Bürgerlich?

Was ist darunter zu verstehen? Ich bin schon lange auf der Suche nach Antworten und, ehrlich, werde zunehmend verwirrter.

Was ist eigentlich das Bürgertum, welches hier immer so von allen anderen abgegrenzt wird, von den Parteien und in den Medien?

Ich dachte immer, dass wir alle zum Bürgertum gehören würden, Staatsbürger wären und nicht nur die, die sich nun selbst dazu ernannten, um sich von den anderen, den Nichtbürgern, abzugrenzen.

Ich war immer Citoyen, bin es noch, und dachte auch, dass das das Konzept für unsere Gesellschaft wäre, dass dieser Citoyen vom Grundgesetz gemeint war und eigentlich noch ist. Irrtum?

Wahrscheinlich!

Ich scheine mich wirklich geirrt zu haben, vielleicht auch falsche Lehrer und Professoren gehabt zu haben, muss wohl umdenken, die Bourgeoisie wieder zur Kenntnis nehmen, begreifen, dass in Deutschland nicht mehr gilt, dass wir alle Bürger sind, dass nur die Bourgeoisie sich als solche bezeichnen darf, mit den entsprechenden Parteien.

Kein Wunder, dass die Gesellschaft unter die Räder gekommen ist, dass wir wieder den Rückwärtsgang eingelegt haben, die Bourgeoisie wieder Angst vor allzu viel Gleichheit unter den Citoyens bekommen hat, vor den Citoyens bekommen hat, die eben nicht zur Bourgeoisie gehören, wenn dieses Denken vom Bürger wieder allgemeines Denken ist.

Es erklärt mir einiges, auch hinsichtlich der CDU und der FDP, auch hinsichtlich dessen, dass sich die AfD dummfrech selbst als bürgerliche Partei im Sinne der Abgrenzung vom Rest der Gesellschaft bezeichnet und sich damit ebenfalls von allen anderen Citoyens abgrenzen kann, die eben nicht der Meinung der AfD sind, wie sich ja CDU und FDP auch abgrenzen von allen Citoyens, die nicht ihrer Meinung sind.

Ooops … schon wieder Gemeinsamkeiten im „bürgerlichen“ Lager. Kleist hatte schon recht in seinem Essay „Von der allmählichen Verfertigung der Gedanken beim Reden“, dass man beim Reden auch Antworten finden kann, die über das eigentlich vorher Gedachte hinausgehen können; klappt auch beim Schreiben.

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Heinz

Jahrgang 1958, am Leben interessiert, auch an dem anderer Menschen, von Rückschlägen geprägt. Nach diversen Tätigkeiten im Außendienst für mehrere Finanzdienstleister und zuletzt als Lehrkraft auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Ökonomie und Gesellschaft, den Kapitalismus in all seinen Formen zu verstehen und seit Jahren zu erklären ist meine Motivation. Denn ich glaube, nur wer versteht, wird auch Mittel finden, die Welt zu einer besseren Welt zu machen. Leid und Elend haben ihre Ursache im Unverständnis.

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