Wieso sind UFOs eigentlich unseriös?

Überall auf der Welt verdrehen Menschen die Augen, wenn das Wort „UFO“ fällt, gerade in der wissenschaftlichen Community ist das ein heikles Thema. Mal abgesehen davon, dass UFO eigentlich ein „Unidentifiziertes Flugobjekt“ (unidentified flying object) meint und nicht eine „fliegende Untertasse“ (also jedes fliegende Objekt, dass nicht eindeutig identifizierbar ist), ist auch hier die Selbstreflexion des Menschen einzigartig beschränkt. Kaum ein Bereich der Wissenschaft weißt eine solche Diskrepanz zwischen der Investitionssumme für Forschung und der wissenschaftlichen Anerkennung auf. Wieso ist das so?

Forschung

In allen Industriestaaten wird eine Menge Geld in die „seriöse Erforschung des Weltraums“ gesteckt. Neben der Idee, die Menschheit auf andere Planeten zu schicken und die wirtschaftliche Ausbeutung weiterer Himmelskörper voranzutreiben, geht es bei anderen Projekten um das Auffinden von Leben außerhalb der Erde. Neben dem seit Jahrzehnten laufenden SETI (Search for Extraterrestrial Intelligence) beschäftigen sich Universitäten und Einrichtungen in den letzten Jahren vor allem damit, ob es Planeten in anderen Sonnensystemen gibt, die für uns und/oder extraterrestrisches Leben „lebensfreundliche Bedingungen“ bieten. Nicht zuletzt sei die NASA (National Aeronautics and Space Administration) genannt, die Sonden zu diversen Planeten, Kometen und Monden in unserem Sonnensystem schickt, um dort nach Lebenszeichen und lebensfreundlichen Bedingungen wie flüssigem Wasser zu suchen.

Was wir wissen

Mittlerweile gibt es diverse Fakten, die Leben, so wie wir es kennen und definieren, anderswo im Universum ermöglichen würden. Auf dem Mars wurde Wasser gefunden, und es wird davon ausgegangen, dass auch er einmal eine Atmosphäre hatte, als sein Magnetfeld noch aktiv war (das Magnetfeld der Erde schützt diese vor den sonst für uns tödlichen Strahlen unserer eigenen Sonne). Auch große Monde in unserem Sonnensystem bieten Bedingungen, unter denen Leben möglich scheint (z. B. der Saturnmond „Enceladus“). Es wurden Sonden zu Kometen geschickt, und in einer dort entnommenen Probe des Kometen wurden Aminosäuren gefunden, die Bausteine unseres irdischen Lebens (diese Kometen könnten auf jedem Planeten entsprechend diese Bausteine abliefern).

Diese Tatsachen spielen sich alle in unmittelbarer Nähe ab, in unserem Sonnensystem (eine Sonne umkreist von acht Planeten). Die Anzahl der Planeten des uns bekannten Universums ist dermaßen erdrückend, dass sich Menschen deren Anzahl und die Größe des Universums (oder kürzer hier) kaum vorstellen können (so wenig wie die Größe der Objekte). Derzeit spricht man von mehr als 70 Trilliarden Sterne, eine 7 mit 22 Nullen (Sterne sind Sonnensysteme wie unseres, also eine Sonne mit mehrere Planeten in der Umlaufbahn, also entsprechend noch eine Menge mehr Planeten).

Dazu kommt nun noch der Faktor Zeit: Das Universum ist nach heutigem Kenntnisstand zwischen 12,5 und 13,8 Milliarden Jahre alt (13.800.000.000 Jahre). Unsere Erde soll 4,6 Milliarden Jahre alt sein, also ungefähr ein Drittel des Alters unseres Universums. Der Mensch (Homo sapiens) wandert seit ca. 200.000 Jahren auf der Erde herum, fliegt mit Ballons seit 200 Jahren, mit Flugzeugen seit 120 Jahren und vor knapp 60 Jahren das erste Mal ins Weltall.

Es gibt also Planeten, die Milliarden Jahre älter sind als unsere Erde, und was das bei unser derzeitigen technischen Entwicklung bedeutet, kann man sich wiederum auch kaum vorstellen. Was wird technischer Standard in 100 Jahren, in 1.000 Jahren oder in 1.000.000 Jahren sein, wenn es die Menschheit dann noch gibt? Ein Smartphone ist heute Standard und wäre vor 300 Jahren ein Grund gewesen, als Hexe verbrannt zu werden. Kann man sich vorstellen, welchen technische Entwicklungsstand eine Kultur hat, die bereits 1.000.000.000 Jahre älter ist als die Menschheit?

Die öffentliche Meinung

Warum stecken also so viele Industriestaaten, Universitäten, Einrichtungen und Unternehmen Unmengen an Geld in eine Forschung nach Leben außerhalb der Erde und halten es aber für unseriös, wenn jemand die Möglichkeit in Betracht zieht, dass dieses (wie auch immer geartete) Leben die Erde besucht? Wie kommt eine solche Diskrepanz zustande? In der Geschichte der Menschheit hat sich jede Kultur für die aufgeklärteste und am weitesten entwickelte angesehen, als die „Krone der Schöpfung“. Die Erde war als gesicherte Erkenntnis einmal eine Scheibe, Krankheiten waren keine für uns unsichtbaren Viren, sondern Strafen für Sünden, und es gibt auch heute noch immer Menschen, die an diesen Bildern festhalten (z. B. am Bild der flachen Erde). Man hat sich an ein Selbstbild gewöhnt, und die eigene Meinung ist ja stehts die ausgewogenste und richtige, denn deshalb hat man sich ja für eben diese Meinung entschieden. Oder anders: Es darf nicht sein, was (nach eigener Erfahrung) nicht sein kann.

Deshalb ist das Bild vom Universum für uns einfach: Wir erwarten, irgendwann mit Raumschiffen oder Sonden (ohne menschliche Besatzung) irgendwo Bakterien oder andere „niedere Lebensformen“ zu finden, um dort dann unsere erhabene Kultur auszubreiten und uns der vorgefundenen Welt zu bedienen (ganz im Sinne der letzten Jahrhunderte hier auf der Erde). Ob dies nun durch die eigene Beschränktheit der Fantasie, den Glauben an die Kone der Schöpfung oder durch Jahrzehnte der Diffamierung von Augenzeugen durch Wissenschaft und Medien der Fall ist, bleibt mir ein Rätsel. Wahrscheinlich von allem etwas und sicherlich noch aus einigen Gründen mehr, die mir spontan nicht eingefallen sind. Fakt ist aber: Wer über UFOs berichtet oder davon spricht, wird nur selten ernst genommen – trotz der logischen Herleitung aus der Verbreitung der Bausteine des Lebens auf einer endlosen Anzahl Planeten im nahezu endlosen Raum in einer astronomisch hohen Entwicklungszeit im Gegensatz zu unserer kurzen technischen Entwicklung (Milliarden Jahre gegen unsere paar Jahrhunderte).

Wie kommt es also, dass die öffentliche Meinung zu möglichen Besuchen aus fernen Welten oder Dimensionen so weit von den finanziellen und intellektuellen Anstrengungen entfernt ist? Warum suchen wir außerirdisches Leben mit großen Antennen, unsagbar geringen Erfolgschancen und einer Jahrhunderte dauernden Verzögerung in der Kommunikation, sprechen aber hämisch von den „grünen Männchen“, wenn es um UFO-Sichtungen oder ähnliche Phänomene geht? Ist es eine tiefer liegende Angst vor dem Fremden, die Angst vor Entmachtung und Kontrollverlust? Gezielte Manipulation und Desinformation? Astronauten, Angehörige des Militärs und zivile Piloten haben Angst, Sichtungen zu melden, weil sie um ihren Ruf und ihre Reputation fürchten, aber warum müssen sie das?

Berichte und Sichtungen

Im Prinzip ist es vergeudete Zeit und Geld, hier auf der Erde nach (angeblichen) Beweisen und suchen: Wenn die möglichen Besucher sich zu erkennen geben wollten/könnten/dürften, dann wäre dies allerorts bekannt, und es wäre Alltag. Es läuft also darauf hinaus, dass es sie entweder nicht gibt (z. B. weil es auch in 1.000 Jahren technisch nicht möglich ist, solche Distanzen zu überbrücken), sie einen entsprechenden Kontakt nicht wollen (z. B. weil wir für sie nicht mehr als interessant zu untersuchende Lebewesen sind) oder sie uns nicht offiziell kontaktieren dürfen (z. B. weil es intergalaktische Absprachen gibt, in die Souveränität anderer Kulturen nicht einzugreifen, oder es bereits Kontakt gab und dieser auf Bitte der Verantwortlichen nicht öffentlich gewünscht ist, ob aus Angst vor Massenpanik oder aus Angst vor einem Machtverlust). Viel Raum für Spekulationen, Verschwörungstheorien und philosophische oder ethische Überlegungen.

Videos und Fotos können manipuliert sein oder zeigen nur kleine Punkte am Himmel oder unscharfe Umrisse von vielseitig interpretierbaren Objekten. Berichte durch Augenzeugen können der Selbstdarstellung, dem Wunsch nach Aufmerksamkeit und Bedeutung oder einer verschobenen Wahrnehmung durch eine geistige Störung oder Psychose entspringen. Es wimmelt im Internet von Videos die Drohnen, Ballons, chinesische Laternen oder nächtliche Fallschirmspringer mit Leuchtfackeln zeigen. Es hat sich ein ganzer Industriezweig gebildet, der neben der Selbstdarstellung auch den ökonomischen Gewinn im Fokus hat und alltägliche Sichtungen umdeutet oder selbst manipuliertes oder selbst erstelltes Material bewirbt (zuletzt die „to the stars academy“ mit für mich sehr zweifelhaften Ambitionen).

Mein persönliches Fazit

Wie schon geschrieben spricht die Verbreitung von komplexen, chemischen Elementen (Bausteinen des Lebens) selbst auf umherschwirrenden Kometen, die schier unfassbare Anzahl der Planeten und der Zeitraum seit Entstehung erster Planetensysteme vor Milliarden von Jahren in Relation zu unseren paar Jährchen technischer Entwicklung für sich: Ich habe keine Zweifel, dass es eine unglaubliche Vielfalt an Leben im Universum gibt. Der zeitliche Faktor ist dabei noch der kritischere, denn in solchen Zeiträumen können entstandene Kulturen uns nicht nur technisch um Millionen von Jahren voraus sein, sondern auch schon seit Millionen von Jahren wieder verschwunden sein. Warum dies aber kategorisch als lächerlich hingestellt wird, obliegt neben der menschlichen Angst sicher auch einem bewusst inszenierten Bild. Das „Warum“ ist fragwürdig, aber was auf dieser Welt nicht alles aus Angst vor (in erster Linie monetärem) Machtverlust geschieht, treibt mir im Politischen oft genug Sorgenfalten auf die Stirn.

Für alle, die nun noch einige Stunden im Internet mit diesem unseriösen Thema verbringen möchten, hier noch ein paar Links, die sich über die Jahre angesammelt haben. Wie auch schon beschrieben, ist es eine sinnfreie Beschäftigung (was beweist schon ein Foto oder Video), aber ebenso unterhaltsam wie für andere das Schauen von Fernsehserien oder sportlichen Wettkämpfen.

Eindrucksvolle Augenzeugenberichte sind die Pressekonferenz im September 2010 in Washington DC (englisch) und die vierteilige Dokumentation über die Sichtung eines ganzen Dorfes 1966 in Westall (englisch) (hier noch Teil zwei, drei und vier). Eine übersichtliche Zusammenfassung offizieller Aussagen bekannter Personen in Bildform fand ich spannend, denn man kann sich auf die Suche nach der Authentizität dieser Aussage machen und so noch mehr Stunden im Internet vertrödeln. Eigentlich darf auch eine Dokumentation über Roswell 1947 (deutsch) nicht fehlen, das nun zum Mekka für Souvenirtourismus geworden ist.

In Sachen Videos und Fotos von „Unidentifizierten Objekten“ gibt es ein endloses Portfolio im Internet, und ich sehe mich nicht in der Lage, da etwas Zielführendes zu verlinken, zumal ich selbst skeptisch bin, dass es überhaupt authentisches Material dort gibt! Hier trotzdem eine kleine Playlist mit einer bunten Auswahl an Videos, die teilweise auch schon als irdische Phänomene aufgeklärt worden sind: Popcorn raus und viel Spaß bei den verwackelten Bildern in miesester Qualität und mit nicht wissenschaftlich belegten Objekten.

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Dirk

Jahrgang 1974, in erster Linie Teil dieser Welt und bewusst nicht fragmentiert und kategorisiert in Hamburger, Deutscher, Mann oder gar Mensch. Als selbstständiger IT-Dienstleister (Rechen-Leistung) immer an dem Inhalt und der Struktur von Informationen interessiert und leidenschaftlich gerne Spiegel für sich selbst und andere (als Vater von drei Kindern kommt dies auch familiär häufig zum Einsatz). Seit vielen Jahren überzeugter Vegetarier und trotzdem der Meinung: „Alles hat zwei Seiten, auch die Wurst hat zwei!“

2 thoughts to “Wieso sind UFOs eigentlich unseriös?”

  1. Deshalb gibt es die Wissenschaften und ist auch nur wahr, was wissenschaftlich bewiesen ist. Wissenschaftlich bewiesen aber ist nur, was auch sinnlich wahrgenommen werden kann oder worden ist (Kant). Es ist also die Aufgabe der Wissenschaft entweder die sinnliche Wahrnehmung zu finden oder sie auszuschließen, also Wahrheit von Fantasie zu trennen. Denn in der Fantasie kann alles wahr sein, auch das Unwahrscheinlichste.

    Da der Mensch die Wahrheit sucht, ist es auch nicht verwunderlich, dass er hier so viel Geld ausgibt, um die Wahrheit zu finden. Ich halte das auch nicht für Verschwendung, denn Wissen und Wahrheit kann nie Verschwendung sein. Eher ist das Denken, dass sich alles ökonomisch rechtfertigen muss, Verschwendung, Verschwendung von menschlicher Kreativität nämlich, Verschwendung gegen das menschliche Bedürfnis der Wahrheit auf den Grund zu gehen …

    Ein sehr schöner Beitrag, Dirk, denn er regt zum Denken an. Danke!

  2. Lieber Heinz, Deine Belesenheit, die Dichte Deiner Beiträge und Dein positives Feedback sind mir hier ans Herz gewachsen. Ich danke Dir und ich hoffe das geht noch lange so weiter!
    Auf unsere Wissenschaft gebe ich mal mehr mal weniger, denn auch dort sind Menschen am Werk, die sich selbst inszenieren wollen und Fakten gerne mal einseitig auslegen. Die Wissenschaft als solche jedoch ist mir mehr als ein Zeitvertreib: Sie tut was sie im wahrsten Sinne des Wortes tut, Wissen schaffen (und nicht Glauben schüren). Wobei wir damit wieder bei Kant ankommen ;)

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