Pfannkuchen

Noch sitze ich in meiner kleinen, aber warmen und gemütlichen Wohnung, habe einen gut gefüllten Kühlschrank, kann meiner Lesewut frönen, meinem Bestreben, einen möglichst geringen klimaschädlichen Fußabdruck zu hinterlassen, nachgehen und bin eigentlich recht zufrieden mit meinem eigenen Leben. Noch!

Denn wenn ich mir so anschaue, was in der Politik und dem, was wir immer noch Gesellschaft nennen, welche ich als solche aber kaum mehr wahrnehme, sondern immer mehr nur noch als Schicksalsgemeinschaft von mehr oder weniger egoistischen Menschen, gerade so abgeht, was von den Regierungen so getan wird, was von der grünen und gelben Opposition so gefordert wird, so stellt sich mir schon die Frage, ob das bis zu meinem Ende so sein wird. Zunehmend zweifele ich daran, weil Zweifel mir mehr als nur angebracht erscheinen. Unlängst brachte ich dies zum Ausdruck, als ich feststellte, dass Deutschland ein ökonomischer Riese ist, aber gesellschaftlich ein Zwerg sei. Ob geworden und geblieben, darüber mache ich mir auch so meine Gedanken, und immer mehr tendiere ich zu Letzterem, denn die von mir diagnostizierte Sparbuch-Mentalität gibt es nicht erst seit gestern in deutschen Landen. Dass ich nicht sehr zuversichtlich bin, dass sich das ändern könnte, auch das habe ich deutlich gemacht, gerade in Bezug auf die Digitalisierungseuphorie im Bildungsbereich, welche dieses Land ergriffen hat, wider jeglichen Verstand, wider wissenschaftliche Erkenntnis.

Die Herausforderungen werden dringlicher, größer, derer immer mehr, nur die Antworten bleiben stets die gleichen, stets die alten

Die Probleme und Herausforderungen werden ständig größer, vor denen ich als Mensch, vor denen die Gesellschaften stehen. Die Antworten allerdings, die man seit Langem gibt, die meist die Probleme und Herausforderungen sogar nur größer haben werden lassen, viele erst geschaffen hatten, sind und bleiben die gleichen Antworten.

Weiterhin gilt, was schon lange gegolten hatte: Die Anbieter werden geschont, hofiert sogar, der größte Schund darf weiter an den Mann und die Frau, das Kind gebracht werden, mit den verwerflichsten und schädlichsten Methoden erzeugt werden, und wenn nicht hier, dann eben in Afrika oder andernorts, wo die Gesetze noch lascher sind als bei uns. Es bleibt bei einer reinen Angebotspolitik und den damit verbundenen Dogmen des Neoliberalismus in deutschen Landen.

Weithin gilt deshalb auch, was schon lange hier gilt: Die von den Anbietern geschaffenen Probleme soll dann der Verbraucher, der Nachfrager richten, wird die moralische und tatsächliche Überforderung der Konsumenten kein Ende nehmen. Die Verantwortungsübertragung auf das Individuum scheint schier endlos zu sein und zu bleiben, insbesondere in deutschen Landen, und, was noch schlimmer ist, sie bleibt akzeptiert in den Köpfen der großen Mehrheit.

Verbote! Um Gottes willen, nein!

Es könnte dem Handel schaden, der Wirtschaft und ihren Gewinnen und angeblich dem BIP. Lieber nimmt man den kleinen Mann und seine Frau in Haftung und Pflicht, einschließlich ihres permanent schlechten Gewissens, welches man beständig zu schaffen bereit ist, füttert es sozusagen, wie man eine Katze oder einen Hund füttert, mit immer den gleichen Forderungen, Aufforderungen und falschen Versprechen.

Wäre es nur die Fantasielosigkeit der Protagonisten, die hier zu beklagen wäre, wäre es ja nicht so schlimm, würde ich mir keine Sorgen um meine Zukunft und die meiner Familie machen. Müssen eben andere Protagonisten her. Nur leider ist es nicht nur Fantasielosigkeit, die zu beklagen ist. Vielmehr ist Versagen zu beklagen. Fahrlässigkeit bis hin zum Vorsatz ist zu beklagen. Und Feigheit ist zu beklagen, Feigheit ganz besonders. Nicht nur bei den derzeitigen Protagonisten, sondern auch bei denen, die es sein wollen, sich als solche anschicken, Macht ausüben zu können; wobei damit auch der Wunsch nach anderen Protagonisten einen großen Dämpfer bekommt, schaut man sich genauer an, was und wer sich derzeit da so anbietet vor den Wahlen, was da dann droht, Macht zu bekommen nach den Wahlen.

Es fehlt an Mut

Allen ist gemein: Man traut sich nicht, das wirklich Notwendige zu tun, weder in der Regierung noch in der Opposition. Der immer mehr marktkonforme Wähler könnte es nicht goutieren. Verbote sind nicht en vogue in einer Gesellschaft des Individualismus über allem und jedem. Ausschließlich marktwirtschaftlich zu handeln gedenkt man, den Preis über Steuern dann zu erhöhen, wenn der Preis, meist dem eigenen Weltbild entsprechend, als zu gering erachtet wird, auch dann, wenn andere gerade auf die dann vor ihrem Tun noch niedrigeren Preise angewiesen sind. „Was schert mich das Elend der anderen?“, scheinen sie zu denken, wenn sie überhaupt noch denken, bevor sie handeln; tatsächlich nachdenken und überdenken, das tun sie sicherlich nicht.

Und wenn sie dennoch mal denken, dann nämlich, wenn die Unsäglichkeiten auch von ihnen nicht mehr geleugnet werden können, so sind sie alle zu feige, denen wirklich mal auf die Füße zu treten, denen sie lange schon auf die Füße hätten treten müssen; gemeint sind die Anbieter von schlechten, oft überflüssigen Produkten, die noch dazu mit unsäglichen Mitteln und Verschwendung hergestellt werden. Weder ihnen noch den Anbietern von überteuerten und damit die Masse vom Konsum ausschließenden Produkten und Dienstleistungen, Letztere meist einst von der Gemeinschaft angeboten, nun von Privaten für die eigene Tasche optimiert, wagen sie sich in den Weg zu stellen. Im Gegenteil, ihnen den Weg möglichst frei zu halten, möglichst alles wegzuräumen, was sie am Voranschreiten hindern könnte, einschließlich Löhnen, die ein würdevolles Dasein im Heute und Morgen ermöglichen würden, das sehen sie als ihre eigentliche Aufgabe an. Alles andere ist nur Nebensache, nur Gedöns, nur Ablenkung, meist zur Täuschung, um an der Macht zu bleiben oder an sie zu heranzukommen.

Pfannkuchen backen, anstatt die Verursacher in die Pflicht zu nehmen

An die Verursacher des Unheils traut man sich nicht ran, weder die schwarz-rote Regierung noch die grüne Opposition.

Die Schwarzen und Roten wissen genau, was sie wollen, was sie behalten wollen, Macht nämlich, um es deutlich zu sagen. Man bewegt sich entsprechend dem Strom und dem Wind, reagiert, anstatt zu gestalten, immer allerdings im Rahmen des zu denken Erlaubten, der Vorgaben derer, die das erlaubte Denkbare vorgeben derzeit. Selten war so deutlich, wie richtig Foucault mit seiner archäologischen Philosophie doch lag und liegt, wie aktuell er doch ist.

Auf die Reichen und ihre Botox-Schönheiten, die Konzerne, vornehmlich die der Digital- und Finanzindustrie, und ihre Verlage der Medien, der milliardenschweren Eigentümer dieser Medienkonzerne, sei hier vor allem hingewiesen, die machtvoll vorgeben, was noch denkbar sein darf und was nicht, was auf keinen Fall gedacht werden darf; die nur das zulassen, was in ihrem Interesse ist, was auch anders gedacht werden darf, den Ruck nach Rechts beispielsweise, den wir hier doch lange schon beobachten können, der Teil der großen Restauration ist, die sich schon in den 60ern des letzten Jahrhunderts formierte und die heutzutage den Ton angibt, deren Macht sich Schwarze wie Rote längst gebeugt hatten, an deren Macht sie nur noch zu partizipieren gedenken.

Ähnlich die Grünen, denn die Grünen wollen an die Macht, bleiben allerdings in den Vorgaben des zu denken Erlaubten, nennen es dann progressiv, weil links, auf der Seite der Schwachen, steht die grüne kosmopolitische Mittelschicht ja lange schon nicht mehr, wenn die Schwachen im eigenen Lande leben. Mit den Verursachern sich anzulegen ist deshalb nicht erlaubt und wenn, dann nur in homöopathischen Dosen und nur so lange, bis die Lobby nicht mit geballter Medienmacht zurückschlägt, solange die eigene Wählerschaft nicht die Folgen zu tragen hätte.

Die Linken wissen nicht, was sie wirklich wollen. Ob sie die Verursacher in die Pflicht nehmen wollen oder nicht, scheint ihnen selbst nicht klar zu sein, hängt wohl auch vom jeweiligen Standpunkt des Mitgliedes ab, und derer gibt es viele, viel zu viele Standpunkte deshalb auch, wie mir scheint. Was sich besonders dann zeigt, wenn mal der eine oder andere das zu denken Erlaubte überschreitet und ausspricht, was nicht ausgesprochen werden darf, wenn es den großen kosmopolitischen Konsens zu verlassen droht. Wagenknecht kann sicherlich ein Lied davon singen.

Die Blauen wollen genau das, was ist, und noch mehr davon, und einiges mehr wollen sie, was wir nun wirklich nicht wollen können und nicht wollen dürfen. Sie sind der Totalausfall für eine bessere Gesellschaft schlechthin und werden es auch bleiben.

Ach ja, die gelbe Einmannshow; die hat sowieso nur vor, den 1 % und deren Bediensteten zu gefallen, denn von denen leben sie, für die haben sie Politik zu machen. Die Gesellschaft ist so, wie sie es immer wollten, heterogen und geteilt und als Gesellschaft, als solidarische Gesellschaft, schon lange nicht mehr zu erkennen. Eigentlich könnten sie sich zurückziehen, und das im Bewusstsein: Mission accomplished. Nur hier ist wohl mein Wunsch Vater des Gedanken und weit weg von der Realität. Auch Herr Lindner will Macht und Einfluss, und Geld stinkt auch nicht in seiner Nase.

Allen ist derzeit gemein: Mehr als Pfannkuchen backen können sie nicht und wollen sie deshalb auch alle nicht, und nicht einmal das können sie wirklich gut.

Ein Pfannkuchen dieser Tage heißt Kohlekompromiss

Die Regierung im Bund und die Regierungen in den betroffenen Ländern schmeißen den sowieso viel zu weichen Kohlekompromiss einfach über Bord, verwässern diesen, schmieren gleichzeitig die fetten Schweine noch mit Schmalz ein, wie man hier bei uns sagt, indem man Milliarden den Verschmutzern unserer Atmosphäre in den Hintern steckt, ohne dass sie Gegenleistungen zu erbringen hätten, eigentlich nur eigene Pläne nun zu erfüllen haben. Man nennt das dann auch noch einen Erfolg vonseiten der Regierung und backt uns damit erneut einen Pfannkuchen vor den Hintern, denn so sagt man auch hier bei uns, wenn man veräppelt werden soll oder worden ist.

Obendrein schiebt man uns, den Verbrauchern, wieder die Last zu, erhöht die sowieso schon viel zu hohen Preise für viele Güter des täglichen Lebens über die CO2-Steuer und behauptet dann sogar noch, nur so wäre Klimaschutz möglich, so wäre er effizient zu machen. Man hält mich einfach für dumm und viele andere auch, und in der Mehrheit dieser Gemeinschaft von egoistischen Individualisten mögen sie gar nicht so falsch mit dieser, ihrer Haltung liegen, diese Pfannkuchenbäcker und -bäckerinnen an den Schaltstellen der Macht.

Tierwohl, gesunde Ernährung, Landwirtschaft und noch mehr Pfannkuchen, viele altbackene Pfannkuchen

Man verbietet Massentierhaltung nicht, verbietet nicht, dass Antibiotika massenhaft bei der Tierhaltung eingesetzt werden. Nein, das traut sich niemand, auch die Grünen nicht, denn mehr, als die Subventionen anzufassen, anders zu verteilen und auf die EU zu warten, ist auch mit ihnen nicht zu machen. Deshalb ist klar und bleibt klar: Auch hier sollen wir, der kleine Mann und seine Frau, soll unser schlechtes Gewissen es richten, sollen wir verzichten als Einzelne, denn auf diese Produktionsweise auf Kosten des Tierwohls, der Gesundheit, der Umwelt und – auch wenn das viele Landwirte anders sehen mögen – auch auf Kosten der Landwirte kann man ja angeblich nicht verzichten.

Man beklagt, wie der Ministerpräsident der Niedersachsen, die niedrigen Verbraucherpreise – „Viele Nahrungsmittel sind in Deutschland im Vergleich zu Nachbarländern erstaunlich billig“ -, fordert den Einzelhandel auf, vom „Prinzip des niedrigsten Preises“ abzurücken, denn: „Mehr Leistung muss auch besser bezahlt werden. Anders bekommen die Bauern das nicht hin.“ Wobei er damit durchaus recht hat, nur gleichzeitig hält besagter Ministerpräsident – der hier nur stellvertretend für die vielen anderen Scheinheiligen steht, die sich derzeit ähnlich äußern – an den Hartz-Reformen fest, verteidigt sie und damit die wahre Ursache für die niedrigen Preise, nicht nur bei denen für Nahrungsmittel. Wer die Löhne künstlich am Boden hält, sollte sich nicht wundern, wenn die Preise in den Keller gehen. Deflationäre Politik, wie seine Politik, kann gar nicht anders, nur das scheint Herr Weil nicht zu wissen (oder zu ignorieren). Wie gesagt, Herr Weil ist hier stellvertretend erwähnt für die vielen, vielen anderen, die ähnlich krude denken, in sein Horn blasen, wenn sie sich anschicken, wieder einen neuen Pfannkuchen zu backen.

Immer soll es der Verbraucher richten, die Zeche zahlen, und immer wird behauptet, dass der Verbraucher das auch könne. Insbesondere grün bewegte Menschen behaupten sogar, dass wir, die Nachfrager, bei den Nahrungsmitteln das heilen könnten, vor dem alle Parteien – auch die Grünen – aus schierer Angst vor der Wirtschaft, insbesondere der Lobbyorganisationen der Landwirtschaft, zurückschrecken, es auch heilen zu wollen.

Dass der Export, die verzahnten Lieferketten auch beim Wohl und Wehe der Tiere, bei den Produktionsmethoden in Deutschland und der EU große Bedeutung haben, dass ignoriert man, dass verschweigt man, lässt man unter den Tisch fallen, kehrt man gern dann unter den Teppich. Es ist ja auch viel bequemer, das schlechte Gewissen der anderen zu bemühen, als wirklich einmal gute Politik machen zu müssen, als Probleme zu lösen, anstatt sie weiterhin vor sich herzuschieben und immer nur die anderen für deren Nichtlösung verantwortlich zu machen.

„Ein deutscher Landwirt erlöst etwa jeden vierten Euro im Export, die deutsche Ernährungswirtschaft nach Branchenangaben sogar jeden dritten Euro. Angesichts stagnierender Märkte im Inland benötigt die deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft jedoch weiteres Wachstum im weltweiten Export, um ihren Beitrag zu Erhalt und Steigerung von Wertschöpfung und Wohlstand in Deutschland zu leisten.“ BMEL. Stand 02.02.2020

Wer Masse statt Klasse propagiert, wer Masse statt Klasse zulässt, wer Klasse für viele Mitmenschen unbezahlbar macht, unbezahlbar halten will, der sollte sehr kleine Brötchen backen, meine ich, ganz egal welcher der Handelsbilanz sich verpflichtet fühlenden Partei er oder sie angehört.

Heilige Kühe

Ein Verbot und viel strengere Regeln, das würde den Exporten, auch denen der Landwirtschaft, schaden, der Handelsbilanz in Gänze damit. Und genau das traut man sich nicht, trauen sich alle nicht, denn die Handelsbilanz ist doch eine heilige Kuh des Deutschen, wenn er schon auf so vieles nicht mehr stolz sein kann, seit die Probleme hier überhandzunehmen drohen, so doch wenigstens darauf, dass die Exporte im Saldo größer als die Importe bleiben. Die heilige Kuh Handelsbilanzüberschuss, die heiligen Kühe des Exportes dürfen nicht geschlachtet werden, nicht einmal eingehegt werden, auf gar keinen Fall.

Das Selbstwertgefühl, durch Elbphilharmonie, BER, Stuttgart 21, die Privatisierung der Bahn, der Post und der Krankenhäuser, fast des ganzen Wohnungsbaus und -bestandes, durch die maroden Schulen in Substanz und Inhalten, das permanent durchschnittliche und unterdurchschnittliche Abschneiden der Schüler und Schülerinnen in zwischenstaatlichen Vergleichen und nun auch noch durch den Schock des zunehmenden Rechtsradikalismus und Antisemitismus im Lande der Schuldigen an der Shoa, arg gebeutelt, braucht wenigstens diesen Traum von eigener Überlegenheit – mit den Fußballern war und mit den Handballern ist ja nun auch kein großer Staat derzeit zu machen, und einen Boris und eine Steffi haben wir schon lange nicht mehr.

Nein, lieber haut man wieder auf den Verbraucher drauf, macht alles teuer, was teuer gemacht werden kann, frönt der Bigotterie. Gern füllt man die Kassen des Staates über immer mehr Verbrauchssteuern, macht uns damit alle ärmer, um die Konzerne, die Reichen und ihre Botox-Schönheiten über Steuersenkungen noch ein wenig reicher und mächtiger zu machen (Altmaier wird nicht müde, das zu fordern, und wird wohl seinen Wunsch auch bald erfüllt bekommen), als wirklich etwas Zielführendes gegen diese verwerfliche Tierhaltung, gegen diese Verschwendung von Leben, gegen dieses unsägliche Leid von Rindern, Schweinen und Geflügel etwas wirklich Erhebliches tun zu wollen. Lieber schmeißt man auch hier das Geld zum Fenster raus, knapp 1.000 € für jeden Bauern im Durchschnitt, wenn ich richtig gerecht habe (was dem einzelnen Bauern fast gar nichts nützt, worauf es aber nicht so sehr ankommt, wie auf das Symbol, wieder etwas getan zu haben, ohne wirklich etwas tun zu müssen), in der Summe ein Milliarde. Das macht ja nichts, das merkt ja keiner, so denken und so handeln sie, diese vielen Scheuer-Klone in den deutschen Parlamenten, Verwaltungen und Parteizentralen.

Nach der Verbrauchssteuer ist vor der Verbrauchssteuer

Die Steuer auf Fleisch, für uns, nicht für das Ausland, die kommt deshalb gewiss, so gewiss wie das Amen in Kirche; so gewiss, wie nun die Atmosphäre einen Preis über die CO2-Steuer bekommen hat bei uns. Viel Fantasie ist da nicht nötig, um das zu erkennen; es ist lange schon aus den Diskussionen und Vorschlägen der Politik abzulesen. Große Teile der Grünen lechzen gar danach. Die Mehrwertsteuersätze für Fleisch werden bald angehoben werden; die Massentierhaltung aber weiterhin auch auf engstem Raum für die Tiere zugelassen bleiben.

Die Steuern für andere Lebensmittel werden vielleicht sinken, die Preise sich schnell jedoch wieder auf das alte Niveau begeben haben. Ein Blick auf das Verwirrspiel im Handel, welches seit der Preissenkung für Produkte aufgeführt wird, welche die Frau während Menstruation einsetzen muss, würde ausreichen. Um 12 % sank die Steuer für Tampons beispielsweise, stiegen dann die Gewinne für die Konzerne, weil sie Abgabenpreise erhöhten, sodass die Preise sich schnell wieder drohten, dem alten Niveau zu nähern; Proteste folgten und ein kurzfristiges Zurückrudern der Konzerne. Die Proteste werden allerdings hier nicht lange schützen, wie die Argumente der Hersteller schon andeuten. Lernen daraus wird man nicht. Wozu auch, machen wir uns doch die Welt, wie sie uns gefällt.

Zielgerichtetes Handeln über Verbote bleibt derweil verboten! Um Gottes willen, nein! Alles, nur keine Verbote! Es könnte dem Handel schaden, den Gewinnen und dem BIP, vor allem der arg gebeutelten deutschen Überheblichkeit.

Pfannkuchenplastik

Dass bald mehr Plastik im Meer schwimmen wird als Fische, ist bekannt, wird medial täglich bekannt gemacht, mit prominenter Unterstützung, die, zu Recht, aber leider auch nur wieder ausschließlich an unser Gewissen appelliert.

Wer soll es also wieder richten?

Der Verbraucher natürlich. Verzicht des Einzelnen, weil einen Verzicht auf der Angebotsseite, durch Verbote nämlich schnell ermöglicht, will man nicht durchsetzen; dazu fehlt der Mut; dazu ist die Feigheit zu groß: Feigheit, immer wieder Feigheit vor den Mächtigen der Wirtschaft, den Anbietern und Produzenten.

Gäbe es nicht kleine Bürgermeister, die das Heft des Handelns selbst in die Hand nehmen würden, so würde außer Gerede, außer Appellen, außer noch größeren schlechten Gewissen nichts geschehen. Das Wort Verbot ist negativ konnotiert, des Teufels gar. Zielorientiertes Handeln bleibt Fehlanzeige.

In Tübingen kommt, entsprechend dem Willen des grünen Rechtsaußen, nun eine Steuer auf Wegwerfverpackungen:

Nach dem EU-Beschluss, Einwegplastik zu verbieten, gibt es in Deutschland ganz konkrete lokale Reaktionen. Tübingen (Baden-Wüttemberg) will Einwegverpackungen besteuern – damit hätte die Gemeinde eine Vorreiterrolle in der Bundesrepublik inne, erklärt die Stadtverwaltung.

Betroffen wären zum Beispiel Cafés, Restaurants und Imbissbuden, die ihre Ware in Plastik gehüllt ausgeben.

Wieder eine Steuer, wieder auf den Verbrauch, ganz im Sinne der Angebotspolitik, des Mainstreams. Verbieten darf oder will auch er nicht. Auch hier soll es der Verbraucher richten, wozu die Politik keine Traute hat, ohne den Verbraucher in Pflicht zu nehmen, es zu richten. Wieder kommen die Verursacher ungeschoren davon, werden die Konsumenten in die Pflicht genommen. Sich mal mit denen anzulegen, die uns auch diese Misere hier eingebrockt haben und weiterhin einbrocken, ihnen das zu verbieten, was verboten gehört, das geht gar nicht. Wo ein Bedürfnis ist, muss unbedingt auch ein Bedarf gedeckt werden können. Marktwirtschaft über alles, selbst über das Leben. Mehr ist nicht mehr drin.

Verbote! Um Gottes willen, nein! Es könnte dem Handel schaden, den Gewinnen und dem BIP. Das alte Lied, die alten Antworten, die alte, immer wieder neue Traurigkeit, die unsere Gewissen nicht zur Ruhe wird lassen kommen.

Die größten Pfannkuchen backt man lange schon beim Sozialen, die am wenigsten schmackhaftesten noch dazu

Altersarmut, Kinderarmut, Pflegenotstand, diverse Notstände im Sozialen, Vieles, was nicht mehr unter den Teppich gekehrt werden kann, weil viel zu viel auch schon darunterliegt.

Wer soll es richten? Wir, die Verbraucher natürlich. „Sieh zu, wie du im Alter klarkommst, oder kauf dir das würdevolle Alter bei den Privaten.“ „Kauf dir eine Wohnung, wenn du dir die Mieten nicht mehr leisten kannst.“ Mehr fällt ihnen allen nicht mehr ein. „Deckel drauf und gut“, nicht nur bei den Mieten, sondern am besten auch noch im Grundgesetz, ginge es nach Altmaier, nach den Neoliberalen im Lande und in fast allen Parteien, wenn nicht in allen Parteien. Die vielen, immer kruderen, weltfremderen Vorschläge der Parteien hier aufzulisten würde den Rahmen dieses Beitrages sprengen, der schon jetzt viel zu lang ist, gezwungenermaßen, weil das Versagen mittlerweile auch viel zu groß ist.

Renten, die zu einem würdevollen Leben reichen, sind nur für die noch vorgesehen, die hart und lange gearbeitet und auch eingezahlt hatten, die gut verdienten und Glück hatten, keine gebrochene Erwerbsbiografie zu haben. Und für die, die verbeamtet wurden und Pensionen beziehen. Für die natürlich, die ein paar Jahre in den Parlamenten als gut bezahlte Politiker sich oft nur den Hintern platt saßen – über die Renten und Transfers, die Bedingungen im Lande, ohne oft selbst davon betroffen zu sein, befanden und befinden -, meist mit der Meute stimmten, fast nie gegen sie, eben gut angepasst waren, gut netzwerken können und konnten, wie man Neu-Hochdeutsch so gern sagt, um sich diesen Platz an der Sonne auch sichern zu können. Niemand in der Politik, der wirklich die Gründe dafür beheben will, der sich für eine Stärkung des Sozialstaates über höhere Bruttolöhne einsetzt – außer in Sonntagsreden vielleicht, aber das tut auch nicht weh, kann man im Alltag schnell wieder vergessen.

Warum auch mehr als nur höhere Löhne fordern? Warum sie auch noch durchsetzen und damit auch höhere Transfers, weil mehr Geld durch die höheren Löhne in das Sozialsystem käme? Warum sich gegen den Willen des Angebotes durchsetzen? Warum über Mindestlöhne und Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen, über die Rückabwicklung von Privatisierungen, die lange schon zeigen, dass sie ein Fehler waren, die Gesellschaft wieder auf gesunde Füße stellen? Um Gottes willen, bloß nicht! Schadet doch den Gewinnen, der Wirtschaft, der heiligen Kuh Handelsbilanz, schadet überdies der eigenen Karriere. Dass das BIP davon profitieren würde, die Gesellschaft sowieso, wird schnell unter den Teppich gekehrt wie alle Krümel der vielen Pfannkuchen hier unter den Teppich gekehrt werden, damit schnell die nächsten Pfannkuchen serviert werden können.

Die Feigheit vor dem Kapital wird hier schier unerträglich, die ich beobachte, welche in dieser demokratischen Gesellschaft vorherrscht, uns damit beherrscht und damit die Demokratie langsam, aber sicher droht, zu Schanden zu reiten, sie damit den Reichen und den Konzerne zum Opfer zu fallen droht, währenddessen man uns nur Pfannkuchen serviert, vor den Hintern backt.

Deutschland, ein ökonomischer Riese und ein gesellschaftlicher Zwerg, und das aus reiner Feigheit vor denen, die das Kapital besitzen. Vielleicht auch aus Angst davor, nicht mehr wohlgelitten zu sein bei den Mächtigen der Wirtschaft, wenn die eigene politische Karriere zu Ende geht, die Deutsche Bank oder andere keine Aufsichtsrats- oder Vorstandsposten mehr zur Verfügung stellen, keine hohen Gagen für meist überflüssige Reden zu zahlen bereit sein könnten.

Unglaublich, oder?

Nein, marktwirtschaftliche, marktkonforme Realität, die man wahrnehmen kann, wenn man sie auch wahrnehmen möchte.

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Heinz

Jahrgang 1958, am Leben interessiert, auch an dem anderer Menschen, von Rückschlägen geprägt. Nach diversen Tätigkeiten im Außendienst für mehrere Finanzdienstleister und zuletzt als Lehrkraft auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Ökonomie und Gesellschaft, den Kapitalismus in all seinen Formen zu verstehen und seit Jahren zu erklären ist meine Motivation. Denn ich glaube, nur wer versteht, wird auch Mittel finden, die Welt zu einer besseren Welt zu machen. Leid und Elend haben ihre Ursache im Unverständnis.

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