Neue Querfront: pro Israel und Rechtsaußen

Was sich ja dank Freaks wie Broder und Co. schon länger angedeutet hat, die ja gezeigt haben, dass ein rechtslastiges Weltbild mit rassistischen und sozialsdarwinistischen Thesen auch ganz gut ohne Antisemitismus funktionieren kann, wird nun immer deutlicher: Es entsteht eine Querfront (auch wenn dieser Begriff in letzter Zeit durchaus etwas inflationär gebraucht wurde) von Rechtsextremen und Anhängern der israelischen Regierungspolitik, wobei die antimuslimischen Aussagen der Pro-Israel-Fraktion nun von der braunen Brut mit „Haben wir ja schon immer gesagt, dass die scheiße sind!“ vermischt werden. Widerlich, plump und offensichtlich, aber eben leider zeigen sich viele dafür empfänglich, die in dem Israel-Palästinenser-Konflikt mit Vehemenz die israelische Seite verteidigen.

Klar, Antisemitismus ist totaler Bullshit, beim Eintreten dagegen sollte man nur aufpassen, mit wem man sich da zusammentut, denn ansonsten landet man schnell mal bei solchen braunen Spinnern wie dem Schmierfunk der Nazi-Postille „Junge Freiheit“. Beim Lesen dieses Artikels bitte aufpassen, dass man sich nicht in die Tastatur übergibt. Für solche Gestalten ist es nun also klar, was daran schuld ist, dass zurzeit wieder antisemitische Parolen in Deutschland gegrölt werden: die Ausländer und Multikulti. Das ist natürlich Vereinfachung im gröbsten Sinne, aber gerade in konfliktreichen Zeiten, die uns viele schreckliche Bilder nach Hause liefern, sind viele Menschen besonders anfällig für Simplifizierungen und das Ausmachen von Sündenböcken. Neben dem hier verlinkten Artikel ist mir dies in den letzten Wochen auch schon vermehrt in den sozialen Medien aufgefallen, wenn da auf einmal ausländerfeindliche, rechte Seiten verlinkt werden oder allen Moslems Tod, Hass und Verderben gewünscht wird. Und auch der Kommentar in der BILD von Nicolaus Fest, der in dem Satz „Ich brauche keinen importierten Rassismus, und wofür der Islam sonst noch steht, brauche ich auch nicht“ gipfelt, haut in die gleiche undifferenzierte Kerbe. Das ist Hetze par excellence, und genau solches Denken führt dazu, dass Konflikte wie der in Nahost bisher nicht zu einer friedlichen Lösung kommen konnten.

Natürlich ist auch die andere Seite zu erwähnen: Wenn bei propalästinensischen Demonstrationen antisemitische Parolen gebrüllt werden, ist das ebenfalls abartig, zumal ja auch hier eine grobschlächtige Verallgemeinerung vorliegt, wenn alle Juden mit den Verfechtern der Politik der israelischen Regierung gleichgesetzt werden. Ich will schließlich als Deutscher auch nicht mit Merkels kranker und destruktiver Politik in Verbindung gebracht werden. Diese Querfront von rechtem Antisemitismus und propalästinensischer Einstellung wurde allerdings auch schon reichlich medial thematisiert (zum Beispiel hier und hier, um nur mal zwei Beispiele aufzuführen).

Also: Augen auf beim Eierkauf – gerade bei einem so emotional aufgeladenen und brisanten Thema wie dem derzeitigen Krieg in Gaza! Sonst bölkt man auf einmal gemeinsam mit Typen, mit denen man eigentlich keine Gemeinsamkeiten haben möchte …

PS: Normalerweise verlinke ich nicht auf Seiten von BILD, Junge Freiheit oder ähnlichem Schmutz, in diesem Fall erschienen mir diese Quellenangaben aber unvermeidlich. Der Artikel kann allerdings auch so gelesen werden, ohne auf diese Seiten klicken zu müssen.

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Karl

Jahrgang 1969, ist nach einem Lehramtsstudium und diversen beruflichen Tätigkeiten seit 2002 freiberuflicher Lektor (Auf den Punkt). Nach vielen Jahren in Hamburg, lebt er nun seit November 2019 in Rendsburg. Neben dem Interesse für politische Themen ist er ein absoluter Musikfreak und hört den ganzen Tag Tonträger. An den Wochenenden ist er bevorzugt in Norgaardholz an der Ostsee und genießt dort die Natur.

Ein Gedanke zu „Neue Querfront: pro Israel und Rechtsaußen“

  1. Nun wächst also auch offensichtlich zusammen, was ich in diesem Artikel vor gut zwei Jahren schon beschrieben habe: Der hier zitierte ehemalige BILD-Journalist Nicolaus Fest ist mittlerweile bei der AfD gelandet und macht dort gleich mal mit markigen Sprüchen auf sich aufmerksam, wie aus einem Spiegel-Artikel hervorgeht.

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