Interessantes aus KW 38/2018

An dieser Stelle präsentieren wir regelmäßig Links, die wir unter der Woche entdeckt haben, zu denen wir selbst nicht mehr viel schreiben müssen und die wir teilenswert finden. Viel Spaß beim Lesen und Anschauen!

1. Auch diese Woche startet ttt (ARD) mit dem ersten Beitrag der wöchentlichen Hinweise. Ein sechsminütiger Bericht zeigt Zusammenhänge zwischen den Krisen unserer Zeit und zieht Parallelen zu historischen Krisen. So geht eine Finanzkrise immer einher mit einer Zeit der Unruhe in der Bevölkerung und Schuldzuweisungen an vermeintlich schwächere Bevölkerungsschichten. Gleich mehrere Autoren kommen zu Wort, es ist einfacher und verständlicher Stoff, und trotzdem wird es die pöbelnden Massen nicht erreichen. [Dirk]

2. Der AfD fällt es immer schwieriger, die Maske der bürgerlich-konservativen Demokraten zu wahren, die man ja so gern in der Öffentlichkeit präsentiert. In einem Artikel auf seiner Website beschreibt Schlecky Silberstein nämlich die Reaktionen der Rechtspartei auf ein Satirevideo, das er zum Thema Chemnitz mitproduziert hat: Zunächst wurde wider besseres Wissen die Fake-Meldung verbreitet, dass es sich dabei um die linksextreme Nachstellung einer rechten Demo zum Zwecke der Diskreditierung handele, danach wurden dann noch die Privatadressen derjenigen, die das Video gemacht haben, verbreitet. Resultat: Einschüchterung bis hin zur Morddrohung. Lügen und gegen freien Journalismus sowie kritische Kunst vorgehen – das ist ein Kennzeichen von Faschisten! [Karl]

3. Die Finanzkrise, die vor zehn Jahren ihren Anfang nahm, ist zurzeit der Anlass für einige gute Artikel und Analysen. So auch die Kolumne von Thomas Fricke auf Spiegel Online, in der er sich mit den generellen Ursachen und politischen Auswirkungen von Finanzkrisen beschäftigt. Und das ist schon reichlich interessant, denn das allgegenwärtige Erstarken von Rechtsparteien in viele Ländern ist genau so eine Folge. Und fatalerweise steuern wir nun auch schon auf den nächsten Crash zu, da der letzte ja doch für die meisten Länder noch einigermaßen glimpflich ausgegangen ist. Tolle Aussichten! [Karl]

4. Das ist ja echt nicht zu fassen! Ein Artikel vom NDR berichtet, dass die Bundeswehr bei extremer Trockenheit in einem Moor in der Nähe von Meepen unbedingt Krieg spielen und von einem Hubschrauber aus Raketen abfeuern musste – mit der Folge, dass der Torf zu brennen anfing und nun ein riesiger und kaum in den Griff zu bekommender Schwelbrand nicht nur eine Fläche von circa fünf Quadratkilometern zerstört hat, sondern eben auch noch dafür sorgte, dass einige Hunderttausend Tonnen CO2 in die Atmosphäre gepustet wurden. Bravo, Bundeswehr, habt Ihr toll hinbekommen, Ihr Honks! [Karl]

5. In einem gut vierminütigen Beitrag auf Deutschlandfunk Kultur (liegt dort auch in transkribierter Form vor) präsentiert der Ökonom Dirk Ehnts die Idee, dass der Staat nicht per Stabilitätspakt auf Teufel komm raus an einer Obergrenze für Staatsschulden oder gar einer „schwarzen Null“ festhalten sollte, sondern vielmehr stattdessen Geld in die Hand nehmen müsste, um Arbeitsplätze zu schaffen. Das wäre doch wirklich mal ein vernünftiges Setzen von richtigen Prioritäten, was nicht nur die Volkswirtschaft stärken, sondern auch vielen Menschen zugute käme. Auch wenn die neoliberalen Betonköpfe so was nicht hören wollen, so ist es doch gut und wichtig, solche Gedanken überhaupt mal öffentlich zu formulieren! [Karl]

6. In einem Interview mit Michael Hartmann in der Rhein-Neckar-Zeitung geht es um die sogenannten Eliten. Mit denen beschäftigt sich der Soziologe nämlich schon etwas länger, und nun legt er da, dass diese in ihre eigenen Blase leben und mittlerweile auch die Politik komplett unter ihre Fuchtel gebracht haben: Arbeiter gibt es in den Parlamenten kaum noch, dagegen überproportional viele mit Hochschulabschluss oder gleich aus vermögenden und einflussreichen Familien. So klüngelt man miteinander rum, schottet sich ab, macht Politik nur noch für seinesgleichen und entfernt sich stetig mehr vom Rest der Bevölkerung. Treffende Analyse! [Karl]

7. Keine Mittagspause, kein Handy, kein Facebook, keine privaten E-Mails, und die Mitarbeiter finden es gut? Ja, das geht … ein vierminütiger Bericht bei quer (BR) zeigt, wie ein Unternehmen auf den 6-Stunden-Tag umgestellt hat und weiterhin die acht Stunden zahlt … und alle profitieren. Historisch schufteten die Menschen 50 bis 60 Stunden wöchentlich in Fabriken, und die Industrialisierung versprach ein stetiges Abnehmen der Arbeitszeit bei gleichem Lebensstandard. Leider ist dieser Prozess zugunsten der Unternehmen und Investoren vor 30 Jahren gestoppt worden. Nicht universal anwendbar, aber ein Hoffnungsschimmer auf mehr Zeit. [Dirk]

8. In unsere Zeiten scheint es ja nur Gut gegen Böse, Schwarz gegen Weiß oder West gegen Ost zu geben. So auch die Meinungen zu Putin, der auch aus meiner Sicht in manchen Belangen dem ebenfalls verlogenem Westen in nichts nachsteht. So steht eigentlich fest, dass die Vergiftung des russischen Ex-Spions Skripal in London auf die Kappe von russischen Spionen geht. Die Sachlage wird in einem vierminütigen Video bei ZAPP (NDR) noch einmal pointiert aufgerollt. Ein zweiter Bericht beleuchtet in einem sechseinahlbminütigen Beitrag, wie der ehemalige Oligarch und einer von Putins Kritikern, Michail Borissowitsch Chodorkowski, nun in die Medienbranche gewechselt ist und auch gleich sehr heiße Eisen in die Hand nimmt. Mutig! [Dirk]

9. Mit brutaler Direktheit schreibt Otto Köhler (Journalist und SPD-Mitglied) in jungeWelt einen aufmunternden Brief an Parteichefin Andrea Nahles. Im Prinzip geht es um den aktuellen Fall Maaßen, aber im Großen und Ganzen ist mit dieser Personalie kein Blumentopf zu gewinnen, so wenig wie mit der GroKo an sich. Doch das erbitterte Klammern an der Regierungsgewalt lässt das Ansehen und das Vertrauen der SPD jeden Monat auf einen erneuten Tiefstand fallen. Kurzweilig und treffend. [Dirk]

10. Bleiben wir bei jungeWelt und steigern den Brechreiz in ungeahnte Höhen: In Salzburg trafen sich Staats- und Regierungschefs und gratulierten sich im Rahmen eines EU-Gipfels öffentlich zur Reduzierung der ankommenden Flüchtlinge an den (tatsächlichen) Grenzen Europas. Dass dies mit unmenschlichen Verhaltensweisen an den nach Afrika gerückten Außengrenzen Europas bewerkstelligt wird und nun mehr Leute in der Wüste verdursten, anstatt im Mittelmeer zu ertrinken – geschenkt! Dass es ansonsten keine Einigkeit im gemeinsamen Handeln gibt – vergessen! Wie schön, wenn man mit der „flexible Solidarität“ ein Mittel gefunden hat, ein solches Vorgehen noch zu feiern. Widerwärtig. [Dirk]

11. Am Ende noch eine neutrale Nachricht, wenn sich schon nichts Positives von meiner Seite finden ließ: Das älteste Tier der Welt lebte bereits vor 558 Millionen Jahren, so ein Bericht auf der Wissenschaftsseite scinexx. Damit ist der Homo sapiens mit seinen knapp 300.000 Jahren ein „Vogelschiss in der Geschichte“. Das wollte ich endlich auch mal schreiben … [Dirk]

12. Für unsere Bundesregerung scheint bezahlbarer Wohnraum nicht so wirklich wichtig zu sein, wenn man von solchen Pseudoregulierungen wie die „Mietpreisbremse“ mal absieht (es scheint eher so zu sein, dass die Knalltüten Preise für die blödesten Gesetznamen einheimsen wollen ;-)). Wie Telepolis-Autor Peter Nowak hier berichtet, haben 250 Wissenschaftler auf das Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie mit einer Stellungnahme reagiert. Hoffen wir mal, dass dies von unseren gut bezahlten Entscheidungsträgern nicht genauso ignoriert wird, wie sie im Allgemeinen den Wille des Volkes ignorieren. [Gerald]

13. Werden wir immer dümmer? So lautet der Titel eines interessanten Telepolis-Artikels von Florian Rötzer. Meines Erachtens trifft das wohl zu, und diese Entwicklung kommt den Interessen der Eliten zugute, wenn sie diese nicht sogar gezielt fördern. Ich gehe davon aus, dass dem entgegenzuwirken wäre, wenn Unterrichtsmethoden zur Anwendung kämen, wie sie u. a. von Prof. Gerald Hüther vorgeschlagen werden, auf den wir hier auf unterströmt schon oft hingewiesen haben (z. B. hier und hier). Mögen die Statistiken, die in dem Artikel besprochen werden, auch lückenhaft sein, als Anregung zum Nachdenken kann man die Ergebnisse auf jeden Fall verwenden. [Gerald]

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Gemischte Beiträge mehrerer Autoren.

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