeldung bzw. Ente handelt. Gerade der Boulevard in Form von BILD hat ja schon das eine oder andere Mal gezielt solchen Unwahrheiten verbreitet, um Stimmung zu machen, ich denke da nur an letztes Jahr, als BILDblog nachwies, dass Journalisten von Springers Hetzpostille bewusst Aussagen eines Politiker verfälscht hatten, um ihre Schlagzeile zu bekommen, dass nun angebliche Politiker (natürlich im Plural) fordern würden, dass in christlichen Weihnachtsgottesdiensten muslimisch Lieder gesungen werden sollten. Und im Jahr 2014 war es auch die BILD, die skandalisierend verkündete, dass nun in Berlin die Weihnachtsmärkte „Wintermarkt“ heißen sollten – und auch hier konnte BILDblog aufzeigen, dass nichts an dieser Meldung dran war.

Denn eines weiß man ja in den Redaktionsstuben sicher: Diejenigen, die immer „Lügenpresse“ bölken und alles anzweifeln, auch wenn es gut und aus mehreren Quellen belegt ist, glauben jeden widerlegbaren Mist sofort, wenn er ihrem Weltbild entspricht. Und schon sind solche Sachen im Umlauf und werden dann später wieder als Begründungen herangezogen („Ich hab mal gelesen, dass …“, „Wie jeder weiß …“), um rechte Standpunkte zu rechtfertigen. So arbeitet die Hetzpresse eben: Erst mal wird etwas in die Welt hinausposaunt, und wenn das später dann zurückgenommen oder eine Richtigstellung formuliert werden muss, dann interessiert das schon kaum noch jemanden, denn so was hat ja nicht den aufrührenden Charakter der ursprünglichen „Skandalmeldung“.

Dass gerade Printmedien, von denen schon journalistisches Führungspersonal in Form von Michael Klonovsky (Focus) und Nicolaus Fest (BILD) direkt zur AfD gewechselt ist, sich dabei hervortun, sollte auch niemanden wundern, oder? Ob bei der österreichischen Boulevardzeitung auch schon jemand für solche Artikel verantwortlich zeichnet, der entweder bereits das FPÖ-Parteibuch in der Tasche hat oder auf dem Sprung dorthin ist? Zu vermuten wäre das in jedem Fall …

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

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